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Untitled (unbenannte New Yorkerin)

Seltsam ist ein Wort für faule Menschen, also für Menschen, die sich nicht die Mühe machen wollen, zu beschreiben, was sie meinen. Ich wills genauer sagen. Mich zumindest herantasten. Es fühlt sich also nicht seltsam an, ohne Dich. Ich fühle mich aber auch nicht haltlos: ohne Dich. Aber das liegt nicht daran, dass ich nicht mal weiß, wer Du bist. Und das ist auch nicht das, was die faulen Menschen seltsam sagen ließe. Ich habe das schon ein paar mal erlebt, Halt zu haben, zwei-, dreimal und deshalb weiß ich schon, dass es ihn gibt, diesen Halt. Gerade den von Dir. Und das ohne schon zu wissen, wer Du bist. Dass es Dich gibt, ist doch klar, denn sonst könnte ich Dich ja nicht finden.

Ich will an die Ecke mit dem Haus mit der Spitze seit ich sie kenne. Treffen wir uns da? Heut in einem Jahr?

Das wird komisch für Dich sein.
Entschuldige.

Komisch ist auch ein Wort für faule Menschen. Und das bist Du nicht. Jedenfalls nicht denkfaul; nicht dass Du denkst, dass ich das sagen wollte. Ich will mich auch an dieses Gefühl, also das, was Du dann haben wirst, heranzutasten versuchen. Das Gefühl da an der Ecke, wenn wir uns zum ersten Mal sehen und ich Dir noch im Laufe des Tages sage, dass ich Dich vermisst habe. Wir werden drüber lachen.

Denn Du bist cool.

Und ich werds begreifen, werde mich meiner selbst mit einem Blick versichern, wenn ich mich sehe, in deinem Spiegel. Der Spiegel, vor dem Du stehst, wenn wir zum ersten Mal innehalten, uns zum ersten Mal umarmen, gleich nach dem Reinkommen durch Deine Wohnungstür. Ich werde das mit einem Blick auf mich begreifen, dass Du cool bist, gleich nachdem wir festgestellt haben werden, dass wir zum ersten Mal jemanden gefunden haben, der Verliebtsein am Anfang und Liebe im Laufe der Zeit auch nicht für zwei verschiedene Dinge hält. Obwohl das doppelt schwer sein wird in deiner Sprache, die dafür nur ein Wort kennt, kriegen wir das in einem Satz hin. Denn es ist klar, dass wir auch in dieser Angelegenheit dasselbe denken.

Aufgeregt, ja, das bin ich. Oder nein. Vorfreude trifft es besser. Denn die schließt meine Gewissheit ein. Sie ist das, was andere seltsam nennen würden.

Jetzt muss ich nur noch diese Zeit überbrücken. Und mir etwas einfallen lassen für die Kinder. Unsere Kinder, stell Dir vor, was die denken werden, wenn sie von diesem Gedanken erfahren. Wenn sie lesen, dass ihr Vater eine Frau, die er noch gar nicht kannte, dazu aufgefordert hat, an sie zu denken, obwohl sie noch nicht einmal da, noch nicht einmal auf der Welt waren und obwohl sie damit ja noch ein Schritt weiter weg von ihm, dem Vater, noch einen Schritt weiter weg von mir waren, als ihre Mutter, als Du es von mir bist, Du, die ich ein paar Zeilen weiter oben schon ansprach, Du, von der ich längst wusste im Zusammenhang mit dieser Ecke. Was werden sie denken und wie werden wir reagieren, wenn sie fragend gucken? Wir sind nicht faul, also lass uns eine Antwort finden. Was ist mit dieser: Es war eben nur dieser eine Schritt, den ihr damals weiter weg wart, als eure Mutter. Eure Geburt. Wie wollt ihr eure Geburt denn diesem Gedanken entgegen halten. Was ist denn gewisser? Und jetzt ab ins Bett.
Und Du: Bis gleich. Los komm nach nebenan.

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