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Beim besten Willen können wir Hitler nicht erkennen

Pixel einer Rede

I. Einführung

Peter Büchler pixelt Bilder.

Technisch gesprochen bedeutet das, dass er die Auflösung der Bilder verringert. Die Auflösung zu verringern bedeutet wiederum, dass von einer bestimmten Fläche nur die wichtigste, hier farbliche, Information verbleibt und die anderen Informationen ersatzlos weggelassen werden. Das noch scharf gestellte Auge des Beobachters muss erst verschwimmen, um zu erkennen, was war. Die beeindruckende Kunst von Peter Büchler ist hier zu sehen.

Auch das gesprochene Wort kann man pixeln. Und zwar indem man hervorstechende Informationen herauspräpariert und die übrigen weglässt.

Es folgt der Versuch der Pixelung der Eröffnungsrede, die auf der letzten Vernissage Peter Büchlers gehalten wurde. Ich nenne diesen Versuch Rede II. Die Rede im Ganzen zurückzubilden (oder sonst was in ihren Pixeln zu erkennen), ist freilich dem noch scharf gestellten Verstand des Lesers überlassen. Möge er verschwimmen.

II. Rede II

„Es entsteht ein untrennbares Amalgam.“ … „Das ist der Dialog aus Abstraktion und Realismus, den ich ansprechen möchte.“ … „Sie sehen hier eine vorgefundene Malerei.“ … „Konterkariert und ins Absurde geführt.“ … „Aus etwas Sichtbarem etwas Unsichtbares machen. Sodass partiell noch etwas sichtbar bleibt.“ … „Der Brautschleier, die arabische Burka sind Attribute einer individuellen Anonymisierung.“ … „Unser kollektives Bildergedächtnis wird angesprochen. Random Hitler. Der zufällige Hitler. Hitler wurde sozusagen in seine digitalen Bestandteile zerlegt. Beim besten Willen können wir Hitler nicht erkennen. Doch nicht Hitler, sondern dessen digital erzeugte Tarnung ist das eigentliche Motiv.“ Klingeln. „Gehen Sie ran.“ Lachen. „Unvergesslich möchte ich erinnern an den französischen Philosophen Maurice.“ … „Er öffnet ein weites Feld des Hineinsehens und der Spekulation.“ … „Dieses Statement war das Ende der Malerei.“ … „In diesem Sinne ist auch Peter Büchler ein Realist.“ … „Die Maskerade wird vorformuliert.“ … „Die digitalen Übermalungen sind keine Auslöschung.“ … „Denn bei aller stilistischen Attitüde spielt er mit unseren Sehgewohnheiten.“ … „Nach unseren modernen Regelurteilen könnte dieser digitale Schleier jederzeit wieder fallen.“ … „Sezanne aus Aix-en-Provence.“ … „Warum macht er Sichtbares unsichtbar. Es wird nicht direkt übermalt. Sondern sein digitales Abbild als Vorlage benutzt.“ … „Es zeigt eine Gruppe von fünf Oppositionellen.“ … „Nichts ist bei Dir wie es scheint und nur der Schein trügt nicht.“ Applaus. Applaus. Dann Schweigen. „Peter.“
„Ja.“
„Komm mal her.“
„Ja.“
„Toll.“

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Plem Plem

Donnerstag, 10:51 Uhr auf einer Kreuzung im Stadtzentrum.

„Ey Du Vogel, mit Handy ist verboten. Komm runter da.“
Bei uns von der Motorradstaffel zählen nur Ergebnisse. Das ist ganz einfach: Wenn die Straße frei ist, ist die Straße frei. Wenn sie nicht frei ist, musst Du dir überlegen, ob Du besser Streife fährst.
„Na samma! Hier ist zu.“
Das kann nicht jeder machen. Da musst Du präzise arbeiten. Den Überblick behalten.
„Verfatz Dich, Junge.“
Die Gäste, die sie uns anvertrauen, sind Ziele. Die müssen in Bewegung bleiben. Für uns ist überall Mogadischu.
„Mit dem Rollstuhl jetzt über die Schienen. Ick gloob ick spinne. Gas, Gas, Gas, komm!“
Black Hawk Down kennen Sie, nehme ich an.
„Ey hast Du Tomaten uff den Ohren? Bewege Dich!“
Bürgernähe, Polizei-als-Dienstleister und son Quatsch. Da hatten wir erst neulich eine Schulung. Von so einem Herrn Rechtsanwalt.
„Dit sindse. – Ey!“
Egal. Ich hab da keine Manschetten. Ich kann hier nicht jedes Mal Bitte sagen. Die Straße muss frei sein. Alles pi-pa-po. Dass sich da ab und zu einer auf den Schlips getreten fühlt, kann passieren. Also wenn uns auf diesen Gurken von Moto Guzzi überhaupt noch einer ernst nimmt.
„Samma bist Dun bißchen plem plem oder was?“
Arm aber sexy. Ich kann das Geseier von der Grinsekatze nicht mehr hören. Wer bei der Motorradstaffel spart, brauch sich nicht wundern. So, gleich müsste er kommen.
„Ey Keule, ich hab gesagt mit Handy ist verboten!“
Wie viel Mann wir sind, kommt immer auf den Besuch an. Wir schnüren da für jeden ein individuelles Paket.
„Quatsch ick Schinesé? Du sollst stehen bleiben.“

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Dieser Moment

Dieser Moment, wenn Du dich an einem Sonntag nach dem Telefonat wieder auf deinen Platz in der Bibliothek zurück setzt und Dir die bescheuerte Frage des Anrufers nach dem Warum nicht mehr bescheuert vorkommt.

*

Dieser Moment, wenn Du deinem Freund in der U-Bahn zu früh Tschüß gesagt hast und die Station nicht kommt und nicht kommt und nicht kommt und Du dich eigentlich noch mal umdrehen könntest und Du es doch nicht tust, weil Du unsicher bist, obwohl ihr euch für Unsicherheit eigentlich viel zu sehr mögt.

*

Dieser Moment, wenn Dir der Grund, aus dem Du es ihr damals nicht einfach gesagt hast, nicht mehr einfällt.

*

Dieser Moment, wenn Du merkst, dass diese ganzen Dieser-Moment-Sätze nur auf halber Strecke stecken gebliebene Reflexionen sind und Du alles beim Eigentlich-müsste-man belässt, weil zu erkennen, was falsch läuft, allein Dir eben doch nicht ausreicht, um mit dem Arsch an die Wand zu kommen und einfach zu machen, was Du willst.

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Den Politiker als Instrument begreifen

Auf dem Titel der Printausgabe der Wochenzeitung der Freitag wurde bereits darauf hingewiesen, dass es auf der Internetseite des Freitag eine Diskussion um den folgenden Beitrag gibt. Der Titel des Freitag ist hier zu sehen. Die vernichtende Kritik gibts hier. Das ist der Text:

Lobbyismus ist die Basis funktionierender Demokratie.

In der Debatte um die Beeinflussbarkeit von Politikern geht es um Vorteilsnahme. Wulff traf dieser Vorwurf. Gerade strauchelt Steinbrück ein wenig deswegen. Der Kern des Vorwurfs ist immer derselbe: Ein Abgeordneter trifft politische Entscheidungen zugunsten einer Gruppe, die ihm dafür einen Vorteil gewährt.

Vorteile müssen irgendwoher kommen. Damit fällt das Licht auf die Lobbyisten. Und mit diesem Schluss hat es sich etabliert, zwischen Lobbyismus und Vorteilsnahme einen Zusammenhang herzustellen, der aber nicht per se besteht.

Was ist das, ein Lobbyist? Im Fremdwörterbuch steht, es handele sich bei der Lobby um eine Wandelhalle im Parlament, in der die Abgeordneten mit Bürgern zusammentreffen. Der Zweck dieses Treffens ist klar umrissen: Der Bürger soll dem Abgeordneten sagen, was er will, damit der Abgeordnete weiß, was der Bürger will, um dann seine politische Arbeit an den Wünschen des Bürgers auszurichten. An den Wünschen. Denn dem Dialog in der Lobby fehlt der Imperativ. Es ist keine Handlungsanweisung, die dort vom Bürger an den Abgeordneten drängt. Es ist die Bekundung eines Interesses. Darum geht es. Jeder Bürger soll die Möglichkeit haben, dem Abgeordneten sein Interesse nahezubringen, auf dass der Abgeordnete im Sinne dieses Interesses politisch entscheide.

Streng genommen hat der Lobbyismus damit eine urdemokratische Funktion.

Lobbyismus gewährleistet, dass das Volk eines Staates mittelbar, nämlich durch die von ihm gewählten Abgeordneten, seine Geschicke selbst lenkt. Der Lobbyismus sichert damit die Funktion des Politikers als Instrument des Bürgers, dessen Interessen zu verfolgen.

Nun gibt es im Staat verschiedene Bürger. Im Zusammenhang mit dem Lobbyismus lassen sie sich auf zwei Weisen unterscheiden: Zum einen ist das ihre Stärke. Es gibt starke und schwache Bürger. Und die Stimmen der Starken sind lauter, als die der Schwachen. Deshalb laufen die leisen Stimmen der Schwachen Gefahr, im Gemurmel der Lobby unterzugehen. Das gleichen Zusammenschlüsse unter den Schwachen aus. So etwa die Gruppe der Verbraucherschützer.

Der zweite Unterschied besteht in den Interessen der Bürger. Die Bürger haben verschiedene Interessen. Erst vor Kurzem gab es einen Fall, in dem die verschiedenen Interessen zweier Gruppen deutlich zu Tage traten: Die Ernährungsampel.

Zulasten von Verbrauchern hätten sich, so Andrea Nahles bei Günther Jauch, die Lobbyisten aus der Nahrungsmittelindustrie darum bemüht, diese verbraucherschützende aber gewinnhemmende Maßnahme zu verhindern. Das Ergebnis ist bekannt: Die Lobbyisten der Nahrungsmittelindustrie haben gewonnen. Die Lobbyisten vom Verbraucherschutz haben verloren.

Solange man die eigene Meinung und die eigene Wertung außen vor lässt, darf man an diesem Prozess aber nichts aussetzen: Man rufe sich nur das Bild der Lobby ins Gedächtnis zurück. Nun stelle man sich in ihrer Mitte den Abgeordneten und links und rechts von diesem je einen Vertreter der zwei Interessen vor: Der Vertreter der Interessen der Industrie wurde gehört. Der Vertreter der Verbraucher wurde nicht gehört. Die Ernährungsampel wurde eingemottet. Es hätte auch anders laufen können.

Erst wenn man, wie Nahles, meint, ein geschützter Verbraucher sei ein wichtigeres Gut als ein prosperierender Konzern, kann man dieses Ergebnis des Verfahrens um die Durchsetzung der Interessen für falsch halten. Oder man steht auf der Seite der Industrie. Und begrüßt es. Dieses Denken vom Ergebnis her ist korrekt. Denn es korrespondiert mit der eigenen Meinung. Vom Ergebnis her und von der eigenen Meinung ist aber der Schluss auf die Qualität der Entscheidungsfindung im Lobbyismus unzulässig.

Was bedeutet das Beispiel von der Ernährungsampel für die Debatte um den Lobbyismus?

Das Verfahren der Lobbyarbeit kann nicht ohne Glaubwürdigkeitsverlust nach seinem jeweiligen Ergebnis mal für gut und mal für schlecht gehalten werden. Es ist schlicht inkonsequent, ein Verfahren wie den Lobbyismus nur dann für richtig zu halten, wenn es dem eigenen Interesse zum Durchbruch verhilft. Im Gegenteil: Sobald der Begriff des Lobbyismus verfassungsrechtlich aufgeladen wird mit der hinter ihm stehenden Idee von der indirekten Demokratie, ist klar: Der Lobbyismus muss sogar kategorisch für gut befunden werden. Ein Volk mit verschiedenen Interessen, das sich mittelbar selbst beherrscht durch Abgeordnete, muss die Lobby beschützen, die Lobby manifestieren, ja: es muss die Lobby als Errungenschaft seines demokratischen Fortschritts feiern.

Indes, vom Umgang mit Geld in der Lobby ist im Fremdwörterbuch freilich keine Rede. Und das ist der Punkt, an dem dieser Beitrag die hasserfüllten Debatten um bestechliche Politiker zu entschärfen sich anmaßt: Trennt den Lobbyismus von der Bestechlichkeit! Die Begriffe sind nicht synonym. Dass sich der Interessenvertreter auf der einen Seite des Abgeordneten durch ein Megafon aus Dollarscheinen Gehör verschafft, ist nicht vorgesehen. Wenn es passiert, dann ist das falsch. Deshalb ist Vorteilsnahme kein Argument gegen Lobbyismus.

Mündig mitgestalten

Hinzukommt: Das politische Gedächtnis ist kurz. Deswegen verhallt die Kritik am Lobbyismus immer wieder und deswegen kommt sie auch ständig wieder neu auf (und deswegen wird Guttenberg wohl [oder übel!] 2021 Kanzler sein). Die Kritik verschwendet dabei aber Kräfte. Und wegen dieser Kräfteverschwendung und weil Lobbyismus gut ist, sei der Lobbyismuskritiker schließlich aufgefordert, die Kraft, die er in seiner pauschalen Kritik zerstreut, gebündelt in den Kampf um seine Interessen umzuleiten. Das ist nicht liberales Freiheitsdenken zugunsten der Starken. Gerade die Lobby der Verbraucher nimmt Mitstreiter auf.

Wer den Lobbyismus trotz alledem dem Grunde nach für falsch hält vergisst, dass auch er Interessen hat und dass auch diese Interessen von Gruppen vertreten und durchgesetzt werden. Apodiktisch kann freilich jeder Mensch auf der Erde sagen, sein Interesse sei das einzige, auf das es ankommt. Wer aber fähig ist, zu relativieren, wer die Möglichkeit anerkennt, dass andere Menschen andere Interessen verfolgen und wer sodann bereit ist, schon aus der bloßen Existenz eines anderen Interesses heraus diesem denselben Rang zu gestatten, wie dem eigenen, der hat nur eine Wahl: Den Kampf unter den Interessen zuzulassen, ihn geschehen zu lassen oder, wenn ihm sein Interesse wirklich etwas bedeutet, die Herausforderung anzunehmen und sein Instrument, den Politiker, zu benutzen und selbst mit um das Interesse zu streiten. Und das bedeutet nur eins: Ab in die Lobby.

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Die Rosen der Bibliothekarin

Es war schon lange niemand mehr durch den Lesesaal gegangen. Ich saß allein an meinem viereckigen Tisch zwischen den Regalen und lernte Auge. Bei Auge traute ich mich nicht auf Lücke zu setzen.

Durch das Fenster sah ich nur noch mich und die Gänge hinter mir. Denn es war bereits dunkel.

Etwas weiter rechts von mir, vier, fünf Bücherreihen vielleicht, stand die schöne Bibliothekarin auf dem runden Hocker, der nicht mehr rollt, sobald man sich darauf stellt. Leise hörte ich sie. Irgendwann am Nachmittag hatte ich sie gesehen. Ein paar Schritte lief sie vor mir. In ihren roten Pumps, die Beine nicht so ganz in die schwarzen Netzstrümpfe, also wie man so sagt, gehüllt, also nicht so ganz, also wie gesagt.

Ich bin nicht besonders groß, vor allem im Sitzen nicht. Die Lücke zwischen dem dritten und dem vierten Regalboden der Regale neben mir befand sich auf Augenhöhe. Und irgendwann zwischen Photorezeptor und Pigmentfleck schaute ich nach rechts. Und sah sie da stehen. Ihre Beine. Eben nicht so ganz gehüllt in die Netzstrümpfe, die sie an diesem Tag zum ersten Mal trug. Von etwas weiter oben quietschten die Metallschienen, die die Bücher hielten. In der Spätschicht räumte im gesamten letzten Jahr niemand Bücher ein. In der Spätschicht, die sie an diesem Tag zum ersten Mal machte. Sie rückte näher. Schlemm-Kanal, drei Reihen weg. Irisfortsätze, zwei Reihen weg. Pupille, die Reihe neben mir.

Ich hörte wieder, wie sie auf den runden Hocker stieg. Und ich drehte mich, würde ich sagen, wenn man mich fragte, nach dem Geräusch um. Ich erkannte das Muster auf den Strümpfen, Rosen, und genoss es, sie minutenlang zu betrachten, ungesehen, gewogen in die Sicherheit, geschützt zu sein: Keine 30 Zentimeter zwar. Aber 100 Bände zwischen uns. Ein Buch nach dem nächsten holte sie heraus, verschob ein paar, zog und rückte andere. Einmal beugte sie sich leicht nach vorn. Da spannte ihr Rock. Ein anderes Mal stellte sie sich auf die Zehenspitzen und reichte, ein Bein angewinkelt, ganz nach oben. Und ich sah derweil den Rosen zu und der Genuss war minutenlang fast ununterbrochen von den Gedanken an die Dinge, die Menschen denken, wenn sie von jemandem wie mir nur hören.

Dann stiegen die Rosen vom Hocker herab und ich drehte mich noch im selben Moment zurück nach vorn, zur Sicherheit, sah geradeaus in das Fenster und in mein Gesicht, zur Sicherheit, und knallte direkt gegen ihn: ihren Blick. Auf mich gerichtet aus der Reihe neben mir sprang er mich aus dem Fenster an. Augenbraue hochgezogen. Ganz und gar nicht überrascht. Und erst ihr Lächeln.

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Untitled (unbenannte New Yorkerin)

Seltsam ist ein Wort für faule Menschen, also für Menschen, die sich nicht die Mühe machen wollen, zu beschreiben, was sie meinen. Ich wills genauer sagen. Mich zumindest herantasten. Es fühlt sich also nicht seltsam an, ohne Dich. Ich fühle mich aber auch nicht haltlos: ohne Dich. Aber das liegt nicht daran, dass ich nicht mal weiß, wer Du bist. Und das ist auch nicht das, was die faulen Menschen seltsam sagen ließe. Ich habe das schon ein paar mal erlebt, Halt zu haben, zwei-, dreimal und deshalb weiß ich schon, dass es ihn gibt, diesen Halt. Gerade den von Dir. Und das ohne schon zu wissen, wer Du bist. Dass es Dich gibt, ist doch klar, denn sonst könnte ich Dich ja nicht finden.

Ich will an die Ecke mit dem Haus mit der Spitze seit ich sie kenne. Treffen wir uns da? Heut in einem Jahr?

Das wird komisch für Dich sein.
Entschuldige.

Komisch ist auch ein Wort für faule Menschen. Und das bist Du nicht. Jedenfalls nicht denkfaul; nicht dass Du denkst, dass ich das sagen wollte. Ich will mich auch an dieses Gefühl, also das, was Du dann haben wirst, heranzutasten versuchen. Das Gefühl da an der Ecke, wenn wir uns zum ersten Mal sehen und ich Dir noch im Laufe des Tages sage, dass ich Dich vermisst habe. Wir werden drüber lachen.

Denn Du bist cool.

Und ich werds begreifen, werde mich meiner selbst mit einem Blick versichern, wenn ich mich sehe, in deinem Spiegel. Der Spiegel, vor dem Du stehst, wenn wir zum ersten Mal innehalten, uns zum ersten Mal umarmen, gleich nach dem Reinkommen durch Deine Wohnungstür. Ich werde das mit einem Blick auf mich begreifen, dass Du cool bist, gleich nachdem wir festgestellt haben werden, dass wir zum ersten Mal jemanden gefunden haben, der Verliebtsein am Anfang und Liebe im Laufe der Zeit auch nicht für zwei verschiedene Dinge hält. Obwohl das doppelt schwer sein wird in deiner Sprache, die dafür nur ein Wort kennt, kriegen wir das in einem Satz hin. Denn es ist klar, dass wir auch in dieser Angelegenheit dasselbe denken.

Aufgeregt, ja, das bin ich. Oder nein. Vorfreude trifft es besser. Denn die schließt meine Gewissheit ein. Sie ist das, was andere seltsam nennen würden.

Jetzt muss ich nur noch diese Zeit überbrücken. Und mir etwas einfallen lassen für die Kinder. Unsere Kinder, stell Dir vor, was die denken werden, wenn sie von diesem Gedanken erfahren. Wenn sie lesen, dass ihr Vater eine Frau, die er noch gar nicht kannte, dazu aufgefordert hat, an sie zu denken, obwohl sie noch nicht einmal da, noch nicht einmal auf der Welt waren und obwohl sie damit ja noch ein Schritt weiter weg von ihm, dem Vater, noch einen Schritt weiter weg von mir waren, als ihre Mutter, als Du es von mir bist, Du, die ich ein paar Zeilen weiter oben schon ansprach, Du, von der ich längst wusste im Zusammenhang mit dieser Ecke. Was werden sie denken und wie werden wir reagieren, wenn sie fragend gucken? Wir sind nicht faul, also lass uns eine Antwort finden. Was ist mit dieser: Es war eben nur dieser eine Schritt, den ihr damals weiter weg wart, als eure Mutter. Eure Geburt. Wie wollt ihr eure Geburt denn diesem Gedanken entgegen halten. Was ist denn gewisser? Und jetzt ab ins Bett.
Und Du: Bis gleich. Los komm nach nebenan.

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Traveller Flieh

Als gäbe es einen Anspruch. So hört er sich an. Als könnte er quasi per Gesetz verlangen, dass sich die Dinge, die Menschen, ihre Leben und alle Umstände verändert haben, nur weil Monsieur mal ein Jahr weg war. Es ist alles noch genauso wie früher hier. Früher! Das war da, wo noch Krieg war und nicht vor einem Jahr. Wie stehen geblieben. Ja, genau. Alle stehen geblieben hier. Wollte man dem Ton in seiner Stimme glauben, könnte man denken, er meint: zurückgeblieben. Alles klar. Du bist der einzige, der vorangekommen ist. Mit deinem Around-The-World-Ticket dem Fortschritt entgegen, hast Du die Welt und nebenbei auch noch Dich selbst entdeckt und bist um diese zwei Erkenntnisse dem Rest von uns voraus. Alles klar. Und nu? Warte mal auf das nächste Jahr, bis Dir klar wird, dass Du diese Tretmühle-Berlin nicht mehr erträgst. Warte auf deine nächste sogenannte Reise und erkenne dann irgendwo, dass Du uns alle nicht mehr kennst. Warte, bis Du irgendwann Sehnsucht bekommst. Beim Alleinsein in der Mitte deiner Bekanntschaften. Warte, bis Du zurück nach Berlin und alle mit Dir (!) überraschen willst. Warte auf den Moment, in dem Du dann vor unsere Türen trittst und in unseren Gesichtern die Freude erkennst. Die Freude nicht darüber, Dich wieder zu sehen. Sondern die Freude für Dich, weil deine Flucht beendet ist.

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Einfach so

Ich habe immer gesagt, ich will vom Schreiben leben können und dann haben sie irgendwann alle angefangen, mir zu gratulieren. Verlagsvertrag, ja das war schon was. Und dann der Vorschuss für das neue Buch. Dass ich es geschafft und mein Ziel erreicht habe, dass ich endlich angekommen sei, wo ich immer hin wollte, das bekam ich von nun an zu hören.
Leute: Wenn ihr wüsstet.

In Paris wollte ich schreiben und das tue ich jetzt ja auch. Und dass der Lektor mir eine Wohnung besorgt hat, die der Verlag bezahlt, ja, das ist eine glückliche Fügung. Und dass das Schreiben läuft und die Manuskripte fast unverändert bleiben, ja, ja, ja, ich sehe das doch auch.
Aber Leute: Wenn ihr wüsstet.

Das ist doch kein Leben. Was ist denn, wenn das morgen nicht mehr läuft, wenn nichts mehr aus mir kommt. Ich weiß doch nicht warum es geht, warum es funktioniert, kanns doch nicht ein- und ausschalten, vor allem nicht einschalten, wenns mal ausgeht. Was ist, wenn: Schreibblockade lebenslang? Wie lange werde ich dann hier wohnen, na? Drei Monate, ein Jahr?

Da kommt doch nichts zu mir wenn nichts mehr von mir kommt.

Es muss nachgelegt, es darf nicht aufgehört werden. Es gibt noch längst kein Werk, das mich von allein ernährt und ohne Nahrung kann doch keiner leben.

Leute: Nirgendwo bin ich. Das ist kein Ort, der einer ist. Und leben kann man nur an Orten. Da wo alle Menschen leben und eben: atmen. Aber ich bin nicht an einem Ort. Ich muss die Luft anhalten. Bin längst über der Zeit. Muss wieder zurück an diesen Ort, an dem ich als Kind schon einmal war. Muss zurück, um Sauerstoff zu bekommen, der da ist und der, ohne dass ich ihn mit der eigenen Hände Arbeit noch in meinen Mund schieben muss: bleibt. Nur so kann ein Leben vom Schreiben doch funktionieren. Das ist das, was ich Leben nenne: Atmen. Einfach so.

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MOABIT-TRANSKRIB

„Dann sind Sie jetzt dran, Herr A. Erzählen Sie mal, was sich da abgespielt hat.“
„Soll ich von Anfang, also ich mein von vorne oder nur Ende?“
„Ganz von Anfang an, bitte. Möglichst umfassend.“
„Okay. Also wir haben da halt gesessen wie immer eigentlich.“
„Verzeihung, wo?“
„Na Leo. Hab ich ja bei Gesa schon gesagt. Also wo wir immer sind.
So. Und na das wars eigentlich schon.
So. Und ich sag so zu B., B. ist mein Freund, also nicht schwul oder so, ist ja klar, also ich sag zu ihm, komm mach mal lauter. Ich mein Handy.
So. Und genau dann kam er an. Der Herr C. Und ich sag noch so zu ihm guck mich nicht so an sag ich. Also nicht so. Ich sag mal bisschen freundlicher. Normal halt. Aber er hat nicht aufgehört. Er wollte uns provozieren. Na und dann ich hab ihm Box gegeben. War ja auch nicht doll, schwör, war nur Warnung sag ich mal. Ich meine das tut echt nicht weh, schwör!“
„Darauf kommt es hier nicht an. Fahren Sie fort.“
„Wenn Sie schon mal Bombe gekriegt haben wüssten Sie. Aber okay. B. meint noch so aber ich hab gesagt das ist zu krass. Also der Herr C. wusste ja Bescheid. Also haben wir gedacht.
So. Und dann er steht halt wieder auf und ich dachte ist er behindert oder so und wir waren so gönn Dir, wenn er Lektion in Respekt braucht okay. Wie er schon aussah, na sie sehen ja, mit den Haaren und so voll ungepflegt er hatte sogar Löcher in den Schuhen. Aber dann kam Polizei. Ich hab erstmal Hände gewaschen in Gesa.
So. Und wie ich wieder kam in Warteraum, er saß plötzlich da und grinst mich an. Ich hab noch Beleidigung gesagt und so und ihn angeguckt halt normal. Normalerweise die Deutschen sie kacken sich da immer gleich voll ein, denken immer gibt gleich Messerstress, ist voll lustig. Okay. Aber er nicht.
So. Wie er geguckt hat. Da wusste ich schon er kommt nicht klar. Ist auch egal. Jedenfalls er springt auf und gibt mir direkt Kaffa mit sein Rastas. Ich dachte ich sterbe. Über unhygienisch.
Der Hund. Hier, mein Poloshirt, war ganz neu von Ralph Lauren, ich hab extra zum Beweis mitgebracht, geht nicht mehr raus, kann ich nicht mehr anziehen. Deshalb ich hab Anzeige gemacht.“

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Ungleichgewicht

Da ist so ein Ungleichgewicht. Nachdem wir uns sehen. Nachdem wir telefonieren. Immer nach Dir. Ich sitze dann da und denke an das Sehen oder das Telefonieren und ich frage mich dann immer, welchen Satz ich von Dir wie zu verstehen habe und welcher Satz von mir anders hätte formuliert werden müssen, um mich endlich mal verständlich zu machen.

Und dann denke ich währenddessen immer eben auch an deine Kinder, deine Frau und daran, dass Du dich um so viele verschiedene Aufgaben zu kümmern hast, während ich immer nur male.

Was das bedeutet, wenn ich sage, dass Du mir fehlst, willst Du wissen. Typen, die anderen Menschen fehlen, die wissen das ja nie. Und dass solche SMS nur Zeit und Ablenkung machen sollen, das wissen Typen wie ich umso genauer. Und dennoch antworten wir. Denn es ist so einfach.
Dass deine Klamotten nicht mehr überall rumliegen.
Dass dein Geruch noch immer im Bad steht.
Dass deine Haare sich noch durch die Kissen ziehen.
Dass ich um den Schmutz, den Du mit deinen Schuhen hereingetragen hast, herum sauge.
Dass ich dein seit dem Morgen vertrocknetes Baguette aufesse und dass ich deine halbvolle Tasse Kaffee mit Lactosemilch drin austrinke.
Dass ich wieder stark sein muss, und nicht die Frau, die ich sein will, sein kann.
Dass ich mich mit deinem Handtuch abtrockne. Ne Woche lang.

Seit ich von der Kunst leben kann, hat mein Leben ja nichts mehr mit dem Leben zu tun. Allein in meiner Wohnung,  wo soll ich da die Motive hernehmen. In die Kneipe sind sie von allein gekommen.

Es gibt nur Dich. Nur Du reißt mich da raus. Und schickst mich doch jedes Mal zurück, indem Du auflegst oder indem Du die Tür hinter Dir zuziehst oder indem Du um die Ecke biegst.

Und alles, was sich hinter dem Hörer, der Tür und der Ecke verbirgt, will dann was von Dir. Deine Kinder wollen spielen, deine Frau will reden und ab und zu Sex. Deine Freunde wollen Biertrinken und Du willst das alles auch; ich sehe Dich mir ja jedes Mal mit einem Lächeln davon erzählen (und auf dieselbe Weise den Sex mit deiner Frau verschweigen).

Und ich ahne, wie Du teilnimmst, also: ganz und gar nicht nur dabei, sondern Teil davon bist. Und nicht an mich denkst, so wie ich an Dich. Ungleichgewicht. Zieh mich doch mal rüber; bezieh mich doch mal ein: in dein Leben, wie ich das mit Dir machen will. Ganztags, alles betreffend. Fällt Dir schwer? Ist auch nicht leicht.

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Regen von oben, Sonne von vorn

Es ist wie jedes Jahr. Ich bin da. Nur diesjahr schreibe ich es auf. Denn ich will mich das ganze kommende Jahr daran erinnern. Bis es endlich wieder soweit ist.

Die Zeit bevor der Herbst beginnt. Das ist die Zwischenzeit. Wenn gelbe Blätter schon am Boden liegen, die Bäume aber noch grün sind. Wenn man von oben nass wird vom Nieselregen, der Regen einen aber noch nicht frieren lässt, weil von vorn noch die tief stehende Sonne scheint. Wenn man die Fenster schon zu aber die Heizung noch aus hat.

Die Zwischenzeit ist die einzige, die Dir die Zeit in das Bewusstsein ruft. Du wirst ihr gewahr, der Zeit, wenn die Zwischenzeit Dir anzeigt, dass das eine noch nicht ganz vorbei und das andere noch nicht ganz da ist.

Und als wäre das Bewusstsein allein dafür da Lücken zu füllen, füllst Du sie plötzlich aus. Die Zwischenzeit. Wenn Du sie erkennst. Und dann Dich selbst darin.

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Keine Interessen

Wenn ich doch nur keine Interessen hätte, dann könnte ich endlich Karriere machen. Eben so, wie meine Freunde es tun.

Meine Dissertation, die ich nur schreibe, um mich von x-beliebigen Bewerbern für eine x-beliebige Stelle abzuheben, meine Dissertation wäre längst fertig, wenn ich nicht ständig ein neues Dokument öffnen und die Gedanken, die mich umtreiben, notieren müsste. Denn eines meiner Interessen ist es ja, mich den Fragen über mich hinzugeben. Und das geht am besten aus dem Danach. Und um im Danach das Jetzt meiner selbst noch fassen zu können, muss ich jetzt, und zwar immer, wenn es jetzt ist, alles notieren, um es dann einer späteren Lektüre zugänglich zu machen, der dann die Auseinandersetzung folgt, die dann meinem Interesse dient: Mich selbst zu verstehen. Aber das dauert ja: stundenlang, tagelang, ein Leben lang, wer soll denn da noch promovieren?

Wenn ich keine Interessen hätte, dann könnte ich in dem Beruf, den ich später mal ausüben werde, viel erfolgreicher sein, ich könnte dann zum Beispiel einfach so abends ins Theater gehen und während des Stücks E-Mails auf dem Handy lesen und beantworten. Ich wüsste dann auch immer gleich bescheid, wenn mich einer braucht und könnte dann kurz rausgehen, um ihn anzurufen und neben der Lösung für sein Problem noch kurz erwähnen, dass ich im Theater bin. Das wirkt sich auf geschäftliche Beziehung ja durchaus nicht schlecht aus. Ich wüsste auch insgesamt öfter, dass mich jemand braucht, wenn ich keine Interessen hätte, denn mein Handy wäre öfter an, nein, es wäre immer an. Es läge neben meinem Teller, auf den man ja schaut, wenn man isst. Es läge neben dem Monitor, auf den man ja schaut, wenn man eine Excel-Tabelle erstellt. Es läge im Auto vor der Geschwindigkeitsanzeige und in der Nacht neben dem Bett. Ich könnte das Handy, wenn ich doch nur keine Interessen hätte, ständig sehen, könnte auf jedes Klingeln sofort reagieren, wenn ich es nicht ständig ausschalten müsste, etwa weil ich mit hinter dem Rücken verschränkten Armen einen Spaziergang machen muss, um mir über etwas klar zu werden oder weil ich am Abend, weil ich sonst nicht einschlafen kann, noch etwas auseinandersetzen muss oder weil ich das Stück, das ich im Theater sehe, ganz und gar durchdringen will, weil ich wissen muss, was die Theatermenschen aus ihm gemacht haben, nachdem ich mir ja das-und-das dazu dachte.

Wenn ich keine Interessen hätte, dann könnte ich auch vielmehr mitreden. Denn ich könnte mich einfach über das informieren, worüber alle um mich herum immer reden. Das ist jedoch das, worüber mich zu informieren mir keine Zeit mehr bleibt. Weil ich doch Interessen habe und also lesen muss, was mich interessiert. Über die Liebe und das Theater redet ja aber keiner. Und die Textmassen, die es dazu gibt, die sind so groß, dass ich sie nicht schaffen und dann auch noch diese anderen Sachen lesen kann, die, über die man spricht. Schuldenkrise-Quatsch, Neues-Restaurant-Quatsch, App-Quatsch. Ich wäre voll dabei, wenn ich doch keine Interessen hätte.

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Stop Edu-Hedonism (U-Bahnfahren!)

Das iPad erweitert das Lernerlebnis. Stopp! Das ist Schrott. Glaubt das nicht. Denn das ist falsch. Das hedonistische Kalkül ist tot. Es gibt kein Lernerlebnis. Ein Erlebnis ist die unbedingte Wahrnehmung dessen, was man gerade tut. Immer ohne Meta-Ebene; ohne Denken nur im Fühlen sogar: ohne alles. Beim Lernen geht es nicht um ein Erlebnis, also nicht darum, das Lernen als das, was es ist, zu erleben. Das Lernen, das hat ein Ziel, das über das Lernen hinausgeht: Wissen sammeln.

Die Existenz eines hinter dem Lernen stehenden Zieles unterscheidet das Lernen also vom Erlebnis, wie der Vergleich zu den beiden Standarderlebnissen, dem Achterbahnfahren und dem Orgasmus, beweist.

Lernen ist nicht das einzige, was eines dahinter liegenden Zieles wegen getan wird. Und es ist auch nicht das erste Angriffsziel der Hedonisten. Schon das Laufen wurde vom Walkman seiner wichtigsten Eigenschaft beraubt: Dabei denken zu können. Bald darauf fiel das U-Bahnfahren (U-Bahnfahren!).

Jetzt also soll das Lernen dran sein. Aber Erlebnis und Denken (das mit dem Lernen ja untrennbar in Verbindung steht) sind Antagonisten, die nicht zusammengeführt werden können. Die anderen sagen: Das Erlebnis kann das, was man tut, intensiver machen. Das Lernen würde, wenn man more into it und so ist, effektiver und deshalb besser sein. Aber das Argument geht ins Leere. Denn beim Lernen mit Geräten gibt es überall Auswege, die wegführen: vom Wissen; beim Verfolgen eines unbedingten Dranges. Sagen wir mal zu Zalando. In der Bibliothek ist mehr als die Hälfte aller Studenten mit iPhone und iPad ausgestattet. Und schaut man auf die Retina-Displays, könnte man denken, sie promovieren alle über Facebook. Zurückbleiben, bitte.

Also stoppt den Bildungs-Hedonismus and spread the word worldwide: STOP Edu-Hedonism, occupy your Gehirn! Verfolgt beim Lernen wieder dessen Zweck. Und hört auf, euch diese Fragen über Geschlechtskrankheiten zu stellen. Dip-dip Dip-dip. U-Bahnfahren.

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Zwischenzeit

Mit wem habe ich heute Nacht eigentlich geschlafen? Ich habe mich wohl gefühlt, denn wir waren bei mir und ich war auch bald nicht mehr angespannt, als ich merkte, dass ich Dir genügte und ich fing ganz von allein und ohne Steuerung an, auf mich zu achten, als ich nämlich merkte, dass Dir das gefällt. Und ich überließ Dich erst uns beiden und vergaß dann schließlich ganz und gar, mich um Dich zu kümmern.

Ich fühlte mich sicher. Denn mein Bauch war flach.

Dann kribbelte es mal in meinen Fingern und mal in den Nippeln und ein Druck begann sich in mir anzustauen, wie ich ihn lange nicht mehr gespürt hatte. Ein Druck, der mich nämlich zugleich versicherte, dass er diesmal nicht bleiben oder sich schleichend verflüchtigen, sondern dass er sich sehr bald in einen Knall entladen würde. Und als ich meine Augen öffnete, da sah ich mich in dem Spiegel, der an der noch offenen Tür des Kleiderschranks in Richtung Bett meinen Blick so deutlich auf mich freigab, dass ich mir fast selbst unterstellen wollte, ich hätte mit Absicht vergessen, den Schrank zuzumachen. Ich gefiel mir. Obenauf, mit roten Wangen. Und dem sicheren Wissen, Muskelkater zu bekommen. Das sah elegant aus, wie ich mich bewegte, dafür war ich langsam genug, und es sah etwas verrucht aus, als ich anfing das Tempo zu erhöhen. Und ich fand es geil, wie plötzlich der Schweiß aus meinem Gesicht von mir herunter tropfte und wie er von meinem Rücken aus abwärts zwischen meinen Pobacken kitzelte. Und ich fand es umso geiler, als sich immer mehr Haut unter meinen Fingernägeln sammelte. Dann sah ich meine Arme noch zittern und vergaß zugleich den Schmerz. Und dann alles andere.

Irgendwann fielst Du mir noch mal ein und als mein Atmen wieder leiser wurde, da sah ich auch, dass Du da bist. Irgendwann kam ich wieder auf Dich und, keine Sorge, ich hab Dich seit dem auch nicht mehr vergessen. Aber, sorry, wo warst Du in der Zwischenzeit?

 

(Anmerkung: Sex ist ab einem bestimmten Punkt keineswegs mehr der Moment der Vereinigung, für den er gehalten wird, sondern der Moment der größten Distanz. Umso näher ist man dann indes sich selbst. Zur Konkretisierung dieses [ausgelatschten] Gedankens: Badiou, Lob der Liebe, 2011, Wien, S. 25 ff.)

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Bin geduscht, die Zähne sind geputzt. Die Haare habe ich nicht gewaschen, denn sie haben mir heute gefallen und ich wollte sie so lassen. Hab eine geraucht, um nicht zu sauber zu sein. Rauche aber keine zweite, um nachher nicht schwer zu atmen. Warte darauf, dass das Handy klingelt. Oder gleich die Tür. Habe gegessen, um nicht zu schwach zu sein, habe noch Hunger, kann aber nicht noch mehr essen, will auch schlank sein. Lasse Radio Fritz laufen im Hintergrund, damit alles locker wirkt. Wenn Du kommst. Ziehe das Höschen erst an, wenn Du auf der Treppe bist, damit es gut riecht. Will nichts mehr lesen, um nicht abgelenkt zu sein von anderen Themen, will nichts trinken, okay, nicht noch ein Bier trinken, um nicht betrunken zu sein. Jedenfalls nicht vor Dir. Dass wir zusammen Bier trinken können, findest Du cool, hast Du gesagt, damals, als wir noch zusammen waren. Nur noch ein paar Minuten, dann … sollte es soweit sein, nur noch ein paar Minuten, dann mache ich Dir auf. Könnte später werden, hast Du gesagt. Dass das nicht schlimm ist, weil ich das und das und das noch zu tun hatte, hab ich mir bereitgelegt. Display hell, Licht aus. Kurz klingeln lassen; wegdrücken. Ein bisschen warten, nicht zu schnell zur Tür. Irgendwie-überraschte Stimme anstellen und zum Hallo-sagen einrichten, okay, und los: hallo? Der Summer überträgt nicht, wenn keiner geklingelt hat. Fenster nicht aufmachen und nicht runter rufen. Wiederwahl. Klingel mal.

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Kippenpaare im Aschenbecher

Die Kippen, die sind bei mir im Aschenbecher immer in Zweierpaaren angeordnet mit der zu den zwei Kippen gehörenden Asche entweder links oder rechts jedenfalls aber gesammelt und nicht getrennt von dem Kippenpaar, sondern mit einer Berührung neben ihm. Das wird oft belächelt. Von Unwissenden. Von Leuten, die das für einen Tick halten, von solchen, die meinen, dass das einer dieser Spleens wäre, die ich habe.

Ha! Weit gefehlt. Halten Sie sich doch bitte die symbolische Kraft dieser zwei Kippen nur einmal vor Augen und Sie werden plötzlich erkennen, welche Realitätsnähe sich auftut und welche Notwendigkeit sich dann erschließt: Stellen Sie sich vor, die Kippen sind ein Paar, zwei Menschen, die eine Beziehung haben, vielleicht auch hatten. Stellen Sie sich nun vor, die Kippen sind ein Paar, zu dem Sie einmal gehörten, eine Beziehung, die Sie einmal hatten. Stellen Sie sich vor, es handelt sich dabei um Ihre erste richtige Beziehung, die mit der großen Liebe, die, die Sie in der Zwischenzeit so verklärt haben und sich wenigstens immer dann ins Gedächtnis rufen, wenn es mal wieder scheiße läuft in der aktuellen Beziehung, wenn Sie von Ihrem Partner mal wieder gezeigt bekommen, dass er eigentlich nicht der richtige ist und wenn Sie sich dann überlegen, dass mit der ersten, mit der wahren Liebe alles besser war und es eigentlich immer nur im gesamten Leben darum gehen müsste, diese eine Liebe zurück zu gewinnen, den Fehler der Trennung wieder gut zu machen, das Leben zu führen, das sie eigentlich hätten führen können, wenn sie damals nicht diesen Fehler gemacht hätten, der zum Auseinanderbrechen der Beziehung führte, dieser Fehler, den sie gerne rückgängig machen würden.

Stellen Sie sich das, diesen einfachen kleinen Gedanken, nur einmal vor, und sagen Sie mir dann, dass Sie diesen Fehler noch einmal wiederholen wollen, dass Sie noch einmal eine Trennung hinnehmen, noch einmal denselben Fehler machen wollen, wie damals. Stellen Sie sich das vor und sagen Sie mir dann ruhigen Gewissens, dass Sie das können, dass Sie das wollen und die Kippen, die ja nicht nur Symbol sind, die ja vielmehr Abbild Ihres Versagens und allen Unglücks in Ihrem Leben sind, dass Sie diese Kippen noch auseinander legen, lose und ungeordnet, wie Sie es heute ja sind, in den Ascher werfen wollen. Dass Sie diesem Abbild Ihrer selbst, dieselbe Trennlinie zuführen wollen, den Fehler, den Sie einmal gemacht haben, jetzt hundert-, nein tausendfach, so viel rauchen Sie ja, tausendfach, diesen Fehler wiederholen wollen und auch noch die Asche lose verstreuen wollen, einfach so, in den Aschenbecher hinein, weg von den beiden Kippen, die ja die Eltern der Asche sind. Sie könnte doch Ihre Kinder sein, die Asche, stellen Sie sich das vor und sagen Sie mir, dass Sie das wirklich alles auf einen Tick reduzieren wollen, sagen Sie es, dass Sie so naiv sind; das ist doch wirklich niemand.

(für Samuel)

 

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Wie es Dir geht

Es ist schade, so geht es mir in letzter Zeit oft durch den Kopf, es ist schade, dass wir uns nicht mehr schreiben, uns dabei, keinen Kontakt mehr aufzunehmen, zeigen, dass wir kein Interesse mehr aneinander haben. Es ist schade, das zu sehen und dabei im Hinterkopf zu haben, wie sehr wir uns für einander interessiert haben, wie liebevoll wir miteinander umgegangen sind, wie wir, eingeschüchtert von uns selbst und von anderem Mist, Mist gebaut haben und damit doch immer bewiesen haben: Dass wir uns wichtig sind.

Vor diesem Hintergrund ist das schade, das Wort trifft es am besten, dass wir vorgeben, uns nicht mehr wahrzunehmen und das ist schade, obwohl es ja die besten Gründe dafür gibt, so zu handeln, besser: auf unsere Weise nicht zu handeln, eben so, wie wir es tun: Nichtstun. Es ist mal wieder, das Gefühl hatte ich schon mal, als würden wir etwas wegwerfen, jetzt, da wir so handeln und unterlassen und es ist natürlich wie beim letzten Mal auch, nicht ganz klar, was das ist, das wir da wegwerfen. Immerhin, es gibt Ideen davon, was es ist, und diese Ideen, die haben gar nicht mehr zwanghaft etwas mit der großen Liebe zu tun, es genügt ja schon eine Freundschaft wegzuwerfen zu jemandem, zu dem man, wie man sagt, einen Draht hat, mit dem man, wie man sagt, dieselbe Wellenlänge hat, eine Freundschaft zu so jemandem wegzuwerfen, in dem man sie nicht mehr unterhält, das ist ja schade genug, genügt also, um schade gefunden zu werden. Oder so. Und das ist auch deshalb schade, weil es mir vorkommt, als wollten wir das beide nicht.

Wie können denn zwei, die den Draht zwischen sich und die Wellenlänge entdeckt haben, sich nicht mehr füreinander interessieren. Das können ja nur Gründe sein, die keine wichtigen sind gemessen an dem Verlust, den sie bereiten. Und das kann kein Wille sein, der so etwas verlangt. Denn ein Wille verlangt doch nicht, was man nicht wollen kann. Ich würde gerne wissen, wie es Dir geht, würde Dich das gerne fragen und zwar so, wie es gemeint ist, ohne, dass die Frage cool klingt, in dem sie besonders knapp und unmittelbar formuliert wird, ohne dass sie besonders säuselig klingt, in dem sie auf alte Zeiten rekurriert, einfach so, wie es gemeint ist, würde ich Dich gerne fragen, wie es Dir geht und: eine Antwort bekommen, die von Dir erzählt.

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Ein Kommentar

Ich bin Wachmann in einem Elektronikpark und ich habe nichts gegen die Nachtschicht. Ich habe in Moskau Physik studiert und war im Anschluss daran Assistent an der Humboldt Universität zu Berlin. Als die Mauer fiel, konnte ich meine Stelle nicht behalten. Ich habe sie nicht verloren, wie viele das nennen. Ich sage es gerade raus. Ich konnte sie nicht behalten. Denn im öffentlichen Dienst, also in diesem, in ihrem öffentlichen Dienst, wollten sie Menschen wie uns nicht behalten. Menschen, die mal in einem anderen öffentlichen Dienst Dinge machten, die jedes Land der Welt in seinem öffentlichen Dienst nur eine bestimmte Auswahl an Menschen machen lässt, die wollten sie nicht behalten. Für ihre eigene Auswahl an solchen Menschen zieht die BRD an der Chausseestraße in Berlin gerade Deutschlands größte Baustelle auf. Das wäre was gewesen. Aber sei es drum. Als es für uns keine Verwendung mehr gab, da sind wir sozusagen alle in die Privatwirtschaft emigriert. Aber ich will mich gar nicht beschweren. Ich habe heute mehr als früher möglich gewesen wäre und ich sage Ihnen eines: Wäre es andersrum gekommen, hätten wir damals Sie übernommen, dann hätten wir es doch genauso gemacht. Da bin ich übrigens nicht der einzige, der so was denkt. Aber warum sage ich das. Das traut uns ohnehin keiner zu. Das Denken, meine ich.

Wissen Sie, komisch ist, dass sich keiner unter den jungen Leuten heutzutage fragt, warum da diese ganzen alten Opas auf Baustellen Wache schieben oder in Garderoben mit den Abzeichen privater Sicherheitsdienste am Arm Jacken entgegennehmen oder unter einem lächerlichen Barett in den S-Bahnen Sicherheit simulieren. Man sieht sie doch, diese überlegenen und nur selten vollständig resignierten Blicke dieser Opas. Und man hört sie doch, diese strukturierten Sätze mit Fremdwörtern, die diese Opas sagen. Einer der Dinge tut, für die man nichts gelernt haben muss, warum kann der antworten, als hätte er etwas gelernt? Das fragt aber keiner. Und keinen interessiert mehr der Grund. – Gut, vielleicht würde ich mir diese Frage auch nicht stellen. Für eine Frage braucht man ja einen Zweifel und wo soll der Zweifel herkommen, heutzutage, wenn man nichts weiß und die wissen ja heutzutage alle nichts mehr. Noch ein paar Jahre, dann wissen alle eins:

Nach den Nazis gab es im Osten Deutschlands für ein paar Jahre noch mal so was Ähnliches aber am Ende wurde alles gut.

Wir werden dann alle nicht mehr da sein und korrigieren können wir dann auch nichts mehr, ach, als könnten wir das heute noch, sei es drum. Wenn der Mindestlohn durchgesetzt ist, wird alles endgültig gut sein. Solange schlag ich mir Tag für Tag die Nacht um die Ohren, Zwölfstundenschicht, und am Wochenende fahr ich raus, wir haben da einen Garten im Norden von Pankow, ein bisschen außerhalb. Vielleicht nur das: Wenn Sie vielleicht kommentieren könnten? Ich habe jetzt einen Facebook-Account und bei Twitter bin ich auch aber dieser Blog, das ist sozusagen das, was meiner Stimme einen Laut gibt, dachte ich, als ich neulich begann. Aber gibt es denn überhaupt einen Laut, wenn keiner da ist, der ihn hört? In der Nachtschicht gestern hat sich Lisa Simpson diese Frage gestellt und seit dem lässt mich die Frage nicht mehr los. Anfang nächsten Jahres soll die Lohnuntergrenze bei 7,50 Euro liegen. Soll ich solange noch umsonst hier sitzen? Schreibt man überhaupt, wenn keiner liest? Helfen Sie mir doch beim Schreiben. Machen Sie doch bitte, dass ich da bin. Wieder da. Nach über zwanzig Jahren zurück.

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Kotze mag doch auch keiner

Ich habe doch so große Probleme mit dem Endzustand von Kunst. Denn das ist der, der mich am wenigsten interessiert. Ich finde nichts, was mich in einer Galerie interessiert, wenn da nichts passiert. Und die Bilder und Figuren, die tun ja nichts. Deshalb wurde ich erst kürzlich für einen Kunstbanausen gehalten, von einem, der sich auskannte, denn der hatte Kunst studiert und trug Lederschuhe. Der wusste Dies und mit Nachdruck dann auch noch Das über das Foto zu sagen, das da vor uns hing und ich fands so, wie man Dinge findet, wenn man die Schultern hochzieht und die Lippen zusammen und Luft hindurch presst. Dass man so einem wie mir auch keinen Vorwurf machen könnte, sagte er dann und führte als Beweis einen langen Blick auf meine Air Max an. – In der Galerie, da gibt’s keine gelben Schlieren an den Fingern und da gibt’s kein Schwindelgefühl von der Verdünnung, da gibt’s keine Bleichflecken auf dem T-Shirt vom Entwickler und keine Brandblasen von zu heißen Ausleuchtlampen. Es gibt keine Schnitte im Finger vom Schneiden durch das Papier und es gibt keine Berührungen der Ellenbogen und Hüften im Rotlicht, während das Foto nach und nach und oft dann zu schnell kommt. – Man kann den Endzustand von Kunst in der Galerie vielleicht nur mögen, wenn man nicht weiß, was alles vor ihm lag, wenn man nicht weiß, dass der Endzustand von Kunst in der Galerie gerade einmal Abfallprodukt ist von Nachmittagen, an denen die Sonne durch das Fenster auf die Leinwand scheint und man die Linie, die die Sonne auf der Leinwand zieht, mit einem Pinsel nachzuziehen versucht, um auch am Abend noch zu sehen, wo die Sonne mal war oder Abfallprodukt von Nächten, in denen sich Eiskristalle auf dem Skizzenblock bilden, mit dem man das Fenster abdichtet oder Abfallprodukt von Lieben, die einen um den Verstand gebracht hätten, wenn sie nicht auf ein Papier gekotzt worden wären. Kotze, Kotze mag doch auch keiner. Ich habe ein Problem mit dem Endzustand von Kunst.

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Mit der Ringbahn unter der Seine hoch nach Istanbul rein

Als ich vorhin ganz und gar fertig war, als ich mich sogar in die Ringbahn setzte, und nicht mehr mit dem Fahrrad weiter fuhr, als ich geblendet vom Sonnenlicht im Fahrradabteil fast einschlief und gerade so noch meine Augen aufhielt, da schärften sich plötzlich meine Sinne und ich roch die Bremsen, spürte die Federn in den Füßen und den Wind der durch die offenen Fenster nach innen blies, hörte das Rattern beim Fahren über die Weichen, nahm also alles ganz und gar wahr, als ich ganz und gar fertig war, nahm alles wahr, so wie, wenn man im Ausland ist, wenn man etwa in Paris zum ersten Mal mit der U-Bahn unter der Seine hoch kommt oder wenn man eine Stunde lang durch die Vororte nach Istanbul rein fährt oder wenn man vor Porto über eine Brücke tuckert, so hab ich die Bahn gehört, gerochen, gespürt, in der Sonne, als ich vorhin gerade so noch meine Augen aufhielt.­

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