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Stop Edu-Hedonism (U-Bahnfahren!)

Das iPad erweitert das Lernerlebnis. Stopp! Das ist Schrott. Glaubt das nicht. Denn das ist falsch. Das hedonistische Kalkül ist tot. Es gibt kein Lernerlebnis. Ein Erlebnis ist die unbedingte Wahrnehmung dessen, was man gerade tut. Immer ohne Meta-Ebene; ohne Denken nur im Fühlen sogar: ohne alles. Beim Lernen geht es nicht um ein Erlebnis, also nicht darum, das Lernen als das, was es ist, zu erleben. Das Lernen, das hat ein Ziel, das über das Lernen hinausgeht: Wissen sammeln.

Die Existenz eines hinter dem Lernen stehenden Zieles unterscheidet das Lernen also vom Erlebnis, wie der Vergleich zu den beiden Standarderlebnissen, dem Achterbahnfahren und dem Orgasmus, beweist.

Lernen ist nicht das einzige, was eines dahinter liegenden Zieles wegen getan wird. Und es ist auch nicht das erste Angriffsziel der Hedonisten. Schon das Laufen wurde vom Walkman seiner wichtigsten Eigenschaft beraubt: Dabei denken zu können. Bald darauf fiel das U-Bahnfahren (U-Bahnfahren!).

Jetzt also soll das Lernen dran sein. Aber Erlebnis und Denken (das mit dem Lernen ja untrennbar in Verbindung steht) sind Antagonisten, die nicht zusammengeführt werden können. Die anderen sagen: Das Erlebnis kann das, was man tut, intensiver machen. Das Lernen würde, wenn man more into it und so ist, effektiver und deshalb besser sein. Aber das Argument geht ins Leere. Denn beim Lernen mit Geräten gibt es überall Auswege, die wegführen: vom Wissen; beim Verfolgen eines unbedingten Dranges. Sagen wir mal zu Zalando. In der Bibliothek ist mehr als die Hälfte aller Studenten mit iPhone und iPad ausgestattet. Und schaut man auf die Retina-Displays, könnte man denken, sie promovieren alle über Facebook. Zurückbleiben, bitte.

Also stoppt den Bildungs-Hedonismus and spread the word worldwide: STOP Edu-Hedonism, occupy your Gehirn! Verfolgt beim Lernen wieder dessen Zweck. Und hört auf, euch diese Fragen über Geschlechtskrankheiten zu stellen. Dip-dip Dip-dip. U-Bahnfahren.

Ein Kommentar

  1. snow_in_june snow_in_june

    Gut gesagt! Angesichts des Siegeszuges der Hedonisten frage ich mich, ob nicht das Verfolgen eines Zieles (als Gegensatz zum bloßen, gegenwärtigen Erleben) letztlich immer auf das bloße Erleben hinausläuft, ob nicht zum Beispiel das Aneignen von Wissen letztlich allein dem Ermöglichen von „Erlebnissen“ dient, im Sinne von: Wissen…Geld verdienen….Disney-Land…Achterbahn. Die Alterntive wäre die Zweckverfolgung als Selbstzweck. Am Ende des Faust II heißt es: „Wer immer strebend sich bemüht, denn können wir erlösen.“

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