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Laufsocke

„Laufsocke!“, Marcel schrie über den Platz. Die Gruppe, die gerade aus der Fortress Map kam, hatte er schon seit dem Morgen auf dem Kieker. Mit einer Bundeswehrgeste versammelte der Anführer der Gruppe die Mitglieder um sich und ließ sie die Schutzhülle über den Lauf ziehen. Der Anführer nickte Marcel zu und Marcel lächelte, aber nicht ohne seine Erleichterung verbergen zu können.

„So, ick entscheide hier über richtig und falsch, vastehta?“ Die Gruppe, der Marcel gerade die Einweisung gab, war zum Junggesellenabschied im Paintball Park. „Juet, kriegen wa trotzdem hin.“, sagte Marcel. „Dit mit der Laufsocke is die zweite Regel. Sehik euch wie ihr ohne aus der Map kommt, ich sae euch, es gibt nur eine Verwarnung. Danach is die Ecke ab.“ Marcel zeigte ein Exemplar der lilafarbenen Verwarnkarte hoch, an deren vier Ecken jeweils rot 5 Euro stand. „Wenna die nicht unbeschädigt abgebt später– wissta selber. Und die dahinten“, Marcel zeigte auf die Gruppe aus der Fortress Map, „die haik jetzt erstma uffn Kieka. Nich dassa mich falsch versteht, wir wollen uns an euan Fehlern auch nicht bereichern. Wir spenden dit. Ick will nur, dassa sicher seid.“

„So, dit hier is keen Gewähr. Das ist der Markierer. Dit is dit Modell Combat. Einsteigervariante. Wenn es losgehen soll, ist hier die Sicherung, sehta, wenn ick dit drücke, is rot. Wissta, steht für Gefahr. Deshalb außerhalb der Map immer Laufsocke. So. Dit ist der Abzug, hier oben dit is der Kopper, wie ein Magazin quasi, da kommen die Paintballs rein. – Wer markiert zum ersten Mal heute?“ Bis auf einen hob die gesamte Gruppe die Hand. „Ok, wichtig, Rückstoß brauchta keine Angst haben. Hat dit Gerät nicht. Ist ja ken Gewehr. Is sowieso so: Wir sind hier nicht im Krieg, verstanden Männer? Gibt immer wieder so Experten. Kriegsverherrlichung und so, da distanzieren wir uns von. Dit ist Sport.“

„Und was war die erste Regel?“ Marcel guckte den Hemdträger enttäuscht an. Keine Gruppe kommt ohne einen, der sich aufspielt aus. Da lachten die Teilnehmer. Hinter Marcel nahm ein dem Gesicht nach etwa Sechzehnjähriger seinen Scharfschützen-Tarnanzug aus dem Kofferraum und zog sich an. „Damit müssta rechnen“, sagte Marcel. Deshalb Regel Nummer eins. In den Maps immer dit Visir aufm Kopf und wennik aufm Kopf sage, ne, Herr Schlauschlau“, Marcel guckt den Hemdträger an, „dann meine ick vor dem Gesicht. Nicht locker hierso aufm Kopf, ick sae nur Augenlicht. Dit ist für den een oder anderen ja, na wissta.“

Hinter Marcel ging der Sechzehnjährige in die vom Wind leise raschelnden Laub-Imitate seines Anzugs gehüllt auf die Woodland Map zu.

„Ey aber Sven“, Marcel rief ihm hinterher. „Nicht wieder…“, Sven hob den Lauf seines Markierers, um Ja zu sagen. Marcel wandte sich zur Gruppe vor ihm zurück. „Noch Fragen?“

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