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Soziale Netzwerke: nur noch ein Ich; nicht mehr viele

Das Credo sei Du selbst, das in der analogen Welt schon schwer zu verwirklichen war, sieht sich im Internet herausgefordert.

Weil alle alles gleichzeitig von einem Menschen mitbekommen, ist der Mensch in dem, was er sendet, beschränkt. Denn er kann nur noch die Schnittmenge dessen senden, was allen verträglich ist. Dieses neue, vereinheitlichte Selbst ist deshalb zwangsläufig ein anderes, als das alte: Während das Selbst-Sein einmal bedeutete, hier so und da so zu sein, macht es die Beschränkung der Technik heute nötig, überall gleich zu sein. Sie macht es nötig, das Selbst auf ein einziges zu beschränken und ihm seine Zerklüftung zu nehmen. Das Selbst zu formen, je nach dem, wer vor einem steht, das war Wesensmerkmal von Kommunikation. Aber das ist es nicht mehr, seit der Mensch den physisch vorhandenen Raum zum Interagieren verlassen hat und in die virtuell genannte Realität überwechselte. Damit geht das Wichtigste am Selbst-Sein verloren: Das Anpassen ans fremde Umfeld, das Nicht-Selbst-Sein.

2 Kommentare

  1. snow_in_june snow_in_june

    Lieber Christoph,
    meiner Auffassung nach wirfst du das Internet, die vituelle Welt und soziale Netzwerke unzulässig in einen Topf. Genau so wie in der realen Welt gibt es auch im Internet ein Selbst, welches der Allgemeinheit zugänglich ist und dementsprechend angepasst wird, und ein Selbst, welches in privaten Beziehungen agiert.
    Wie bei Facebook achte ich zum Beispiel auch in meinem beruflichen Umfeld darauf, nur allgemeinverträgliche Informationen preiszugeben, ich schleife quasi auch in meinem beruflichen Umfeld meine Ecken und Kanten ab, meine Besonderheiten.
    Das Internet, die virtuelle Welt bietet aber genau so wie die reale Welt auch die Möglichkeit, mit einzelnen, ausgesuchten Menschen in Kontakt zu treten. Während ich mich in der realen Welt mit einem Freund zum Gespräch treffen kann, kann ich dies in der virtuellen Welt z.B. über Chatrooms, Mails und so weiter.
    Lieber Christoph, dein Text schaut skeptisch auf die virtuelle Welt, er stellt sie als mangelhaft gegenüber der realen Welt dar. Ich glaube man wird der Sache eher gerecht, wenn man die virtuelle Welt als etwas anderes ansieht, welches sich einem Vergleich mit der realen Welt im Sinne eines besser/schlecht oder mehr/weniger entzieht.

  2. Christoph Knappe Christoph Knappe

    Um Himmelswillen: keinen Mangel gegenüber der realen Welt stellt das dar; es ist nur anders, genau wie von Dir kommentiert. Und deshalb durchaus auch nicht ein Topf, sondern zwei.

    Dass Du im Beruf anders auftrittst, als privat, ist das, was ich als „hier so und da so zu sein“ anspreche. Das kann man, sage ich, offline gut. Und man kann es online innerhalb einer Plattform (!) nicht. Dass man sich auf verschiedenen Plattformen unterschiedlich darstellen kann, ist freilich unbenommen. Wenn man indes ein Profil auf einer Plattform als ein online-Ich begreift, das man gegen sein offline-Ich hält (wie oben zugrunde gelegt), dann kann man online, anders als offline, weniger zeigen, nämlich nur die Schnittmenge dessen, was allgemein verträglich ist. Herzliche Grüße

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