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Kategorie: about:Berlin

Startup-Amt

„Herr Kaminski, bitte.“ Kaminski war aufgeregt. Nach dem Umzug von Köpenick nach Mitte wechselte die zuständige Arbeitsagentur und mit ihr die zuständige Sachbearbeiterin.
„Tach-schön.“ Kaminski trat ein.
„Guten Morgen, Herr Kaminski, setzen Sie sich.“ Die Sachbearbeiterin schien Kaminski wohlgesonnen. „Herr Kaminski, mein Kompliment zunächst. Nicht viele Langzeitarbeitslose trauen sich, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Ich habe ihren Brief erhalten. Erzählen Sie mal.“
Kaminski räusperte sich. „Also. Ich habe nach der Schule eine Ausbildung zum Elektriker gemacht. Dit war noch zu DDR-Zeiten. Aber da gibt’s heutzutage keine Anstellung mehr. Und da habick mir jetzt jedacht, nimmste dein Schicksal selbst in die Hand und machst dich selbstständé, wa. Ick sag ma Elektroinstallation oder sowat.“
Die Sachbearbeiterin lächelte. „Verstehe, Herr Kaminski. Sie wollen ein Tech-Startup gründen.“
„Ein wat?“
„Da sind Sie bei uns genau an der richtigen Adresse, Herr Kaminski. Die Arbeitsagentur-Berlin-Mitte ist auf Startups spezialisiert.“
Kaminski nickte.
„Also!“ Euphorisch band sich die Sachbearbeiterin die Haare zusammen. Sie nahm ein Blatt zur Hand. „Schauen Sie mich an.“ Die Sachbearbeiterin fokussierte Kaminski. „Scharf?“ Kaminski stockte. „Ich frage nur. Unsere Gutscheine für Hornbrillen sind fast alle. Die gehen unter den Gründern weg wie warme Semmeln.“
Kaminski flüsterte. „Ne danke, allet scharf.“
Die Sachbearbeiterin lehnte sich nach hinten zum Regal. „Hier, Karo-Pullis hat man nie genug.“ Kaminski steckte den Pulli in seinen Eastpak.
„Herr Kaminski, haben Sie sich schon eine Social-Media-Strategie überlegt?“
„Eine Strategie?“
„Ja, Facebook, Twitter. Sind Sie schon dabei?“
„Also …“ Kaminski verschob sein Gewicht von der rechten auf die linke Pobacke. „Waren da auch Formulare in dem Ständer?”
Die Sachbearbeiterin verdrehte die Augen. „Herr Kaminski, ich sehe schon, da fangen wir ganz von vorne an. Aber keine Sorge …“ Sie lächelte mütterlich. „Dafür heißt das ja Startup.“ Kaminski lächelte zurück. „Gleich morgen beginnt unser A1-Kurs WordPress-Bloggen für Late-Adopters.“
„Für wat?“
„Für Sie!“
„Dit is aber nett!“
„Gern, Herr Kaminski. Willkommen in Mitte!“

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Spiegel-Lesen

Du kaufst dir doch kein iPhone, sondern ein Android, weil das System offen ist.
Und dann nimmst Du weniger Waschmittel, weil die Wäsche ja auch gar nicht so richtig schmutzig wird.
Dann fängst Du an mit Drehtabak, weil das viel echter schmeckt, als Gekaufte.
Du fährst Fahrrad und nicht Bahn, denn das geht in der Stadt viel schneller.
Im Görli wird man auch braun, sagst Du und Surfen in Marokko ist für Spießer.
Second-hand ist cool und originale Chucks sinds nicht.
Dass deine Mitbewohner in den großen Zimmern ständig laut ficken, ist kein Argument mehr gegen eine WG, denn Du magst es, wenn was los ist.
Nach dem Bauen bist Du nicht der, der haut, weil Du nichts dabei hast von dem,
was man zum Bauen braucht, denn das ist ja schädlich, okay, einmal ziehen wird schon gehen.
Wedding ist dein neues Neukölln.
OBEY ist Kommerz.
Drinks schmuggelst Du ins Kater Holzig, weil das ne mega witzige challenge ist.
Du bist ne Jute und your other bag is Chanel.
Hast nur noch Wasser in der Club Mate Flasche, denn … Zucken mit den Schultern und ein Lächeln.
Nimmst eine Pappstiege, weil Plastiktüten die Umwelt verpesten.
Bist nicht verschwenderisch, entscheidest global, ganzheitlich, nachhaltig.
Stimmst für das bedingungslose Grundeinkommen, denn nur dann kann sich der Mensch frei entfalten.
Widersprichst nicht mehr reflexhaft, wenn dich einer auf was einlädt, weil Widersprechen unhöflich ist.
Und beim Spiegel-Lesen im Supermarkt wird dir plötzlich klar, dass du nicht Künstler in Berlin, sondern arm geworden bist.

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Venture Capital Berlin

„Berlin ist die Venture Capital of Europe.“ Theodor unterbrach sich. „Haha, kleiner Scherz von mir. Startupmäßig ist die Stadt natürlich vollkommen overrated.“ Theodor verlor seinen Gewinnerblick für keine Sekunde. Ich lachte mit. „Sorry.“ Theodor lächelte und hielt dem Kellner einen Fünfziger hin. „Prost.“ Theodor knallte sein Bier gegen meines und trank. „Und was machst Du?“ Ich erzählte Theodor von meiner Idee und dass ich die Startup Lounge nutzen wollte, um Leute kennen zu lernen, die mir bei der Umsetzung helfen. „Das ist gut. Seed Camp, Startup-Bootcamp, Hackathon, Next Berlin: Networking ist das A und O.“ Theodor richtete seinen Zeigefinger auf mich. „Alpha bis Omega, sage ich immer.“ Ich nickte. „Aber verschwende Deine Zeit nicht mit den kleinen Fischen. Wir haben jedes Jahr 700 Investments.“ fuhr Theodor fort, „Mit unserer Hilfe sind 100 Gründer zu paper millionairs und zehn zu richtigen geworden.“ Theodor ließ mir eine Lücke, um etwas zu sagen aber ich wusste nicht, was. „Sowas schafft man nicht alleine. Kaum ein Startup hat den richtigen Fokus fürs business. Die Idee ist 30 Prozent des Erfolgs. Deine ist gut. Aber nur wir bringen Dich zu den core issues. Lacking market orientation? Wir orientieren Dein Produkt am Markt. Know your margin! Wir sorgen dafür, dass der Gründer sich nicht zu sehr auf die Technologie konzentriert. Cost base too high? Wir senken Kosten and build your team. Wir haben Schulungsvideos im Internet. Auf Englisch!“ Theodor unterbrach sich, nahm einen Schluck von seinem Bier und ich gab zu, dass mein Englisch nicht besonders gut ist. „Mein advice for you ist: do it anyway. Do it with us. Sicher, es gibt auch andere VCs. Sitar Teli zeigt Dir, how to play the VC game.“ Theodor zog ein Blatt Papier hervor. „Wir zeigen Dir, wie Du es gewinnst. Aber: wenn Du was von uns haben willst, dann musst Du uns auch was geben. Input drives the output. 50 Euro monatlich für iDB, unsere exklusive Info-Data-Base inklusive Newsletter, ist quasi nichts.“ Theodor zog den Montblanc Füller mit blauer Tinte aus dem Montblanc Etui mit weißem Stern. „Einfach hier unterschreiben. Das kannst Du quasi als Geschenk von uns betrachten.“ Ich nahm einen Schluck von meinem Bier und zündete mir eine Zigarette an. Was heißt eigentlich Venture?

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Zum Türken

Komödie
in drei Aufzügen

In moderner Übersetzung
von Ch. Knappe

ERSTER AUFZUG

Mendelssohn-Bartholdy-Park

BÉLINE (tritt als letzte in den Waggon). Wo geht ihr jetzt, hey, wo geht ihr?
ANGÉLIQUE. Wo steigen wir jetzt aus?
LOUISON. Zoologischer.
CLÉANTE. Wo gehen wir dann?
BÉLINE. Ich geh schon Nollendorf.
ANGÉLIQUE. Wieso?
BÉLINE. Na ich geh zu den.
LOUISON (bewegt die Lippen, als spräche sie). Wieso?
BÉLINE. Na ich geh nicht zu den nach Haus, nur mit.
ANGÉLIQUE. Wer ist er überhaupt?
BÉLINE . Ist doch egal. (Béline steht auf.)
CLÉANTE. Geh ma, geh ma.
BÉLINE. Tschüß, wir sehen uns morgen. (ab.)
ANGÉLIQUE. Geh ma.
BÉLINE (ruft hinter der Szene). Laba.

ZWEITER AUFZUG

Nollendorfplatz

ANGÉLIQUE. Wo seid ihr morgen?
CLÉANTE. Ich geh Schule.
BÉLINE. Haha.
ANGÉLIQUE (blickt sie schmachtenden Auges an und sagt verständnisinnig zu ihr). Bist Du behindert? Morgen ist Opferfest.
BÉLINE. Nein Freitag.
ANGÉLIQUE. Nein Donnerstag.
CLÉANTE. Ist doch egal.
ANGÉLIQUE (spottet sie aus). Haha stimmt. Na geh ma. Bist eh kein Moslem.
CLÉANTE. Nein, dann komm ich nicht. Was soll ich alleine machen in Schule? (ab.)

DRITTER AUFZUG

Deutsche Oper

ANGÉLIQUE. Also sie ham so ein Haus, weißt Du? Und ich sag so zu mein Cousin, sie kann doch voll mit den Arbeiter dort rum machen, wenn er die Sachen nicht selbst installiert.
BÉLINE (unterbricht sie). Walla?
ANGÉLIQUE. Walla. Und sie ist sowieso komisch, guck, mit 20 will sie heiraten. (holt das Handy hervor.)
BÉLINE. Ja, wann willst Du sonst heiraten. Mit 32 oder was? (Geigenspiel ertönt.)
ANGÉLIQUE. Guck, sie macht voll Zigeunerhochzeit. (wischt von rechts nach links auf dem Touchdisplay.)
BÉLINE. Mach noch mal andere Foto.
ANGÉLIQUE (packt sie am Arm). Man ist sie hässlich.
BÉLINE. Ja aber Bildschirm ist auch schlecht. (Die Geigen spielen weiter.)
ANGÉLIQUE (höhnisch). Wo ist dein iPhone?
BÉLINE. Meiner? Is in Werkstatt, is hinten voll kaputt.
ANGÉLIQUE. Ich hab jetzt neuen. Aber ist alles auf Chinesisch, ey voll behindert.
BÉLINE (leise). Gehst Du einfach zum Türken. Er macht dir alles auf Deutsch.

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Das Arschloch mit Tiefsinn fisten

Ich bin ein Mädchen und ich wohne in Charlottenburg-Nord aber darauf kommt es nicht an, es kommt nie darauf an, wer Du bist, sondern auf das, was Du machst, sagen die, die solche Sachen über das Leben gerne sagen, denn sie stehen drauf, das Arschloch mit Tiefsinn zu fisten, sagen andere, aber auch auf die kommt es nicht an, das ist das Backend, die Rückseite, but I don’t give a shit, denn ich versende nur Postkarten und zwar an jeden, dessen Adresse ich bekomme und was anderes schreibe ich auch nicht drauf, nur die, die Adresse, und ich erzähle auch niemandem außer Dir, dass ich das tue aber auch das ist alles noch egal, die Vorderseite entscheidet, auf die kommt es an.

Denn auf die Vorderseite klebe ich postenkartengroß das Bild, das Google Street View anzeigt, wenn ich die Adresse des Adressaten eingebe, da wird dein Gehirn gefickt, wenn Du eine Postkarte mit deinem Haus drauf im Briefkasten findest und nicht weißt, wer sie geschrieben hat, wer sich da zu Dir in ein Verhältnis gesetzt hat; an Tresen von Bars und neben Lautsprechern von Clubs um den Savignyplatz herum hab ich das schon von vielen Leuten gehört, die kein anderes Thema mehr haben als dieses Projekt eines unbekannten Künstlers, also: hätte ich gehört, wenn ich nach 19:00 Uhr raus dürfte.

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Ronny

Komm Ronny, wir machen los, Mutti ist schon drüben.
Ronnys Papa hatte Nachtschicht gehabt und sich am Morgen noch hingelegt. Ronny hatte den Vormittag ohne Beobachtung genutzt und ferngesehen. Am Abend zuvor war die Mauer gefallen.

15 Jahre später schrieb Ronny sich für das Wirtschaftsrechtsseminar in der HU ein. Ich bin Karl und komme aus Münster. Ich bin Sophia und komme aus München. Ich bin Ronny und komme aus Marzahn, schloss Ronny die Einführungsrunde und keiner sagte was, so wie wenn einer aus Versehen pupst.

Als Ronny dann Ende zwanzig war, hörten die meisten Leute auf zu denken, dass alle aus Marzahn Nazis sind. Da konnte Ronny endlich aufhören, Ayran zu trinken.

In Frankreich sind anonyme Bewerbungen schon seit Jahren üblich, dachte Ronny, als im Sommer nach dem Examen die Absage von Freshfields kam. Leider müsse er ihm mitteilen, dass derzeit keine Position in dem Geschäftsbereich frei sei, für den Ronny sich beworben hatte, schrieb Karl.

Was da eigentlich mit ihm los gewesen sei, begann der Staatsanwalt im Winter darauf sein Plädoyer. Er habe doch alle Chancen gehabt, fasste Sophia zusammen und erteilte Ronny das letzte Wort.

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Chrom-Schwarz

Es ist so geil, wenn Du am nächsten Tag mit dem Bus dran vorbei fährst. Dein Herz schlägt immer noch. Und Du bist der einzige, der einfach mal weiß, was da letzte Nacht abging. Das ist wie so eine Tatort-Tour durch LA. Nur dass Du der Täter bist.

Ob einer gut ist, erkennst Du beim Bomben. Wildstyle, Schnörkel, Schatten, Fadings, Highlight, Outline, Secondline, Thirdline, Fill-In mit vier Farben: Das kann jeder.

Aber Chrom-Schwarz, Mann, da musst Du Gefühl für haben. Proportionen entscheiden da über alles. Das ist noch mal was anderes. Unsere Maximen sind: Schnell, Effizient, Groß. SEG-Crew, Mann. Die Buchstaben sind nicht optimal, da musst Du was können. Das E in der Mitte, das ist hart, Du musst dem Balken einen Flow geben, damit er zu den anderen passt. Du musst immer in Balken denken. Balken sind alles. Maximal ein rotes Highlight kannst Du setzen.

Wir machen nur Straße. Das ist sone Typsache, ob Du eher Straße machst oder Trains. Für mich ist das nichts. Ein Throw-Up, wenn Du gerade am Aussteigen bist, okay. Aber kein komplettes Piece, Mann. T-to-B, E-to-E und so ist schon geil. Aber halben Tag fährt er und dann wird er gebufft. Auf der Straße hängt dein Piece manchmal Jahre. Jetzt nur Rooftops, so wie 1UP am Anfang oder INC früher, das ist auch nicht unser Ding. Da achten die normalen Menschen kaum drauf. Aber das ist nicht nur für Writer. Das ist Kunst Mann, jedes einzelne Tag. Egal, was die Nazis sagen.

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Kauft nicht beim Schwaben

Fremdenhass-light: Wolfgang Thierse fordert die Selbstverleugnung von Zugezogenen in Berlin.

In einem Interview in der Berliner Morgenpost nennt Wolfgang Thierse das Zusammenleben mit zugezogenen Schwaben „strapaziös“. Er wünsche sich, so Thierse, „dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind – und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche“. Die Bevölkerung mit Menschen aus einer anderen Gegend sei die „schmerzliche Rückseite“ der Veränderung im Bezirk. Schrippen sollen wieder Schrippen heißen und nicht mehr Wecken und auf dem Pflaumenkuchen solle wieder Pflaumenkuchen stehen und nicht mehr Zwetschgendatschi. Ein offenbar unüberwindliches Bedürfnis Thierses wird dabei deutlich: Er scheint zu wollen, dass man so mit ihm redet, wie das in Berlin üblich ist. Kannste kriegen, Keule.

Hasskultur

Es gibt seit Jahren eine polemische Bewegung gegen die sogenannten Zugezogenen in Berlin, die sich Motiven bedient, die starke Anleihen bei fremdenfeindlichem Gedankengut nehmen. Die Süddeutsche hat diese Bewegung treffend als Hasskultur bezeichnet. Das Kampfwort lautet Gentrifizierung. Die Angst vor Überfremdung schwingt als Motiv überall mit. Selbst Parolen wie „Schwaben töten“ sind vielerorts zu finden. Unter einigen sogenannten Ur-Berlinern, insbesondere jenen aus dem Ostteil, zu denen ich mich in diesem Zusammenhang nur mit Scham zählen kann, ruft diese Entwicklung wenigstens ein verharmlosendes Lächeln, in vielen Fällen aber sogar pauschale Zustimmung hervor. Der Ur-Berliner, das ist immer wieder zu erkennen, geriert sich als Mitglied einer überlegenen Herrenrasse; er lässt seine Begleiter aus den entlegenen Winkeln des Landes gönnerisch strahlen in seinem Glanz; er gibt vor, wie „wir die Dinge sehen“: wie sie also zu sehen sind. „Witze“ wie der in der Überschrift wiedergegebene Satz „Kauft nicht beim Schwaben“, sorgen hinter vorgehaltener Hand auf Partys für Gelächter. Bei alledem ist die Etablierung der fremdenfeindlichen, teilweise sogar rassistischen Motive ganz und gar offenbar. Problematisiert wird das nicht.

Auf diesen Zug springt Thierse auf

Auf den Zug derer, die dieses Vokabular benutzen und in deren Handeln sich die genannten Motive spiegeln, springt Thierse auf, wenngleich seine Formulierungen harmlos anmuten, weil er sich scheinbar auf das Gut des Berliner Dialekts beschränkt. Das ist Fremdenhass-light, der hier präsentiert wird. Und zwar ohne Distanzierung von den gefährlichen Tendenzen, die mitschwingen. Und das ist – zurückhaltend formuliert – ungewöhnlich für einen Mann, der einen Schwerpunkt seines politischen Wirkens bei der Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit gesetzt hat. Thierse ist kein Rassist. Die Muster, die er für seine Äußerungen in Beschlag nimmt, sind aber keineswegs so harmlos wie der alte Mann. Sie sind gefährlich und altbekannt.

Weniger Rechte für die Neuen?

Thierse wohnte, so steht es in der Morgenpost, zu DDR-Zeiten schon im Prenzlauer Berg. Und diese Information scheint Thierses Wort, so breitet es sich im Leser aus, eine besondere Legitimation dafür zu verleihen, die Geschicke in seiner Hood zu bestimmen. Aber woher soll so eine Legitimation noch mal kommen? Dieses stärkere Recht desjenigen, der länger an einem Ort ist, als ein anderer? Warum darf sich der Alte dem Neuen gegenüber noch mal durchsetzen? Gibt es etwa, abgesehen von Nazis, jemanden in Deutschland, der meint, ein Ausländer müsse für einen Deutschen im Bus den Platz räumen, weil der Deutsche schließlich Wurzeln in der Region hat, die länger sind als die des Ausländers? Nein. Die Werteordnung, die sich die Menschen geben, die in Deutschland miteinander wohnen, kennt kein stärkeres Recht des Alteingesessenen gegenüber dem Neuankömmling. Es gibt auch keinen Konsens über Ausnahmen für bestimmte Gruppen. Nicht für Schwarze und nicht für Schwaben. Dieser Wertekonsens schließt es ein, dass Fremde ihre fremde Kultur pflegen können. Bei Asiaten, Arabern und Afrikanern ist das überall in Berlin etabliert und anerkannt. Warum sich Schwaben selbst verleugnen sollen, wird nirgendwo erklärt.

Entwicklung verweigern

Der Prenzlauer Berg (und zusammen mit ihm der Rest des Landes) hat sich entwickelt. Er ist nicht mehr der, der er mal war. Deshalb gelten auch die alten Regeln nicht mehr. Diese Entwicklung ist seit Jahren, das sagt Thierse selbst, an allen Ecken und Enden zu sehen. Warum aber soll man sich so einer Entwicklung verweigern? Was ist schlecht an Entwicklung und wie kann man fordern, die alten Regeln einer fast nicht mehr vorhandenen Minderheit gegenüber den Bedürfnissen der Neuen durchzusetzen? Was Thierse angeht, so lassen sich insbesondere diese zwei Vermutungen (!) anstellen:

Wahlkampf als Motiv

Die eine zielt ab auf den Bundestagswahlkampf, der längst begonnen hat. In einem Wahlkampf ist es immer gut, im Gespräch zu sein. Mit welcher Idee auch immer.

Dem ist voranzuschicken: Das deutsche Grundgesetz erlaubt es jedem, alles zu denken, was er will. Moralische Kategorien stehen dem ebenso nicht entgegen. Komplizierter wird es, wenn es zur Äußerung der Gedanken kommt. Denn dann müssen der Inhalt des Gesagten und der Zweck der Äußerung in die Bewertung einbezogen werden. Fremde und Fremdes nicht zu mögen, das kann niemandem abgesprochen werden. Aber Thierse ist eben nicht nur ein alter Pankower auf einer Couch, der denkt, sondern er ist auch ein Politiker, der sich öffentlich äußert.

Thierses Wahlkreis ist Pankow. Dort wird er nicht mehr selbst kandidieren. Stimmen brauchen auch sein Nachfolger und die Partei selbst aber dringend.
Ich bin in Pankow aufgewachsen. Der Bezirk Pankow ist seiner Fläche und seiner Einwohnerzahl nach wesentlich größer, als seine Bekanntheit. Abgesehen vom Ortskern von Pankow und dem Prenzlauer Berg (der wie Weißensee zu Pankow gehört), wohnen in diesem Bezirk viele Menschen, seit es sie gibt. Hier können öffentlich geäußerte Ressentiments gegen Fremde auf fruchtbaren Boden treffen. Ein Wahlkampfmanöver auf Kosten von Fremden? Das ist gefährlich. Und nicht zum ersten Mal da. Thierse stellte sich, träfe diese Vermutung zu, in eine Ecke, in die er nicht gehört.

Ein alter Mann

Die zweite Vermutung für den Grund der Äußerungen setzt an bei dem alt gewordenen Mann, der sie gemacht hat. Die Entwicklung um sich herum, um seinen Kiez, wie die Neuen sagen, scheint Thierse nicht recht zu wollen. Und das ist verständlich: Entwicklung macht die Dinge anders, als sie früher mal waren. Das mitzuerleben und über sich ergehen zu lassen, kostet Kraft und verletzt Gefühle. Das kann das Denken kurz vergessen machen. Thierse würde vom Dönermann kaum fordern, den Döner in Gemüse-und-Fleisch-Brot-mit-Soße umzubenennen. Aber der Döner, der wie der Zwetschgendatschi von einem Mann zubereitet wird, der später nach Berlin kam, als Thierse, der Döner nun, der war nie Teil von Thierses Vergangenheit. Vielleicht fällt es Thierse deshalb nicht ein, seine Umbenennung zu fordern. Dass Wolfgang Thierse sich auf den Kottbusser Damm stellt und von dem Arabischen Brautmodenverkäufer fordert, er möge seine Werbung auf Deutsch und am besten mit Berliner Dialekt gestalten, erscheint genauso absurd. Warum soll das im Prenzlauer Berg aber mit der Schrippe funktionieren? Weil Schwaben keine schwarzen Locken haben, der Unterschied zum Kritiker deshalb nicht so deutlich ist, und er deshalb nicht auf den ersten Blick als reaktionärer Kauz erscheint?

Die Schrippe war Teil von Thierses Vergangenheit. Jetzt geht sie dahin. Und Abschiednehmen, das fällt schwer. Aber es muss sein. Das nennt man Entwicklung.

Nicht einer für alle

Thierse sorgt mit seinem Beitrag dafür, dass das Gedankengut einer kleinen Gruppe Verwirrter und historisch sowie politisch Ungebildeter allen Berlinern angedichtet wird. Er spricht aber nicht für alle. Eine Vielzahl von uns erfüllt das Gesagte mit Scham. Wir Berliner sind, wie jedes andere deutsche Völkchen auch, nicht von reiner Rasse. Wir sind Schwaben, Türken, Ossis, Wessis und so weiter. Wir haben keine gemeinsame Sprache, die uns einer vorgibt, sondern ein Sprache, die sich im Laufe der Zeit ändert, wie unsere Zusammensetzung das tut. Das wird jedem gewahr, der es einfach mal auf sich nimmt, mit der Straßenbahn M5 von der Endstation in Hohenschönhausen zur Endstation am Hackeschen Markt zu fahren oder mit der Ringbahn einmal im Kreis. Der Berliner ist schließlich kein besonderer Schlag Mensch. Die Menschen hier wollen nicht, dass einer für sie einen festen Sprachgebrauch festlegt. Sie wollen machen, was Menschen machen wollen. Egal, wer sie sind und woher sie kommen. Und einige von ihnen wollen jetzt eine Entschuldigung und eine Richtigstellung von dem, der meint, er könne über sie bestimmen.

Vielleicht ist das eine Sache, die man einem alt gewordenen Mann ins alt gewordene Gedächtnis zurückrufen muss: Die Dinge um Dich verändern sich, Keule. Und das ist, um mit einem neueren und schon wieder ausgelatschten Berliner Wort zu schließen, auch gut so.

(Hinweis: Knapp 150 Kommentare zu diesem Beitrag gibt es auf der Internetseite der Wochenzeitung der Freitag. Einige Anmerkungen der Kommentatoren haben Eingang in die hier gepostete Fassung gefunden.)

1 Kommentar

Plem Plem

Donnerstag, 10:51 Uhr auf einer Kreuzung im Stadtzentrum.

„Ey Du Vogel, mit Handy ist verboten. Komm runter da.“
Bei uns von der Motorradstaffel zählen nur Ergebnisse. Das ist ganz einfach: Wenn die Straße frei ist, ist die Straße frei. Wenn sie nicht frei ist, musst Du dir überlegen, ob Du besser Streife fährst.
„Na samma! Hier ist zu.“
Das kann nicht jeder machen. Da musst Du präzise arbeiten. Den Überblick behalten.
„Verfatz Dich, Junge.“
Die Gäste, die sie uns anvertrauen, sind Ziele. Die müssen in Bewegung bleiben. Für uns ist überall Mogadischu.
„Mit dem Rollstuhl jetzt über die Schienen. Ick gloob ick spinne. Gas, Gas, Gas, komm!“
Black Hawk Down kennen Sie, nehme ich an.
„Ey hast Du Tomaten uff den Ohren? Bewege Dich!“
Bürgernähe, Polizei-als-Dienstleister und son Quatsch. Da hatten wir erst neulich eine Schulung. Von so einem Herrn Rechtsanwalt.
„Dit sindse. – Ey!“
Egal. Ich hab da keine Manschetten. Ich kann hier nicht jedes Mal Bitte sagen. Die Straße muss frei sein. Alles pi-pa-po. Dass sich da ab und zu einer auf den Schlips getreten fühlt, kann passieren. Also wenn uns auf diesen Gurken von Moto Guzzi überhaupt noch einer ernst nimmt.
„Samma bist Dun bißchen plem plem oder was?“
Arm aber sexy. Ich kann das Geseier von der Grinsekatze nicht mehr hören. Wer bei der Motorradstaffel spart, brauch sich nicht wundern. So, gleich müsste er kommen.
„Ey Keule, ich hab gesagt mit Handy ist verboten!“
Wie viel Mann wir sind, kommt immer auf den Besuch an. Wir schnüren da für jeden ein individuelles Paket.
„Quatsch ick Schinesé? Du sollst stehen bleiben.“

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Die Rosen der Bibliothekarin

Es war schon lange niemand mehr durch den Lesesaal gegangen. Ich saß allein an meinem viereckigen Tisch zwischen den Regalen und lernte Auge. Bei Auge traute ich mich nicht auf Lücke zu setzen.

Durch das Fenster sah ich nur noch mich und die Gänge hinter mir. Denn es war bereits dunkel.

Etwas weiter rechts von mir, vier, fünf Bücherreihen vielleicht, stand die schöne Bibliothekarin auf dem runden Hocker, der nicht mehr rollt, sobald man sich darauf stellt. Leise hörte ich sie. Irgendwann am Nachmittag hatte ich sie gesehen. Ein paar Schritte lief sie vor mir. In ihren roten Pumps, die Beine nicht so ganz in die schwarzen Netzstrümpfe, also wie man so sagt, gehüllt, also nicht so ganz, also wie gesagt.

Ich bin nicht besonders groß, vor allem im Sitzen nicht. Die Lücke zwischen dem dritten und dem vierten Regalboden der Regale neben mir befand sich auf Augenhöhe. Und irgendwann zwischen Photorezeptor und Pigmentfleck schaute ich nach rechts. Und sah sie da stehen. Ihre Beine. Eben nicht so ganz gehüllt in die Netzstrümpfe, die sie an diesem Tag zum ersten Mal trug. Von etwas weiter oben quietschten die Metallschienen, die die Bücher hielten. In der Spätschicht räumte im gesamten letzten Jahr niemand Bücher ein. In der Spätschicht, die sie an diesem Tag zum ersten Mal machte. Sie rückte näher. Schlemm-Kanal, drei Reihen weg. Irisfortsätze, zwei Reihen weg. Pupille, die Reihe neben mir.

Ich hörte wieder, wie sie auf den runden Hocker stieg. Und ich drehte mich, würde ich sagen, wenn man mich fragte, nach dem Geräusch um. Ich erkannte das Muster auf den Strümpfen, Rosen, und genoss es, sie minutenlang zu betrachten, ungesehen, gewogen in die Sicherheit, geschützt zu sein: Keine 30 Zentimeter zwar. Aber 100 Bände zwischen uns. Ein Buch nach dem nächsten holte sie heraus, verschob ein paar, zog und rückte andere. Einmal beugte sie sich leicht nach vorn. Da spannte ihr Rock. Ein anderes Mal stellte sie sich auf die Zehenspitzen und reichte, ein Bein angewinkelt, ganz nach oben. Und ich sah derweil den Rosen zu und der Genuss war minutenlang fast ununterbrochen von den Gedanken an die Dinge, die Menschen denken, wenn sie von jemandem wie mir nur hören.

Dann stiegen die Rosen vom Hocker herab und ich drehte mich noch im selben Moment zurück nach vorn, zur Sicherheit, sah geradeaus in das Fenster und in mein Gesicht, zur Sicherheit, und knallte direkt gegen ihn: ihren Blick. Auf mich gerichtet aus der Reihe neben mir sprang er mich aus dem Fenster an. Augenbraue hochgezogen. Ganz und gar nicht überrascht. Und erst ihr Lächeln.

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Traveller Flieh

Als gäbe es einen Anspruch. So hört er sich an. Als könnte er quasi per Gesetz verlangen, dass sich die Dinge, die Menschen, ihre Leben und alle Umstände verändert haben, nur weil Monsieur mal ein Jahr weg war. Es ist alles noch genauso wie früher hier. Früher! Das war da, wo noch Krieg war und nicht vor einem Jahr. Wie stehen geblieben. Ja, genau. Alle stehen geblieben hier. Wollte man dem Ton in seiner Stimme glauben, könnte man denken, er meint: zurückgeblieben. Alles klar. Du bist der einzige, der vorangekommen ist. Mit deinem Around-The-World-Ticket dem Fortschritt entgegen, hast Du die Welt und nebenbei auch noch Dich selbst entdeckt und bist um diese zwei Erkenntnisse dem Rest von uns voraus. Alles klar. Und nu? Warte mal auf das nächste Jahr, bis Dir klar wird, dass Du diese Tretmühle-Berlin nicht mehr erträgst. Warte auf deine nächste sogenannte Reise und erkenne dann irgendwo, dass Du uns alle nicht mehr kennst. Warte, bis Du irgendwann Sehnsucht bekommst. Beim Alleinsein in der Mitte deiner Bekanntschaften. Warte, bis Du zurück nach Berlin und alle mit Dir (!) überraschen willst. Warte auf den Moment, in dem Du dann vor unsere Türen trittst und in unseren Gesichtern die Freude erkennst. Die Freude nicht darüber, Dich wieder zu sehen. Sondern die Freude für Dich, weil deine Flucht beendet ist.

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Sprachlos in Mitte (Ich mein hallo?)

Ich bevorzuge ja Vaseline. Für mein Tattoo. Da leuchten die Farben mehr als bei Melkfett. Das geht aber auch. Ich hab einfach ein Foto von meinem alten iPod gemacht und Larry hat das echt wahnsinnig gut hinbekommen, ich war echt so whow das ist echt wahnsinnig gut. Passt auch mega zu meinem Fixie, total absurd.
Ich bin ja ein politischer Mensch. Das mit …, hier, mit diesem Gegner von Obama, hey das geht ja mal gar nicht und, whow: EU und Nobelpreis? Ich mein hallo? Da muss ich unbedingt noch was bei FB posten. Ich sag nur Stellvertreterkrieg. Das ist sooo … whatever.
Vorhin in der Agentur, ne. Ich sag nur Bullshit-Bingo. Mehr sag ich dazu echt nicht. Zum Glück hatte ich mein iPhone mit ins Meeting genommen. Jedenfalls ich les so diesen Artikel über diesen Stasi-Blogger, von dem jetzt alle reden, und ich dachte echt nur so Mann das geht ja mal gar nicht. Ich sag nur Freak.
Als Tom mit seiner Präse durch war, wollten die alle noch rüber zu Luigi Zuckermann. Boh ey, dieses Latte-Ding von den Zugezogenen, da komm ich voll nicht drauf klar.
Endlich Wochenende. Der Ex von Matt macht ne Party. Matt hat echt lange krasse Probleme gehabt wegen der Trennung. Ich war halt so, Matt, das ist halt das Ding. Ich mein hallo? Muss jeder mal durch.
Ist übrigens ne Hausparty. Das mag ich total. Ein Bier und ein paar gute Gespräche. Mehr brauch ich echt nicht.

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MOABIT-TRANSKRIB

„Dann sind Sie jetzt dran, Herr A. Erzählen Sie mal, was sich da abgespielt hat.“
„Soll ich von Anfang, also ich mein von vorne oder nur Ende?“
„Ganz von Anfang an, bitte. Möglichst umfassend.“
„Okay. Also wir haben da halt gesessen wie immer eigentlich.“
„Verzeihung, wo?“
„Na Leo. Hab ich ja bei Gesa schon gesagt. Also wo wir immer sind.
So. Und na das wars eigentlich schon.
So. Und ich sag so zu B., B. ist mein Freund, also nicht schwul oder so, ist ja klar, also ich sag zu ihm, komm mach mal lauter. Ich mein Handy.
So. Und genau dann kam er an. Der Herr C. Und ich sag noch so zu ihm guck mich nicht so an sag ich. Also nicht so. Ich sag mal bisschen freundlicher. Normal halt. Aber er hat nicht aufgehört. Er wollte uns provozieren. Na und dann ich hab ihm Box gegeben. War ja auch nicht doll, schwör, war nur Warnung sag ich mal. Ich meine das tut echt nicht weh, schwör!“
„Darauf kommt es hier nicht an. Fahren Sie fort.“
„Wenn Sie schon mal Bombe gekriegt haben wüssten Sie. Aber okay. B. meint noch so aber ich hab gesagt das ist zu krass. Also der Herr C. wusste ja Bescheid. Also haben wir gedacht.
So. Und dann er steht halt wieder auf und ich dachte ist er behindert oder so und wir waren so gönn Dir, wenn er Lektion in Respekt braucht okay. Wie er schon aussah, na sie sehen ja, mit den Haaren und so voll ungepflegt er hatte sogar Löcher in den Schuhen. Aber dann kam Polizei. Ich hab erstmal Hände gewaschen in Gesa.
So. Und wie ich wieder kam in Warteraum, er saß plötzlich da und grinst mich an. Ich hab noch Beleidigung gesagt und so und ihn angeguckt halt normal. Normalerweise die Deutschen sie kacken sich da immer gleich voll ein, denken immer gibt gleich Messerstress, ist voll lustig. Okay. Aber er nicht.
So. Wie er geguckt hat. Da wusste ich schon er kommt nicht klar. Ist auch egal. Jedenfalls er springt auf und gibt mir direkt Kaffa mit sein Rastas. Ich dachte ich sterbe. Über unhygienisch.
Der Hund. Hier, mein Poloshirt, war ganz neu von Ralph Lauren, ich hab extra zum Beweis mitgebracht, geht nicht mehr raus, kann ich nicht mehr anziehen. Deshalb ich hab Anzeige gemacht.“

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Mit der Ringbahn unter der Seine hoch nach Istanbul rein

Als ich vorhin ganz und gar fertig war, als ich mich sogar in die Ringbahn setzte, und nicht mehr mit dem Fahrrad weiter fuhr, als ich geblendet vom Sonnenlicht im Fahrradabteil fast einschlief und gerade so noch meine Augen aufhielt, da schärften sich plötzlich meine Sinne und ich roch die Bremsen, spürte die Federn in den Füßen und den Wind der durch die offenen Fenster nach innen blies, hörte das Rattern beim Fahren über die Weichen, nahm also alles ganz und gar wahr, als ich ganz und gar fertig war, nahm alles wahr, so wie, wenn man im Ausland ist, wenn man etwa in Paris zum ersten Mal mit der U-Bahn unter der Seine hoch kommt oder wenn man eine Stunde lang durch die Vororte nach Istanbul rein fährt oder wenn man vor Porto über eine Brücke tuckert, so hab ich die Bahn gehört, gerochen, gespürt, in der Sonne, als ich vorhin gerade so noch meine Augen aufhielt.­

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