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Zwischenzeit

Mit wem habe ich heute Nacht eigentlich geschlafen? Ich habe mich wohl gefühlt, denn wir waren bei mir und ich war auch bald nicht mehr angespannt, als ich merkte, dass ich Dir genügte und ich fing ganz von allein und ohne Steuerung an, auf mich zu achten, als ich nämlich merkte, dass Dir das gefällt. Und ich überließ Dich erst uns beiden und vergaß dann schließlich ganz und gar, mich um Dich zu kümmern.

Ich fühlte mich sicher. Denn mein Bauch war flach.

Dann kribbelte es mal in meinen Fingern und mal in den Nippeln und ein Druck begann sich in mir anzustauen, wie ich ihn lange nicht mehr gespürt hatte. Ein Druck, der mich nämlich zugleich versicherte, dass er diesmal nicht bleiben oder sich schleichend verflüchtigen, sondern dass er sich sehr bald in einen Knall entladen würde. Und als ich meine Augen öffnete, da sah ich mich in dem Spiegel, der an der noch offenen Tür des Kleiderschranks in Richtung Bett meinen Blick so deutlich auf mich freigab, dass ich mir fast selbst unterstellen wollte, ich hätte mit Absicht vergessen, den Schrank zuzumachen. Ich gefiel mir. Obenauf, mit roten Wangen. Und dem sicheren Wissen, Muskelkater zu bekommen. Das sah elegant aus, wie ich mich bewegte, dafür war ich langsam genug, und es sah etwas verrucht aus, als ich anfing das Tempo zu erhöhen. Und ich fand es geil, wie plötzlich der Schweiß aus meinem Gesicht von mir herunter tropfte und wie er von meinem Rücken aus abwärts zwischen meinen Pobacken kitzelte. Und ich fand es umso geiler, als sich immer mehr Haut unter meinen Fingernägeln sammelte. Dann sah ich meine Arme noch zittern und vergaß zugleich den Schmerz. Und dann alles andere.

Irgendwann fielst Du mir noch mal ein und als mein Atmen wieder leiser wurde, da sah ich auch, dass Du da bist. Irgendwann kam ich wieder auf Dich und, keine Sorge, ich hab Dich seit dem auch nicht mehr vergessen. Aber, sorry, wo warst Du in der Zwischenzeit?

 

(Anmerkung: Sex ist ab einem bestimmten Punkt keineswegs mehr der Moment der Vereinigung, für den er gehalten wird, sondern der Moment der größten Distanz. Umso näher ist man dann indes sich selbst. Zur Konkretisierung dieses [ausgelatschten] Gedankens: Badiou, Lob der Liebe, 2011, Wien, S. 25 ff.)

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