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Aus dem Danach

Es ist, als wäre nichts mehr da, ich glaube, das war schon mal so, jetzt ist es wieder da: nichts. Zumindest weniger, ich merke das, ganz deutlich, wie es weniger geworden ist, das mit Dir. Ich fahre natürlich noch zusammen darüber wie schade es ist, dass ich nicht mit Dir Hand in Hand gehen kann, wenn ich daran denke, dass wir das hätten machen können. Aber es ist keine unendliche Traurigkeit, die sich dann unter meinen Alltagsgeschäften verborgen in solchen Momenten offenbart, nein, es ist dann auch wieder vorbei.

Und am Morgen merke ich es auch. Natürlich denke ich noch jeden Morgen beim Aufwachen an Dich. Aber auch hier ist keine Schwere da und kein Leid. Es kommt mir vor, als würde sich mein Körper daran erinnern, wozu er in den letzten Wochen morgens immer gezwungen war: Denk an sie, sei dann traurig. Und als würde er, mein Körper, hierzu in der Routine der letzten Wochen auch jetzt noch jeden Morgen ansetzen, so kommt es mir vor, aber eben nur so: ansetzen. Am Abend dasselbe und am Tag dazwischen, da ist es neuerdings anders. Da sehe ich andere Mädchen, vor allem dieses eine, das hat auch etwas im Blick, etwas Verstörtes und in der zierlichen Zeichnung, schau, wie bei Dir, in der zierlichen Zeichnung des Gesichts auch etwas Herausforderndes, sieh hin, genauso zurückhaltend, wie bei Dir. Ihre Haare sind auch dunkel, nicht schwarz, wie Deine aber ihre Brüste, die sind groß, nicht klein, wie Deine. Aber auf all das kommt es ja nicht an, verzeih, ich habe mich in der anderen verloren, es kommt darauf an, dass die da ist, sie ist nichts besonderes, mit der wird nichts sein. Was ich sagen wollte ist, dass sie da ist, dass sie mir aufgefallen ist, allein das, das ist ja schon mal was, das war vor Kurzem noch nicht selbstverständlich.

Und ganz ehrlich: Ich habe nicht das Gefühl, dass dieser Text hier zu denen der letzten vier Monate passt. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass er geschrieben werden oder in einen Zusammenhang mit den alten Texten gesetzt werden müsste, überhaupt: da ist kein Müssen. Merkst Du, was ich meine: Die Notwendigkeit ist weg, die Notwendigkeit, Dir zu schreiben. Zum Schreibtisch bin ich jetzt allein gegangen, das Brötchen habe ich jetzt allein deshalb in der Küche liegen lassen, weil ein Interesse in Bezug auf mich mich drängte. Das allein war eben in meinem Kopf: halt Deine Entwicklung fest, das aufgeschrieben zu haben und nachlesen zu können wird Dir bald wichtig sein, mir! Nicht Dir. Denn bald ist nichts mehr da.

Ein Kommentar

  1. snow_in_june snow_in_june

    Ein Text zum drin versinken. Sehr schön!

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