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Case Study Unternehmensberatung, Schwerpunkt: Management Consulting

Der CEO nickte. Dass er sich von nun an nicht mehr Geschäftsführer nennen solle war ein Vorschlag, den er gerne annahm. Nur ein Idiot würde sich den gesellschaftlichen und globalen Entwicklungen verschließen, die ihm der Consultant gerade in einem eindeutigen Chart visualisiert hatte.

„Kommen wir zu den Rauchern: Durchschnittlich fünf Zigaretten pro Tag und Raucher a sieben Minuten zugrunde gelegt, kommen Sie mit der Zeit für das An- und das Ausziehen der Jacke, der Wartezeit für den Aufzug, einmal hoch und einmal runter, und der Gewöhnungsphase von mindestens einer Minute vor dem Computer bei nach unserer Erhebung 14 offiziellen Rauchern, wobei mit einer Dunkelziffer von wenigstens plus zwei Gelegenheitsrauchern zu rechnen ist, auf 196 Minuten zusätzlicher Pausen pro Tag, das sind 16,3 Arbeitsstunden pro Woche und das macht 13.067 verlorene Euro pro Monat. Und davon haben Sie nichts.“

Der CEO schärfte seinen Blick. Die Raucher waren ihm seit Langem ein Dorn im Auge.

„Unser Psychologe PD Dr. Pfeiffer, eine ausgewiesene Instanz auf seinem Gebiet, ist zudem der Auffassung, dass Ihr Controller, Herr Müller, mit der Leiterin der Poststelle, Frau Müller, in einem persönlichen Näheverhältnis steht.“

Der CEO nickte.

„Reden wir über Schultze. Sie erkennen die innere Opposition dieses Mitarbeiters zum Beispiel daran, dass er sein Pad immer in der Kaffeemaschine lässt. Sie müssen sich das übersetzen: Das bedeutet, dass es Schultze egal ist, wer nach ihm kommt und dass derjenige dann den Einschub von Schultzes Pad befreien, wenn das Pad eingetrocknet ist, gar laut ausklopfen muss, also gezwungen ist, Lärm zu machen und sich selbst in eine den anderen Mitarbeitern gegenüber wenigstens störende Position zu versetzen, all das, diese Selbst-Erniedrigung und die dabei empfundene Scham des Mitarbeiters nach sich, nimmt Schultze in Kauf. Sowas kriegen Sie mit Team-Building-Maßnahmen nicht mehr hin.“

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht, ging es dem CEO durch den Kopf.

„Außerdem müssen Sie bei den Ossis aufpassen. Die sollten Sie auseinandersetzen. Die sind enorm anfällig für Grüppchenbildung, schon im Allgemeinen. Aber Ihre im Speziellen.“

„Ossis, verstehe.“ Der CEO notierte.

„Schließlich haben wir uns Ihre Weihnachtsfeiern angesehen. Der Standort Berlin ist der absolute USP für ihr Produkt. Dabei geht’s nicht um Berlin. Es geht um das, was die Menschen in der Welt unter Berlin verstehen, was sie damit verbinden, es geht um Träume, Ideen. Und das muss sich in der internen Mitarbeiterkommunikation abbilden. Da kann man nicht zum Bowling nach Rudow fahren. Sie brauchen Soho House, 40Seconds, Tempelhofer Flughafen.“

„Und die Kosten?“, der CEO rümpfte die Nase.

„Die Kosten dürfen da keine Rolle spielen. Wenn Sie das volle Markenpotential der Neuköllner Blutwurst als Lifestyle-Produkt ausschöpfen und monetarisieren wollen, dann dürfen Ihnen solche Fehler nicht mehr passieren!“

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