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Veröffentlichungen

Update: Mai 2016

Jura

  • Robo Advisor – Anforderungen an die digitale Kapitalanlage und Vermögensverwaltung, WM Zeitschrift für Wirtschafts- und Bankrecht 2016 (gemeinsam mit Robert Oppenheim, im Erscheinen)
  • Digitaler Nachlass, zugleich Anmerkung zu LG Berlin, Urteil vom 17. Dezember 2015, 20 O 172/15, Berliner Anwaltsblatt 2016, Heft 1-2, S. 22-24 (gemeinsam mit Claudia Schulze)
  • Kapitel Crowdfinanzierung, E-Commerce, Mobile Payment, Datenschutz in: AHK Brasilien (Hrsg.), Assim se faz Start-ups na Alemanha, 1. Aufl. 2015
  • Bankgeheimnis und effektiver Schutz von IP-Rechten, Deutscher AnwaltSpiegel 19/2015 (gemeinsam mit Christoph Jacobs)
  • Makler und Verbraucher im Internet, NJW 2015, S. 193 – 197 (gemeinsam mit Martin Werneburg)
  • Kleinanlegerschutz und Crowdinvestments, Venture Capital Magazin, Dezember 2014, S. 38
  • Datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit in sozialen Netzwerken, ITRB 2014, S. 278 – 281 (gemeinsam mit David Krebs)
  • Treu und Glauben und Effizienz – Das Effizienzprinzip als Mittel zur Konkretisierung zivilrechtlicher Generalklauseln, Duncker & Humblot, Berlin 2013, 247 Seiten
  • Impressumspflichten in sozialen Netzwerken, ZJS 2013, S. 141 – 147
  • Zur effizienzorientierten Kontrolle von AGB nach § 307 Abs. 1 S. 1 BGB, Kreutz/Renftle/Faber u.a. (Hrsg.), Realitäten des Zivilrechts – Grenzen des Zivilrechts, Jahrbuch Junger Zivilrechtswissenschaftler, Boorberg, 2012, S. 51 – 68
  • Cloud Computing und Recht, AnwBl. 2012, S. 646 (gemeinsam mit Markus Timm)

Sonstige

Prosa

  • Narcos – Netflix, Erzählung; 1. Platz Lesebühne Berlin, Februar 2016
  • Eine halbe Nummer, Erzählung; 1. Platz Lesebühne Berlin, November 2015
  • Zack zack, Erzählung; 1. Platz Lesebühne Berlin, Juni 2015
  • Zum Tode von, Erzählung; 1. Platz Lesebühne Berlin, März 2015
  • Tina, Kurzgeschichte; 1. Platz Lesebühne Berlin, August 2014
  • Karambolage, Erzählung; Literaturzeitschrift Haller, Ausgabe 10, Mai 2014, S. 70 – 78
  • Meine Freundin die Fliege, Kurzgeschichte; 1. Platz Lesebühne Berlin, August 2013
  • Kurzstrecke, Erzählung; szenisch gelesen von Ensemblemitgliedern am Theater Bielefeld, März 2012

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Kausalitäten III

Wenn man zum Mond will, muss man von zehn rückwärts zählen. Man kann nicht ewig in der Kita bleiben, man ist doch keine Erzieherin. Bonding hält den Blutzuckerspiegel normal. Auf Nachfrage: den des Kindes, nicht den der Mutter. Und alle so: schwör?

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Kausalitäten I

Kausalitäten II

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Narcos – Netflix

Es war an einem Morgen. Ich weiß nicht mehr genau wann. Ich wollte eigentlich nur eine Folge zum Frühstück gucken. Alle sprachen davon. Nachdem ich das Frühstück gegessen hatte, blieb ich sitzen. Die ersten zwei, drei Folgen, vielleicht waren es auch fünf, waren eigentlich langweilig. Ich war jedes Mal kurz davor aufzuhören. Ich verstand nicht, was alle daran fanden. Irgendwann am Nachmittag ließ der Mittagshunger nach. Ich hatte nicht vergessen, dass ich eigentlich den Tag nutzen, dieses Buch lesen wollte. Aber das kam mir so unwichtig vor, wenn ich anstelle dessen doch die Hintergründe des Drogenkrieges um Pablo Escobar verstehen konnte.

Am Ende jeder Folge gab mir Netflix automatisch die nächste. Ich begriff, dass die Untertitel, wenn die Schauspieler Spanisch sprachen, nur dazu dienten, meinen Blick geradeaus zu zwingen, mich nicht abschalten zu lassen, gedanklich, kein Blick links oder rechts. Aber es war mir egal. Nur weil Dich einer verarscht, bedeutet das doch nicht, dass Du sein Zeug automatisch nicht mehr wollen darfst. Ist doch nichts dabei. Wenn man das selbst entscheidet.
Als es draußen dunkel wurde, fühlte sich mein Bauch flach an. Ein bißchen Abnehmen schadet nicht, dachte ich. Und dann waren die Folgen alle, die Staffel vorbei, nichts mehr übrig. Ich durchsuchte das Folgenarchiv, nichts, auf Wikipedia stand, dass es nur eine Staffel gibt. Das war definitiv. Der Fernseher blieb schwarz.
„Akkustand niedrig – In Stromsparmodus wechseln?“, meine Hand zitterte. Unterzuckerung. Das Handy ging aus, als ich gerade einen der pinkfarbenen Foodora-Fahrer auf den Weg zu mir schicken wollte. Alles schwarz. Ich schlief. Alles schwarz.
Heute würde ich so etwas nicht mehr machen. Aber wenn mich einer fragt, sage ich, dass es eine Zeit gab, in der das halt so war. Wir haben viel ausprobiert. Und ich bin dankbar für die Erfahrung.

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Der Text hat im Februar hier gewonnen (sagte jedenfalls Diether, ich konnte nämlich nicht kommen).

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Digitale Diskriminierung

Der Beitrag ist in leicht angepasster Form am 16. März 2016 auch bei SPIEGEL ONLINE erschienen.

Wer schließt die Lücke zwischen Algorithmus und Mensch? Wenn Entscheidungen nicht mehr von Menschen gefällt werden, sondern von Algorithmen, müssen für Algorithmen dieselben Maßstäbe gelten, wie für uns. Das geschieht aber nicht. Aufgrund einer Lücke im Recht: 

Jemanden zu diskriminieren bedeutet, ihn aufgrund seiner Eigenschaften zu benachteiligen. Dass Schwarze in den USA in Bussen hinten sitzen mussten, ist ein Beispiel für analoge Diskriminierung. Algorithmen, die Frauen Werbung für Jobs mit kleineren Gehältern ausspielen als Männern, stellen ein Beispiel für digitale Diskriminierung dar.

Ein wesentlicher Gedanke des deutschen Datenschutzes scheint der digitalen Diskriminierungen vorzubeugen: Der Grundsatz der Datensparsamkeit verlangt, die Verwendung von Daten über Personen so sehr wie möglich zu vermeiden. Dem im Zeitalter von Big Data anachronistisch wirkenden Ansatz liegt die Annahme zugrunde, dass weniger Daten mehr Schutz bedeuten. Das ist naheliegend. Wenn weniger Informationen über mich verfügbar sind, bin ich auch weniger angreifbar. Für den Algorithmus sind ohne Informationen alle Nutzer gleich. Er kann sie gleich behandeln.

Gleichbehandlung ist eine Kategorie der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit fordert aber nicht nur, Gleiches gleich zu behandeln. Für eine gerechte Entscheidung kann auch erforderlich sein, dass Ungleiches ungleich behandelt wird. Wenn sich ein potenzieller Kreditnehmer als Betrüger strafbar gemacht hat, wird die Entscheidung einer Bank, ihm einen Kredit nur gegen einen höheren Zins zu geben als anderen, kaum als ungerecht wahrgenommen werden. Anders ist es, wenn der gegenüber anderen höhere Zins mit der Herkunft begründet wird. Der Grund für die Ungleichbehandlung ist entscheidend. Es gibt Gründe, die wir akzeptieren (Betrug) und Gründe, für die das nicht gilt (Herkunft). Dabei kann umso stärker differenziert werden, je mehr Informationen vorliegen. Schutz vor unzulässiger Ungleichbehandlung setzt danach möglichst viele Informationen voraus. Ein Dilemma.

Quasi gottgleich autarke Technologie

Die Daten, die wir über uns preisgeben, sind aber nur eine Hälfte des Problems. Institutionalisierte Diskriminierung funktioniert seit je her, indem ohne Ansehung der Person auf der Grundlage ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe über sie entschieden wird. Unsere Kaufkraft wird ermittelt, indem von anderen, die uns ähneln, auf uns geschlossen wird. Wir werden unsere digital definierten Eigenschaften. Besondere Ängste rufen Schlüsse hervor, die aus der Kombination unserer Daten mit anderen Daten gezogen werden. Dabei geht es um die Verwendung von Informationen über uns, die wir gar nicht selbst bereitstellen, indem wir online ein T-Shirt von ACDC kaufen oder einem Pornostar auf Instagram folgen. Es geht um die sich aus der Kombination der Informationen über uns erschließenden Informationen. Das sind die Meta-Informationen, die wir nicht kennen und die wir nicht richtigstellen können. Ohne aufstehen und Aber sagen zu dürfen, wird das Urteil über uns anhand dieser Informationen ermittelt, beschlossen, verkündet und vollstreckt. Die automatisierte Entscheidung über einen Menschen ist seine Algorithmus gewordene Verdinglichung. Quasi gottgleich kann eine immer autarker werdende Technologie Entscheidungen über uns ausrechnen und uns damit den Dingen annähern. Das weckt Ängste vor Willkür auf einer bisher nicht gekannten Stufe.

Keine objektive Entscheidung durch Algorithmen

Dass Algorithmen objektiv entscheiden, ist dabei eine Mär. Weil sie von Menschen programmiert werden, spiegeln Algorithmen die in ihrem Programmierer angelegten Vorurteile. Code ist Werturteil. Algorithmen entscheiden zu lassen, ist zudem problematisch, weil sie durch Wiederholung menschlichen Verhaltens, das sogenannte „Lernen“, bereits vorhandene Diskriminierungen vertiefen. Niemand bei Google hat gesagt, dass die Suchbegriffe „Israel“ und „muss“ automatisch vervollständigt werden sollen mit „vernichtet“ und „werden“. Dennoch gibt die Suche exakt das vor, weil Nutzer häufig diese Begriffspaare miteinander kombinieren. Das Beispiel zeigt auch, wie weit die Gefahr der „blinden“ Diskriminierung durch Algorithmen reicht. Wenn Sie die Auto-Vervollständigung jetzt ausprobieren, perpetuieren sie die Diskriminierung, weil dem Algorithmus (anders als dem Leser dieses Textes) nicht klar ist, mit welchem Motiv die Begriffe eingegeben werden.

Datenschutz ist nicht zum Schutz von Daten da

Diese digitale Diskriminierung breitet sich aus einer Lücke heraus aus: Das Datenschutzrecht, das flächendeckend auf digitale Vorgänge angewendet wird, kennt kein allgemeines Diskriminierungsverbot. Das allgemeine Verbot der Diskriminierung, das sich im Gleichstellungsrecht findet, wird auf im Netz durch Algorithmen getroffene Entscheidungen dagegen kaum angewendet. Diese Lücke, also der Bereich der nicht sanktionierten Diskriminierung durch Algorithmen, kann aber nicht hingenommen werden. Im Angesicht des Umfangs, in dem Verantwortung mittlerweile auf digitale Entscheidungsträger übertragen wurde, ist die von Algorithmen getroffene Entscheidung exakt den Maßstäben zu unterwerfen, an denen von Menschen getroffene Entscheidungen gemessen werden.

Die überwiegend technische Kontrolle des Datenschutzes muss deshalb erweitert werden um eine Kontrolle der hinter den Algorithmen stehenden Wertungen. Ressourcenschonend ist das nicht. Das Gleichstellungsrecht zeigt aber, dass es möglich ist. Im Angesicht des Zwecks, den Datenschutz hat, muss ein höherer Aufwand hingenommen werden.

Datenschutz ist nicht zum Schutz von Daten da, sondern zum Schutz von Menschen.

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Das Bild zeigt das von Gerhard Richter verpixelte Südquerhausfenster des Kölner Doms.

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Ein guter Kontakt

Ja, ich habe auch keinen richtigen Bock auf ihn. Ich meine, wie er manchmal labert, so geschwollen und er hat jetzt das und das und er kennt den und den und wenn Du irgendwas sagst, dann ist das bei ihm auf jeden Fall krasser. Aber er ist halt ein guter Kontakt. Das ist was anderes. Und man muss auch immer sehen mit der Zukunft. Ich meine, Du weißt nie, wann man da mal anruft, weißt Du? Man sieht sich halt immer zweimal im Leben und da ist das halt gut, wenn das nicht das erste Mal ist. Verstehst Du? So kaltakquise-mäßig. Und nein, ich finde nicht, dass das richtig ist, dass man immer nur mit Freunden abhängen sollte. Also klar, er ist ein Spast. Aber wenn man immer nur macht, was man für richtig hält, dann weiß man am Ende auch nicht, wo man steht. Verstehst Du? Man muss sich doch irgendwie absichern. So networkmäßig. Also netzwerken. Aber jetzt auch nicht so im Sinne dieser Löcher im Netz, durch die die kleinen Dinge immer durchfallen, sondern so wie die Schnüre, Stärke durch Knoten oder sowas. Sowas schützt ja auch, wenn man mal auf der schiefen Bahn nicht so hundertprozent performt und dafür muss man eben auch mal in den saueren Apfel beißen. So im übertragenen Sinne. Ich meine, es geht doch nur darum, mal ein Bier mit ihm zu trinken. Das ist doch nicht so, dass man sich da gleich total verleugnet. Das finde ich ein bißchen zu heavy, wenn man das so sieht.

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Die Stadt, die langsam Schatten auf sich wirft

Ich kann Dinge unmittelbar. Ich kann mich auf ein Fensterbrett setzen mit einem Bier und einer Zigarette und dabei rausgucken, in den Himmel, wenn er orange, weiß, gelb, blau, grau changierend ist, ich komme nicht rein, gucke durch das Fenster und sage, ja, man müsste das viel öfter machen, man kriegt das gar nicht so mit, man müsste sich viel mehr Zeit nehmen, man verliert den Blick dafür. Ich mache das oft, ich kriege das mit, jedes Mal, ich habe die Zeit, denn alles andere außer Ich ist egal und ich habe den Blick, nicht changierend, sondern geradeaus aus dem Fenster heraus blicke ich in den Himmel zurück. Unter die Wolke, unter der noch eine kleine hängt, in die Sonne, deren Licht die Wolken vor ihr versengt, auf die Stadt, die langsam Schatten auf sich wirft. Herab. Einfach so. Ohne zu denken, man müsste mal.

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Auf Keinsten

Maximal zwei Finger breit ist das am hinteren Ende und nach vorne hin wird es immer dünner, spitzer sozusagen, und ist dann ganz vorn so richtig spitz. Und so als Dreieck aus dem Laib heraus legen die das Stück Käse in die Folie und schweißen das dicht. Und so kommt es dann ab in die Theke und ich frag mich, wieso. Das ganze Internet spricht von user experience aber die Käseindustrie sagt einfach ne, auf keinsten. Deutschland erhebe Dich, will man rufen wie es neulich bei der Maut, beim Mindestlohn und bei der Rundfunkgebühr gerufen wurde, ob dafür oder dagegen, das weiß ich jetzt nicht mehr so genau aber das ist auch egal, denn die Kernfrage lautet: Wie soll man von diesem Dreieck eine Scheibe abkriegen? Mein Denken ist scheibenmäßig, also Käse betreffend, Brötchen, Butter, was drauf. Ende der Durchsage. Aber wie soll ich denn von diesem Dreieck eine Scheibe abkriegen. Man nennt das Salami-Taktik, sie machen uns nach und nach mürbe aber die da oben backen keine kleinen Brötchen, nein, mal sehen, was sie als nächstes zusammenwürfeln, Feta-Käse statt Drachme, Sie sagen es, Herr Kommissar, aber auch in Bayern trinkt man jetzt Bier nicht mehr aus blauen Kisten, sondern Sternburg, die innerdeutsche Warenverkehrsfreiheit machts möglich. Prost. Mahlzeit. It’s cosmic, ruft Ötti der Elefant aus dem Ötztal über die verschneite Grenze und das ist nicht das erste Mal.

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Urlaubssoziologie (mega meta)

Man geht dann zu so einem Bäcker und bestellt sich so ein kleines süßes Teil, das sucht man sich aus so einer Auslage aus und dazu einen Espresso. Wobei man in Italien dazu ja caffé sagt. So essen die dort Frühstück. Und man gewöhnt sich daran und man ist dann auch wirklich bis zum Mittag satt. Und dann versteht man das auch, dieses Quirlige der Italiener. Wenn man nicht gleich am Morgen so schwer isst, wie wir Deutschen, dann ist das natürlich klar.

In Lissabon dagegen nennen sie den Espresso Bica. Es gibt kleine Shops, in denen es nur das gibt. Sie trinken den dort ganztags, also etwa wenn sie mit einer Sache fertig sind oder zwischen zwei Sachen, etwa im Einkaufszentrum auf dem Weg von einem Sportgeschäft in ein Elektronikgeschäft. Wenn man so viel Kaffee trinkt, schläft man natürlich schlechter und dann erklären sich natürlich auch die Tränensäcke, die den Portugiesen dann abends in dem Fischrestaurant immer traurig aussehen lassen, wenn er Fado hört.

Der Deutsche neigt nach seinem Urlaub gerne zum Schluss von seinem Eindruck auf das große Ganze. Nicht selten gleicht das einer soziologischen Studie. Dass er auch die Zeit hat, kausale Zusammenhänge zwischen seinen Beobachtungen und den Eigenschaften des jeweiligen Volkes herzustellen, liegt sicher daran, dass es in Deutschland viel kälter ist als in dem Urlaubsland und daran, dass der Deutsche dann auch wieder viel mehr drinnen ist.

Oh stopp. Das ist doch … whow mega meta. Aber egal. Philosophie ist dieses Jahrhundert ja eh Sache der Franzosen.

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Aufsteigende Scham im Bart

Ich hatte gewissermaßen unsystematisch abgebissen. Das heißt, also ich hatte zwar schon ein System. Meine Bisse waren immer gleich groß. Aber ich habe mich eben irgendwie verschätzt was die Gesamtgröße des McRib angeht und deshalb war das Stück, das nach dem vorletzten Bissen noch in meiner Hand war, größer, als die Bisse davor – aber auch jetzt nicht doppelt so groß, also so groß wie zwei Bisse, sodass man einfach wieder hätte teilen können, sondern so dazwischen. Und ich dachte, also bevor ich ein Risiko eingehe und das in die Hose geht mit der Soße, wenn die da so raus tropft aus dem letzten Bißchen, das dann ja nur noch in meiner Hand übergeblieben wäre, also bevor das in die Hose geht mit der Soße und ich dann mit dem Zitronentuch so mega-unsouverän zwischen den Fingern rumrubbeln muss, dachte ich, mache ich lieber Klarschiff und nehme alles auf einmal in den Mund. Wenn man mehr im Mund hat, schmeckt man ja auch besser. Und es ist ohnehin ja auch immer ganz schön, wenn man dann später noch was von diesem Geschmack hat. Da stecken ja auch Designer dahinter, hinter diesem Geschmack, Geschmacksdesigner und das ist ja nicht per se schlecht, nur weil das McDonalds ist, also das fände ich zu pauschal. Also ich dachte jedenfalls, ich mach klar Schiff mit diesem etwas zu großen Stück, sauber rein und weg naja und dann ist diese Sache passiert. Sie schaute schnell weg. So als wollte sie die Scham, die augenblicklich aus meinem Bart heraus in mir aufstieg, noch verhindern. Meine Wangen wurden rot von dem Zitronentuch und das hielt eine Weile an. Ob sie das nächste Mal wieder mit zu I love Engtanz kommt, konnte sie noch nicht sagen. Dann kam ihr Taxi zufällig vorbei. Auf jeden Fall hat sie gewunken. Sag ich mal so.

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Über-Schönheit

Sie war so schön, dass man ihre Schönheit nicht unbefangen genießen konnte, sondern angestrengt Makel suchte, Mitleid in sich zu erzwingen versuchte, weil das doch schlimm sein muss, wenn andere immer nur auf das Äußere achten, Neid in sich aufkommen spürte, weil die sich ja alles erlauben kann und auf niemanden Rücksicht nehmen muss, an ihrem gleichgültigen Blick kann man es doch sehen, der ist der Beweis dafür, schön, ja, aber in Wahrheit doch nur die Fassade vor innerer Hässlichkeit. So steht man dann da. Und staunt. Über sich und die Mechanismen des Schutzes, die sich einrichten, von alleine in einem, wenn man sich verteidigen will gegen das, was nicht aufkommen soll. Und Du nimmst die Arme hoch, in Abwehrhaltung. Aber da hats schon Peng gemacht und gekracht, wie bei einem Profikiller, zwei Schuss, einer in Deinen Kopf, einer in Deine Brust.

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Das Fenster stand auf Kipp und das Handy auf laut

Die Tagung begann am nächsten Morgen kurz after eight: Das aktuell stärkste Oxymoron sei Minzschokolade. Ich war so ummm. Während Schokolade Dich noch warm wie eine selbstgestrickte Decke einhüllt, begrifflich und assoziativ, bläst Dir Minze durch die Maschen doch kühlen Wind auf die Haut wie Thymian-Mirte-Balsam bei Erkältung. Dann schließt Du das Fenster über der Prenzlauer Allee. Es stand auf Kipp und das Handy auf laut. Jetzt ist Windstille. Aber wie gesagt.

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Wenn ich in Tunesien Asyl beantrage, gibt mir auch keiner ein Hotelzimmer

Sie schaute schnell weg. So als wollte sie die Scham, die augenblicklich in mir aufstieg, noch verhindern. Ich wischte mir die Knoblauchsoße aus dem Bart. Cuvée heißt Mischung auf kultiviert, dachte ich über das, was ihre Freundin zu ihr sagte, und nahm mir noch eine Serviette.

Ich hielt an zwei Motels in dieser Nacht und erinnere mich nur an das, in dem ich abgelehnt wurde. Wenn ich in Tunesien Asyl beantrage, gibt mir auch keiner ein Hotelzimmer, sagte der von sich selbst sogenannte Portier noch und irgendwas anderes, das auch Teil der Entschuldigung war.

Konfekt hat nichts mit Konfektionsgröße zu tun, also genauso wenig, wie der Schokofleck auf der Bluse mit dem Sofa zu tun hat. Hätte der Fleck was mit dem Sofa zu tun, wäre er nicht auf der Bluse, sondern am Po. DAS GEHT ALSO GAR NICHT! Dieser hier, sehen Sie hin, rief Miss Marple und wies in ihren Ausschnitt, ist Ausfluss eines heruntergefallenen Schokospuckefadens.

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5 Gründe, warum das Lesen von Literatur-Blogs zu besseren Orgasmen führt

Sorry. Es ging nur darum, die These zu verifizieren, dass „5-Gründe-warum-Überschriften“ zu mehr Klicks führen.

Falls Du sauer bist, klick fünf mal auf den pinkfarbenen „Random Post anzeigen“-Button. Das Gefühl danach ist dann immerhin so diffus-internet-was-wollte-ich-eigentlich-gerade-mäßig-okay.

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Code

„Schatz, ich muss nur kurz ins Bad.“
„Mit oder ohne Radio?“
„Mit.“
„Oh. Ok. Kann ich kurz vorher? Ich muss nur ohne.“

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Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für den Preis

Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für den Preis. Astrein, rief Andi. Räum Deine Plünnen da weg, schmipfte Susanne. Was ist das für eine Menkenke, fasste Oma zusammen und schlug die Hände über dem Kopf wieder auseinander. Die Upside steht nicht für die Downside. Schwimmbad vollständig ausgebrannt stand auf dem Titelblatt und alle schwiegen. Früher, das war die Zeit, als sich die Frauen das Parfüm noch mit dem Finger hinter das Ohr schmierten. Bogdan versuchte, seine Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. Sch‘ leg mein Eid ab. Sollen wir das als Geständnis werten, fuhr der Späti-Verkäufer dazwischen. Wer den Memory-Effekt als Argument benutzt, ist mindestens 30.

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Magen-Darm oder Die Tage des Mannes

Rot ist abhängig von Wolken. Jedenfalls den Sonnenuntergang betreffend. Ich werde eine Verteilersteckdose erfinden, bei der der Schalter nicht an dem Ende ist, an dem das Kabel reinkommt. Es gibt Wechsel, auf die kann man sich verlassen. So wie den der über dem Apothekenschaufenster wachenden Thermometeranzeige mit der Uhranzeige. Ist Überwachung eigentlich schlecht? Das ist eine Ja-Nein-Frage aber keiner beantwortet sie mit Ja oder Nein. Literatur ist die Möglichkeit, Sprachlosigkeit loszuwerden. Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für diesen Preis. Was die Hamburger an Effizienzgewinnen gutmachen, indem sie „sich“ nicht mehr „an“ etwas erinnern, sondern nur noch etwas erinnern, das schmeißen sie im hohen Bogen zum Fenster wieder raus, wenn sie mit „da nicht für“ Verwirrung stiften, anstatt einfach „Bitte“ zu sagen.

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Wir waren in den Wolken und darüber

Der Bauer wurde uns beschrieben als Mann mit lila Lada und einem Ohrring mit Dreieck drin. Aber das wäre nicht nötig gewesen, denn er war der einzige, der am Bahnhof stand. Der Bahnhof lag in der Mitte eines Tals im Glarus. Glarus ist eines der drei Kantone der Schweiz, die die schweizerische Tourismusbehörde in dem dicken Band über die Must-Sees der Schweiz unerwähnt lies. Die Strommasten mussten vor ein paar Jahren im Tal abgebaut und in den Hang zwischen die engen Serpentinen gestellt werden. Wegen des Elektrosmoks. Der Bauer fuhr uns den Berg hoch bis zu dem Ort, ab dem man nur noch laufen konnte. Das Handy hatte schon weiter unten keinen Empfang mehr. Wie ruft man einen Arzt hier herauf? Jemand müsste runtergehen. Ab hier, sagte der Bauer, habe man die Straße nicht mehr weiter bauen können. Vielleicht schon, aber das hätte sich nicht rentiert. Kühe standen dort. Wir verabschiedeten uns.

Für das letzte Stück bis zur Alphütte hinauf braucht man 45 Minuten, wenn man sich auskennt. Die Hütte wurde mit dem Rücken zum Berg vor einem aus der Ebene herausragenden Fels errichtet. An der Seite wird sie von meterdicken Wänden aus Stein gestützt, damit sie im Winter nicht vom Schnee zerdrückt wird. Im Winter ist keiner da. Im Ich-frage-Dich-ihr-sagt-nichts-und-ich-gebe-die-Antwort-selbst-Modus gab Rüdiger, der im Sommer hier oben arbeitete, Auskunft. Rüdiger sprach wenig. Man fängt hier oben irgendwann an, weniger zu sprechen. Bei mir ging das los in dem Moment, als mir klar wurde, dass es nicht schlimm ist, dass kein Arzt es in angemessen kurzer Zeit hier herauf schaffen kann. Man überlebt die Dinge doch im Wesentlichen immer. Von rechts nach links lief vor der Hütte ein Bach nach unten. Viele dieser Bäche liefen beim Aufstieg über unseren Weg. Einer der Arme, aus denen sich der Bach speiste, drang seit irgendwann durch die steinerne Rückwand der Hütte in den hinteren Raum und irgendwo an dessen Seite wieder nach draußen. Seitdem wird der hintere Raum als Kühlraum für die Lebensmittel benutzt. Dort stand auch ein badewannengroßer Bottich aus Kupfer, in dem früher, als die Kühe noch gemolken wurden, Käse gemacht wurde. Warum Kupfer?, fragte Rüdiger ohne dass wir etwas sagen sollten. Weil da nichts anklebt, antwortete er. In dem Raum vorn in der Hütte stand der Ofen. Dort wurde gegessen, gesprochen und geschlafen. Im unteren Stock des Doppelstockbettes braucht man eine Decke mehr als oben. Zwischen dem vorderen Raum und dem hinteren, durch den das Wasser floss, war die Hütte an den Seiten offen, sodass von der einen Seite zur anderen die Wolken durch die Hütte hindurch zogen. Wir waren in den Wolken und darüber. Zwischen den Räumen lagerte das Holz. Daneben stand der Fressnapf von Pepe, dem Kater, der der vorherigen Saisonkraft gehörte. Sie musste plötzlich weg wegen eines Todesfalles. Pepe war unterwegs, als sie ging und er überlebte die Zwischenzeit bis zu Rüdigers Ankunft.

Rüdiger gab uns Schuhe, die man einfetten musste. Die Frösche waren so langsam, dass man sie in die Hand nehmen konnte. Als wir von der Hütte aus noch weiter aufstiegen, nahmen wir kein Wasser mit, sondern tranken aus Bächen. Der Ofengeruch unserer Kleidung überdeckte bei stehendem Wind den der Wiesen. Beim Blaubeerenpflücken roch man es auch. Der Nebel, zu dem eine Wolke wird, wenn man in ihr steht, hielt unsere Haare nass. Das Salz, das auf die großen Steine geworfen wird, damit es die Kühe ablecken können, wurde von Rüdiger in einer roten Esprit-Tüte transportiert. Der Käse kam von der Nachbaralp. Die Salami, das Weißbrot und die Fleischwurst brachte der Bauer mit dem dreieckigen Ohrring im lila Lada alle zwei Wochen aus dem Supermarkt zu dem Ende der Straße. Bio-Müll?, fragte Rüdiger. Was ihr Bio-Müll nennt, antwortete er, das kommt bei uns in den Bach. Mitte September, wenn abgezäunt wird und die Kühe dem Bauer talabwärts folgend die Alp verlassen, wird der Restmüll mit dem Hubschrauber abgeholt. Am Mittwoch gibt es immer einen Sammelflug, an dem man sich beteiligen kann. Da kommt man dann bei 30 bis 40 Franken pro Flug raus. Das kann man schon machen. Das geht aber nur für Transport, nicht für Menschen. So einen Extraflug wie mit der abgestürzten Kuh im Juli macht die Versicherung. Sonst wäre das nicht wirtschaftlich.

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Sklavenhandel 2.0

Der Freund von Max und Louise hatte zu seinem Geburtstag eingeladen und die Getränke wurden knapp, denn es kamen auch die, die nur auf Vielleicht gedrückt hatten. Max und Louise waren schon früh da und mit ihrem Platz zwischen Garderobe und Wohnzimmer zufrieden. Dass man sich das mal klar machen müsse, sagte Max nur halblaut und wies Richtung Wohnzimmer, dass man das echt mal checken muss, dass über all diese Leute hier vollständig ausgewertete Profile bei Apple und Google und so liegen. Er zeigte auf Louises iPhone. Hier! Und dass mit all diesen Profilen Kohle gemacht wird. Aber keiner macht sich das bewusst. Die Leute sagen einfach ja, ich hab ja das und das davon und sehen gar nicht, welchen Preis sie zahlen. Ihre Identität! Max hob die Stimme und den Zeigefinger. Es geht um nicht weniger als einen selbst. Sag ich mal. Die Leute verschenken ihr Ich an die Konzerne. Das ist Sklavenhandel 2.0, Du bist die Ware, die Du hergibst, nicht mal verkaufst, sondern verschenkst. Und anders als die Afrikaner früher werden die digitalen Sklaven noch nicht einmal gezwungen, sich den Amerikanern zu unterwerfen. Willst Du noch ein Bier, rief der Freund von Max und Louise von hinten. Max nickte erleichtert. Ein Glück, dass noch was da ist. Ob Roger noch komme, fragte Louise und Max zuckte mit den Schultern. Kein Plan, ich warte schon die ganze Zeit auf die blauen Häkchen aber er scheint keinen Empfang zu haben. Aber so richtig wichtig sei ihm Rogers Anwesenheit auch nicht. Wer sich so doof anstellt. Versetz Dich mal in die Lage seiner Freundin, Max hob die Stimme wieder an. Da ahnst Du nichts Böses und dann grinst Dich dein Freund auf Tinder an. Wie dumm muss man sein, sich mit dem original Facebook-Profil anzumelden. Ok ich muss. Max wischte die Erinnerung auf seinem Handy zur Seite und gab Louise einen Drücker. Meine Sleep Cycle App sagt, dass ich die längste Tiefschlafphase habe, wenn ich vor zwei im Bett bin und weniger als drei Bier trinke. Schlaf ist mir wichtig. Louise nickte und schaute Max an. Mir auch. Man muss schlafen, bevor man aufwachen kann.

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An alle da draußen – oder: Die Abwesenheit der Zugezogenen führt zu hygienischen Missständen in der Berliner Gastronomie

Jetzt ist auch wieder gut. Den Bloggerinnen fällt keine neue Variante mehr ein, mit der sie die vielen freien Parkplätze pointiert, ein bisschen frech und ohne versteckte Fremdenhassterminologie für ihre Komme-von-hier-wo-Du-hingezogen-bist-Profilierungs-Posts fruchtbar machen können (dass man zur Weihnachtszeit in Berlin ungeahndet queer-parken kann, hat komischerweise noch keiner formuliert aber das hat sich mit diesem Klammerzusatz jetzt auch erledigt).

Sicher: Es ist schön, eure Heimat auf Instagram mittlerweile auch sehen zu können und nicht wie früher, sozusagen damals, sozusagen von kurz nach dem Krieg bis letztes Jahr ungefähr nicht nur aus kryptischen Anleihen zu Dingen, die man hier nicht kennt, aus euren Facebook-Posts und Tweets herauslesen zu müssen. Im Bild ganz vorn: Münster (wie groß ist das bitte und trifft mein digital gewonnener Eindruck zu, dass im Wesentlichen jeder Zugezogene von dort hierher zog?), Biberach ok, Bonn ja gut, Eglisau in der Schweiz war auch dabei und besonders schön; allgemein viele Ort auf „-au“; ein bisschen Thüringen aber relativ wenig. Besonders prägnant (im Sinne von bedeutungsschwanger): je präsenter das Wort „Berlin“ im Username, desto größer die Distanz zwischen Standort des Users und Stadt an Weihnachten.

Jedenfalls bzw. however, wie wir ab nächste Woche wiedervereint sagen: Bevor wir jetzt die Frage aufwerfen, ob die Teilnehmerzahl der Berliner Pegida-Demonstration (fünf) auch was mit eurer Abwesenheit zu tun hat (ich halte das nicht für wahrscheinlich), sollten wir klären, warum sich die Wiederkehr lohnt: Es ist gerade relativ mild und ruhig. Sozusagen schön. Die Wiederkehr wäre zudem ein Akt der Fürsorge: Denn die supply chain stockt. Denkt doch mal nach: Man kann überhaupt keinen Döner mehr essen ohne euch (weil die Spieße genauso dick sind wie immer aber länger drehen müssen, um alle zu werden). Die Abwesenheit der Zugezogenen führt zu hygienischen Missständen in der Berliner Gastronomie. Gastronomie-Astronomie, Raum-Zeit-Kontinuum-mäßig wird klar: Es ist Zeit! Es gibt Raum. Und zwar nicht nur zum Parken. Wenn die Schranken schließen vor den Bahnübergängen eurer Hauptstraßen, wenn es heißt, Achtung, Tür schließt (sagt die Regionalbahn das auch?), dann: einsteigen bitte!

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Kausalitäten II

Kreise können nicht schief hängen, rief Mike und schlug die Nägel in die Küchenwand, zwischen denen die Topfdeckel hängen sollten. Goethe hat nie den Literaturnobelpreis bekommen und in Köln ist es zur selben Zeit dunkler als in Berlin. Wenn man sie anstarrt, fragen Barfrauen häufiger als andere, was man will.
Sag ihm, ob ich nach vorne oder hinten kommen soll.

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Kausalitäten I

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