Skip to content

Veröffentlichungen

Update: Januar 2016 Jura Kapitel Crowdfinanzierung, E-Commerce, Mobile Payment, Datenschutz in: AHK Brasilien (Hrsg.), Assim se faz Start-ups na Alemanha, 1. Aufl. 2015 Bankgeheimnis und effektiver Schutz von IP-Rechten, Deutscher AnwaltSpiegel 19/2015 (gemeinsam mit Christoph Jacobs) Makler und Verbraucher im Internet, NJW 2015, S. 193 – 197 (gemeinsam mit Martin Werneburg) Kleinanlegerschutz und Crowdinvestments, Venture Capital Magazin, Dezember 2014, S. 38 Datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit in sozialen Netzwerken, ITRB 2014, S. 278 – 281 (gemeinsam mit David Krebs) Treu und Glauben und Effizienz – Das Effizienzprinzip als Mittel zur Konkretisierung zivilrechtlicher Generalklauseln, Duncker & Humblot, Berlin 2013, 247 Seiten Impressumspflichten in sozialen Netzwerken, ZJS 2013, S. 141 – 147 Zur effizienzorientierten Kontrolle von AGB nach § 307 Abs. 1 S. 1 BGB, Kreutz/Renftle/Faber u.a. (Hrsg.), Realitäten des Zivilrechts – Grenzen des Zivilrechts, Jahrbuch Junger Zivilrechtswissenschaftler, Boorberg, 2012, S. 51 – 68 Cloud Computing und Recht, AnwBl. 2012, S. 646 (gemeinsam mit Markus Timm) Sonstige Die digitale Gleichgültigkeit, brand eins, Ausgabe April 2014, S. 183 Auswaertiges-Amt.de, Rezension der Webseiten nach dem Relaunch, iBusiness Magazin, August 2004, S. 15/16 Prosa Eine halbe Nummer, Erzählung; 1. Platz Lesebühne Berlin, November 2015 Zack zack, Erzählung; 1. Platz Lesebühne Berlin, Juni 2015 Zum Tode von, Erzählung; 1.…

Continue reading Veröffentlichungen

Leave a Comment

Ein guter Kontakt

Ja, ich habe auch keinen richtigen Bock auf ihn. Ich meine, wie er manchmal labert, so geschwollen und er hat jetzt das und das und er kennt den und den und wenn Du irgendwas sagst, dann ist das bei ihm auf jeden Fall krasser. Aber er ist halt ein guter Kontakt. Das ist was anderes. Und man muss auch immer sehen mit der Zukunft. Ich meine, Du weißt nie, wann man da mal anruft, weißt Du? Man sieht sich halt immer zweimal im Leben und da ist das halt gut, wenn das nicht das erste Mal ist. Verstehst Du? So kaltakquise-mäßig. Und nein, ich finde nicht, dass das richtig ist, dass man immer nur mit Freunden abhängen sollte. Also klar, er ist ein Spast. Aber wenn man immer nur macht, was man für richtig hält, dann weiß man am Ende auch nicht, wo man steht. Verstehst Du? Man muss sich doch irgendwie absichern. So networkmäßig. Also netzwerken. Aber jetzt auch nicht so im Sinne dieser Löcher im Netz, durch die die kleinen Dinge immer durchfallen, sondern so wie die Schnüre, Stärke durch Knoten oder sowas. Sowas schützt ja auch, wenn man mal auf der schiefen Bahn nicht so hundertprozent performt…

Continue reading Ein guter Kontakt

Leave a Comment

Die Stadt, die langsam Schatten auf sich wirft

Ich kann Dinge unmittelbar. Ich kann mich auf ein Fensterbrett setzen mit einem Bier und einer Zigarette und dabei rausgucken, in den Himmel, wenn er orange, weiß, gelb, blau, grau changierend ist, ich komme nicht rein, gucke durch das Fenster und sage, ja, man müsste das viel öfter machen, man kriegt das gar nicht so mit, man müsste sich viel mehr Zeit nehmen, man verliert den Blick dafür. Ich mache das oft, ich kriege das mit, jedes Mal, ich habe die Zeit, denn alles andere außer Ich ist egal und ich habe den Blick, nicht changierend, sondern geradeaus aus dem Fenster heraus blicke ich in den Himmel zurück. Unter die Wolke, unter der noch eine kleine hängt, in die Sonne, deren Licht die Wolken vor ihr versengt, auf die Stadt, die langsam Schatten auf sich wirft. Herab. Einfach so. Ohne zu denken, man müsste mal.

Continue reading Die Stadt, die langsam Schatten auf sich wirft

Leave a Comment

Auf Keinsten

Maximal zwei Finger breit ist das am hinteren Ende und nach vorne hin wird es immer dünner, spitzer sozusagen, und ist dann ganz vorn so richtig spitz. Und so als Dreieck aus dem Laib heraus legen die das Stück Käse in die Folie und schweißen das dicht. Und so kommt es dann ab in die Theke und ich frag mich, wieso. Das ganze Internet spricht von user experience aber die Käseindustrie sagt einfach ne, auf keinsten. Deutschland erhebe Dich, will man rufen wie es neulich bei der Maut, beim Mindestlohn und bei der Rundfunkgebühr gerufen wurde, ob dafür oder dagegen, das weiß ich jetzt nicht mehr so genau aber das ist auch egal, denn die Kernfrage lautet: Wie soll man von diesem Dreieck eine Scheibe abkriegen? Mein Denken ist scheibenmäßig, also Käse betreffend, Brötchen, Butter, was drauf. Ende der Durchsage. Aber wie soll ich denn von diesem Dreieck eine Scheibe abkriegen. Man nennt das Salami-Taktik, sie machen uns nach und nach mürbe aber die da oben backen keine kleinen Brötchen, nein, mal sehen, was sie als nächstes zusammenwürfeln, Feta-Käse statt Drachme, Sie sagen es, Herr Kommissar, aber auch in Bayern trinkt man jetzt Bier nicht mehr aus blauen Kisten, sondern…

Continue reading Auf Keinsten

Leave a Comment

Urlaubssoziologie (mega meta)

Man geht dann zu so einem Bäcker und bestellt sich so ein kleines süßes Teil, das sucht man sich aus so einer Auslage aus und dazu einen Espresso. Wobei man in Italien dazu ja caffé sagt. So essen die dort Frühstück. Und man gewöhnt sich daran und man ist dann auch wirklich bis zum Mittag satt. Und dann versteht man das auch, dieses Quirlige der Italiener. Wenn man nicht gleich am Morgen so schwer isst, wie wir Deutschen, dann ist das natürlich klar. In Lissabon dagegen nennen sie den Espresso Bica. Es gibt kleine Shops, in denen es nur das gibt. Sie trinken den dort ganztags, also etwa wenn sie mit einer Sache fertig sind oder zwischen zwei Sachen, etwa im Einkaufszentrum auf dem Weg von einem Sportgeschäft in ein Elektronikgeschäft. Wenn man so viel Kaffee trinkt, schläft man natürlich schlechter und dann erklären sich natürlich auch die Tränensäcke, die den Portugiesen dann abends in dem Fischrestaurant immer traurig aussehen lassen, wenn er Fado hört. Der Deutsche neigt nach seinem Urlaub gerne zum Schluss von seinem Eindruck auf das große Ganze. Nicht selten gleicht das einer soziologischen Studie. Dass er auch die Zeit hat, kausale Zusammenhänge zwischen seinen Beobachtungen und den…

Continue reading Urlaubssoziologie (mega meta)

Leave a Comment

Aufsteigende Scham im Bart

Ich hatte gewissermaßen unsystematisch abgebissen. Das heißt, also ich hatte zwar schon ein System. Meine Bisse waren immer gleich groß. Aber ich habe mich eben irgendwie verschätzt was die Gesamtgröße des McRib angeht und deshalb war das Stück, das nach dem vorletzten Bissen noch in meiner Hand war, größer, als die Bisse davor – aber auch jetzt nicht doppelt so groß, also so groß wie zwei Bisse, sodass man einfach wieder hätte teilen können, sondern so dazwischen. Und ich dachte, also bevor ich ein Risiko eingehe und das in die Hose geht mit der Soße, wenn die da so raus tropft aus dem letzten Bißchen, das dann ja nur noch in meiner Hand übergeblieben wäre, also bevor das in die Hose geht mit der Soße und ich dann mit dem Zitronentuch so mega-unsouverän zwischen den Fingern rumrubbeln muss, dachte ich, mache ich lieber Klarschiff und nehme alles auf einmal in den Mund. Wenn man mehr im Mund hat, schmeckt man ja auch besser. Und es ist ohnehin ja auch immer ganz schön, wenn man dann später noch was von diesem Geschmack hat. Da stecken ja auch Designer dahinter, hinter diesem Geschmack, Geschmacksdesigner und das ist ja nicht per se schlecht,…

Continue reading Aufsteigende Scham im Bart

Leave a Comment

Über-Schönheit

Sie war so schön, dass man ihre Schönheit nicht unbefangen genießen konnte, sondern angestrengt Makel suchte, Mitleid in sich zu erzwingen versuchte, weil das doch schlimm sein muss, wenn andere immer nur auf das Äußere achten, Neid in sich aufkommen spürte, weil die sich ja alles erlauben kann und auf niemanden Rücksicht nehmen muss, an ihrem gleichgültigen Blick kann man es doch sehen, der ist der Beweis dafür, schön, ja, aber in Wahrheit doch nur die Fassade vor innerer Hässlichkeit. So steht man dann da. Und staunt. Über sich und die Mechanismen des Schutzes, die sich einrichten, von alleine in einem, wenn man sich verteidigen will gegen das, was nicht aufkommen soll. Und Du nimmst die Arme hoch, in Abwehrhaltung. Aber da hats schon Peng gemacht und gekracht, wie bei einem Profikiller, zwei Schuss, einer in Deinen Kopf, einer in Deine Brust.

Continue reading Über-Schönheit

Leave a Comment

Das Fenster stand auf Kipp und das Handy auf laut

Die Tagung begann am nächsten Morgen kurz after eight: Das aktuell stärkste Oxymoron sei Minzschokolade. Ich war so ummm. Während Schokolade Dich noch warm wie eine selbstgestrickte Decke einhüllt, begrifflich und assoziativ, bläst Dir Minze durch die Maschen doch kühlen Wind auf die Haut wie Thymian-Mirte-Balsam bei Erkältung. Dann schließt Du das Fenster über der Prenzlauer Allee. Es stand auf Kipp und das Handy auf laut. Jetzt ist Windstille. Aber wie gesagt.

Continue reading Das Fenster stand auf Kipp und das Handy auf laut

Leave a Comment

Wenn ich in Tunesien Asyl beantrage, gibt mir auch keiner ein Hotelzimmer

Sie schaute schnell weg. So als wollte sie die Scham, die augenblicklich in mir aufstieg, noch verhindern. Ich wischte mir die Knoblauchsoße aus dem Bart. Cuvée heißt Mischung auf kultiviert, dachte ich über das, was ihre Freundin zu ihr sagte, und nahm mir noch eine Serviette. Ich hielt an zwei Motels in dieser Nacht und erinnere mich nur an das, in dem ich abgelehnt wurde. Wenn ich in Tunesien Asyl beantrage, gibt mir auch keiner ein Hotelzimmer, sagte der von sich selbst sogenannte Portier noch und irgendwas anderes, das auch Teil der Entschuldigung war. Konfekt hat nichts mit Konfektionsgröße zu tun, also genauso wenig, wie der Schokofleck auf der Bluse mit dem Sofa zu tun hat. Hätte der Fleck was mit dem Sofa zu tun, wäre er nicht auf der Bluse, sondern am Po. DAS GEHT ALSO GAR NICHT! Dieser hier, sehen Sie hin, rief Miss Marple und wies in ihren Ausschnitt, ist Ausfluss eines heruntergefallenen Schokospuckefadens.

Continue reading Wenn ich in Tunesien Asyl beantrage, gibt mir auch keiner ein Hotelzimmer

Leave a Comment

5 Gründe, warum das Lesen von Literatur-Blogs zu besseren Orgasmen führt

Sorry. Es ging nur darum, die These zu verifizieren, dass “5-Gründe-warum-Überschriften” zu mehr Klicks führen. Falls Du sauer bist, klick fünf mal auf den pinkfarbenen “Random Post anzeigen”-Button. Das Gefühl danach ist dann immerhin so diffus-internet-was-wollte-ich-eigentlich-gerade-mäßig-okay.

Continue reading 5 Gründe, warum das Lesen von Literatur-Blogs zu besseren Orgasmen führt

Leave a Comment

Code

“Schatz, ich muss nur kurz ins Bad.” “Mit oder ohne Radio?” “Mit.” “Oh. Ok. Kann ich kurz vorher? Ich muss nur ohne.”

Continue reading Code

Leave a Comment

Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für den Preis

Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für den Preis. Astrein, rief Andi. Räum Deine Plünnen da weg, schmipfte Susanne. Was ist das für eine Menkenke, fasste Oma zusammen und schlug die Hände über dem Kopf wieder auseinander. Die Upside steht nicht für die Downside. Schwimmbad vollständig ausgebrannt stand auf dem Titelblatt und alle schwiegen. Früher, das war die Zeit, als sich die Frauen das Parfüm noch mit dem Finger hinter das Ohr schmierten. Bogdan versuchte, seine Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. Sch’ leg mein Eid ab. Sollen wir das als Geständnis werten, fuhr der Späti-Verkäufer dazwischen. Wer den Memory-Effekt als Argument benutzt, ist mindestens 30.

Continue reading Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für den Preis

Leave a Comment

Magen-Darm oder Die Tage des Mannes

Rot ist abhängig von Wolken. Jedenfalls den Sonnenuntergang betreffend. Ich werde eine Verteilersteckdose erfinden, bei der der Schalter nicht an dem Ende ist, an dem das Kabel reinkommt. Es gibt Wechsel, auf die kann man sich verlassen. So wie den der über dem Apothekenschaufenster wachenden Thermometeranzeige mit der Uhranzeige. Ist Überwachung eigentlich schlecht? Das ist eine Ja-Nein-Frage aber keiner beantwortet sie mit Ja oder Nein. Literatur ist die Möglichkeit, Sprachlosigkeit loszuwerden. Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für diesen Preis. Was die Hamburger an Effizienzgewinnen gutmachen, indem sie „sich“ nicht mehr „an“ etwas erinnern, sondern nur noch etwas erinnern, das schmeißen sie im hohen Bogen zum Fenster wieder raus, wenn sie mit „da nicht für“ Verwirrung stiften, anstatt einfach „Bitte“ zu sagen.

Continue reading Magen-Darm oder Die Tage des Mannes

Leave a Comment

Wir waren in den Wolken und darüber

Der Bauer wurde uns beschrieben als Mann mit lila Lada und einem Ohrring mit Dreieck drin. Aber das wäre nicht nötig gewesen, denn er war der einzige, der am Bahnhof stand. Der Bahnhof lag in der Mitte eines Tals im Glarus. Glarus ist eines der drei Kantone der Schweiz, die die schweizerische Tourismusbehörde in dem dicken Band über die Must-Sees der Schweiz unerwähnt lies. Die Strommasten mussten vor ein paar Jahren im Tal abgebaut und in den Hang zwischen die engen Serpentinen gestellt werden. Wegen des Elektrosmoks. Der Bauer fuhr uns den Berg hoch bis zu dem Ort, ab dem man nur noch laufen konnte. Das Handy hatte schon weiter unten keinen Empfang mehr. Wie ruft man einen Arzt hier herauf? Jemand müsste runtergehen. Ab hier, sagte der Bauer, habe man die Straße nicht mehr weiter bauen können. Vielleicht schon, aber das hätte sich nicht rentiert. Kühe standen dort. Wir verabschiedeten uns. Für das letzte Stück bis zur Alphütte hinauf braucht man 45 Minuten, wenn man sich auskennt. Die Hütte wurde mit dem Rücken zum Berg vor einem aus der Ebene herausragenden Fels errichtet. An der Seite wird sie von meterdicken Wänden aus Stein gestützt, damit sie im Winter nicht…

Continue reading Wir waren in den Wolken und darüber

Leave a Comment

Sklavenhandel 2.0

Der Freund von Max und Louise hatte zu seinem Geburtstag eingeladen und die Getränke wurden knapp, denn es kamen auch die, die nur auf Vielleicht gedrückt hatten. Max und Louise waren schon früh da und mit ihrem Platz zwischen Garderobe und Wohnzimmer zufrieden. Dass man sich das mal klar machen müsse, sagte Max nur halblaut und wies Richtung Wohnzimmer, dass man das echt mal checken muss, dass über all diese Leute hier vollständig ausgewertete Profile bei Apple und Google und so liegen. Er zeigte auf Louises iPhone. Hier! Und dass mit all diesen Profilen Kohle gemacht wird. Aber keiner macht sich das bewusst. Die Leute sagen einfach ja, ich hab ja das und das davon und sehen gar nicht, welchen Preis sie zahlen. Ihre Identität! Max hob die Stimme und den Zeigefinger. Es geht um nicht weniger als einen selbst. Sag ich mal. Die Leute verschenken ihr Ich an die Konzerne. Das ist Sklavenhandel 2.0, Du bist die Ware, die Du hergibst, nicht mal verkaufst, sondern verschenkst. Und anders als die Afrikaner früher werden die digitalen Sklaven noch nicht einmal gezwungen, sich den Amerikanern zu unterwerfen. Willst Du noch ein Bier, rief der Freund von Max und Louise von hinten. Max nickte erleichtert.…

Continue reading Sklavenhandel 2.0

Leave a Comment

An alle da draußen – oder: Die Abwesenheit der Zugezogenen führt zu hygienischen Missständen in der Berliner Gastronomie

Jetzt ist auch wieder gut. Den Bloggerinnen fällt keine neue Variante mehr ein, mit der sie die vielen freien Parkplätze pointiert, ein bisschen frech und ohne versteckte Fremdenhassterminologie für ihre Komme-von-hier-wo-Du-hingezogen-bist-Profilierungs-Posts fruchtbar machen können (dass man zur Weihnachtszeit in Berlin ungeahndet queer-parken kann, hat komischerweise noch keiner formuliert aber das hat sich mit diesem Klammerzusatz jetzt auch erledigt). Sicher: Es ist schön, eure Heimat auf Instagram mittlerweile auch sehen zu können und nicht wie früher, sozusagen damals, sozusagen von kurz nach dem Krieg bis letztes Jahr ungefähr nicht nur aus kryptischen Anleihen zu Dingen, die man hier nicht kennt, aus euren Facebook-Posts und Tweets herauslesen zu müssen. Im Bild ganz vorn: Münster (wie groß ist das bitte und trifft mein digital gewonnener Eindruck zu, dass im Wesentlichen jeder Zugezogene von dort hierher zog?), Biberach ok, Bonn ja gut, Eglisau in der Schweiz war auch dabei und besonders schön; allgemein viele Ort auf „-au“; ein bisschen Thüringen aber relativ wenig. Besonders prägnant (im Sinne von bedeutungsschwanger): je präsenter das Wort „Berlin“ im Username, desto größer die Distanz zwischen Standort des Users und Stadt an Weihnachten. Jedenfalls bzw. however, wie wir ab nächste Woche wiedervereint sagen: Bevor wir jetzt die Frage aufwerfen,…

Continue reading An alle da draußen – oder: Die Abwesenheit der Zugezogenen führt zu hygienischen Missständen in der Berliner Gastronomie

Leave a Comment

Kausalitäten II

Der Beckenbodenkurs war fürn Arsch, schrie Johanna. Kreise können nicht schief hängen, rief Mike und schlug die Nägel in die Küchenwand, zwischen denen die Topfdeckel hängen sollten. Goethe hat nie den Literaturnobelpreis bekommen und in Köln ist es zur selben Zeit dunkler als in Berlin. Wenn man sie anstarrt, fragen Barfrauen häufiger als andere, was man will. Sag ihm, ob ich nach vorne oder hinten kommen soll. === Kausalitäten I

Continue reading Kausalitäten II

Leave a Comment

Ich komme eben nicht aus Neukölln

Ich höre selten zu. Das ist sozusagen immer nur solange der Fall, wie die Dinge was mit mir zu tun haben und das ist selten bei den Dingen, von denen die Leute erzählen der Fall, denn die Leute reden ja im Wesentlichen von sich. Das wissen die Zuhörer am besten, sie sind die, die Fragen stellen, was man ja nur kann, wenn man weiß, worum es geht, also nicht per se, aber damit es gute Fragen werden, Fragen, über die die Leute später sagen, Mann, der kann gut zuhören, damit es solche Fragen werden, muss man schon ziemlich gut zuhören aber ich komme eben nicht aus Neukölln. Ich kann aber nicht nur im Gespräch wenig fragen, sondern kann auch nichts sagen, wenn mich einer fragt, wie ich den Text finde und das Lied auf Englisch ist. Denn aus England komme ich schon gar nicht. Ich verstehe zwar Englisch aber keine englischen Lieder, die gehen so durch, wie wenn einer nicht von mir spricht. Ist ja auch nicht meine Sprache aber das ist glaube ich nicht der Grund. Diese Sprache, in der ich überwiegend, also auslandsaaufenthaltabhängig, nicht denke, sondern, wenn überhaupt, dann mal spreche, wirkt im englischen Lied nur wie ein…

Continue reading Ich komme eben nicht aus Neukölln

Leave a Comment

Skulptur aus stehenden Kindern

Und dann bist Du plötzlich der Täter. Stehst vor einer Skulptur aus stehenden Kindern. Also sagt man Dir. Aus sechs Kindern, die mit dem Rücken zu Dir mit ausgestreckten Armen an einer Wand stehen. Erkennst Du. Und Du begreifst: Du stehst gar nicht vor, sondern hinter den Kindern, Du bist der Polizist, der auch mit ausgestreckten Armen dasteht. Aber Deine Arme werden schwer von der Waffe, die sie runter ziehen und Deine Finger werden taub, von den Drohungen, die Du rufst. Du zielst auf die Kinder und sie zittern und noch ein letztes Mal für heute kommst Du raus aus dem Moment, denkst kurz an die, die von der Skulptur aus stehenden Kindern und von eindrucksvoll und so sprachen und fragst Dich, was geht mit so einem Mann, der ich gerade bin, was muss passieren, dass der so etwas machen kann, die Kinder schauen Dich nicht an aber Du ihnen in den Rücken und Du assoziierst sie mit Symptomen, warum der Mann bei denen ansetzt, fragst Du dich, wenn doch die ganze Welt von der Bekämpfung von Ursachen spricht und Du erkennst, dass nur Du, der Polizist, der Kreisausbrecher sein kannst: Die Kinder sind zu jung, das, was man System nennt, ist zu diffus,…

Continue reading Skulptur aus stehenden Kindern

Leave a Comment

Klar wie Weinkritik: Bolognese im Istoria

Jimmi – nennen wir ihn mal so, denn wir kennen seinen Namen nicht – Jimmi war zu Scherzen aufgelegt. Und das war cool. Denn obwohl Jimmi allen Grund gehabt hätte, um schlechte Laune zu haben (drei seiner Mitarbeiter kamen an diesem Sonntagnachmittag nicht und Jimmi musste den ganzen Laden alleine schmeißen), war das Gegenteil der Fall und mein Kumpel und ich waren nach unserem Besuch im Istoria am Kollwitzplatz besser drauf, als vorher. Aber die gute Laune lag nicht nur an Jimmi. Und sie hatte auch nicht allein damit zu tun, dass dieser Nachmittag in dieser Zwischenzeit zwischen Sommer und Herbst lag, in der alles mal so und mal so und man selbst so-na-so-halt ist, NEIN: Es lag an dieser Bolognese! Wie die war? Diese Bolognese rangierte am oberen Ende ihrer Möglichkeiten! Haha. Ist natürlich Quatsch. Also: So über Essen zu sprechen ist Quatsch. Jedenfalls dachten mein Kumpel und ich das, als er eine Weinkritik zitierte und wir uns vorstellten, was man sich darunter vorstellen soll. Doch dann kam die Einsicht: Denn auf welche andere Weise soll man sonst sagen, dass diese Bolognese so toll ist, dass Du die ganz Zeit nur whow und mmmh und oooh im Mund denkst (ja, dort!) aber am Ende doch nicht so einhundertprozent überzeugt bist. Ja,…

Continue reading Klar wie Weinkritik: Bolognese im Istoria

Leave a Comment

No diversity, please: Bolognese im Vapiano

Bolognese hat nun mal nichts mit Diversity zu tun. Quatsch sind deshalb rohe Karottenstifte, die kurz vorm Abpfiff noch in die Pfanne geworfen werden. Denn rohe Karottenstifte sind eben roh und damit anders als der Rest dessen, was man im Mund hat und dadurch fallen sie eben einfach negativ auf. Frische? Mal was anderes? Keine Ahnung, bei mir kam die Message nicht an. Nur pseudogesundes Knacken. Viele komische Menschen sagen über Systemgastronomie ja viele komische Sachen. Ich dagegen gehöre zu den Menschen, die auch heute nicht leugnen, dass das Coolste am Geburtstag als Kind immer war, dass man zu McDonalds durfte. Und deshalb habe ich auch die Bolognese bei Vapiano ausprobiert. Rechtfertigung Ende. So. Jedenfalls war das am Potsdamer Platz in Berlin (wo auch die U2 abfährt). Obwohl die Örtlichkeit, genau wie der Rechtsanwalt, der in der Schlange hinter mir stand und ins Handy brüllte, dass er gleich in den Call muss, ja eigentlich keine Rolle spielt, denn: richtig, in der Systemgastronomie ist alles austauschbar. Ergebnis: gut, viel und mittelmäßig teuer. Als der Mann hinter dem Tresen die Nudelsorte, deren Namen ich nicht mehr weiß, aus der Papiertüte in das Kochsieb schütte (das Sieb erinnerte als einziges an McDonalds), schoss reflexhaft aus mir heraus die Frage nach weiterem Brot. Aber ich hatte mich geirrt, denn am Ende war ich total voll.…

Continue reading No diversity, please: Bolognese im Vapiano

Leave a Comment

Bananensaft beziehungsweise Wahnvorstellung

Und dann dachte ich, es ist vielleicht besser, wenn ich einfach keinen Bananensaft mehr trinke. Ich meine, den mochte ich früher ja auch nicht. Und wenn das jetzt plötzlich anders ist, also dachte ich, dann bedeutet das ja, dass sich auch mit mir etwas verändert hat und jeder weiß ja, dass man süß als Reiz irgendwie anziehend findet, also sozusagen die geschmacklichen Höhen und Tiefen, wenn man dement ist, dass sich das dann also verstärkt und man das auch daran eben erkennen kann, dass einer krank ist. Aber das geht natürlich nur in eine Richtung, verstehen Sie? Also ich kann natürlich dement werden und dann deshalb Bananensaft trinken. Aber ich kann nicht aufhören, Bananensaft zu trinken und dann weniger dement sein. Aber was soll man dann tun? Womit soll man denn aufhören, um weniger dement zu sein? Das ist ne fucking Einbahnstraße und Du kannst Dich noch nicht mal dagegen entscheiden, in sie einzubiegen, sondern wirst einfach gedrückt, gepusht, to the limit, bis das Opfer wieder stabil ist und dann, die Karriere verbaut, schwere KV und am Ende kommst Du nicht mal Knast, weil so ein Spast was davon faselt, dass Du zwiegespalten bist, so von der personality her und dass…

Continue reading Bananensaft beziehungsweise Wahnvorstellung

Leave a Comment

Schlechte Art

Das war halt so, dass wir erst gesagt haben, ja, wir machen das. Und wir hatten auch nen Plan, also einen, der war vollständig und nicht nur so halb oder so, so waren wir nicht, denn wir wussten ja, davon gibt es genug. Und dann haben wir gesagt okay er macht die Beats und ich schreib die Texte und sie macht die Voice, so halt jeder entsprechend seiner Talente gemäß und sie hatte echt sone bitchy Art Mann das hätte bombe in jeden Video gepasst, naja und seine Beats waren genauso, also ich sag mal von dem her echt schon perfekt und es war jetzt auch nicht so, dass ich nichts schreiben könnte, ja, also ich hab ja gesagt, dass ich das mache und so und ich hätte es auch gemacht, nur ich sag mal auch, das geht halt am besten, also eigentlich nur, wenn die richtige Stimmung da ist, verstehst Du, so vom Mind her und ich sag mal wie sie schon immer geguckt hat, also allein, wenn sie auf Toilette war, sie hat sich aufgeführt, als wäre sie in einen Hotel naja und er, ich schwör, er war verliebt in sie, wie er ihr immer alles durchgehen also…

Continue reading Schlechte Art

Leave a Comment

Notiz vom 12. September

Er hat einfach weiter gesprochen. Ich verstand kein Wort von dem, was er in einer Mischung aus 90% Polnisch, 8% Spanisch und 2% Englisch erzählte. Aber er erzählte, 20 Minuten lang, ab und zu warf seine Frau ein englisches oder spanisches Wort ein und so redeten wir immer fort, ich nur Ja und Nicken und I understand und er, bin ich mir am Ende ziemlich sicher, erzählte von der Arbeit, von seiner Küche und dem Essen, von seinem Sohn, der zwei Schürfwunden am Kopf hat und im Krankenhaus ist wegen eines Sturzes in der U-Bahn und vom Krieg und der Narbe unter dem alten BWM-Basecap auf seinem Kopf, die daher rührt und ich fragte nicht ihn, sondern nur mich, warum er so frei weiter plapperte, obwohl ich doch nicht erst nach zwanzig Minuten oder immer mal wieder zwischen durch, sondern von Anfang an die ganze Zeit nichts verstand und verstand ja doch ab und zu was und schüttelte er mir die Hand und gratulierte, als ich lawyer antwortete und wir lachten beide, viel, auch seine Frau manchmal mit, denn man muss ja einfach lachen, wenn einer lacht. Seit 44 sind sie in Amerika und dann kam der Bus. Und dann waren sie weg. Deshalb…

Continue reading Notiz vom 12. September

Leave a Comment

Kleine Furchen

Wenn die Sonne blendet, dann kneife ich seit einer Weile meine Augen nicht mehr zusammen. Um die Falten nicht noch tiefer um meine Augen zu ziehen. Ich reiße sie auf, die Augen, und trinke viel Wasser, zweieinhalb Liter am Tag, um die kleinen Furchen zu füllen, von innen, sie aufzuschwemmen, nass, denn Falten sind Risse und Risse haben mit Trockenheit zu tun, die es nicht gibt, wo man gießt. Und wenn meine Lehre beginnt, dann kaufe ich mir gute Creme.

Continue reading Kleine Furchen

Leave a Comment

Soljanka-Style: Bolognese im Via Nova

Dass das Foto ein bisschen hässlich geworden ist, ist irgendwie bezeichnend, denn eine Schönheit (wie diese vier) ist sie wirklich nicht, die Bolognese aus dem Via Nova in der Universitätsstraße, gleich um die Ecke vom Bahnhof Friedrichstraße. Vielleicht ist das ja ein Zeichen für besonders selbstgemachte Kost. Aber es ist auf jeden Fall nicht mein Style. Diese Bolognese wirkte auf mich ein bisschen wie wir-werfen-alles-rein-was-weg-muss. Fleischstückchen? Also wir reden nicht von Hackfleisch-Stückchen. Sondern so Fleisch-Fleisch. Saure Gurke? Kleine Pilzteile? Keine Ahnung. Bei Bolognese kann ja jeder machen, was er will. Aber schön ist was anderes. Anders der Geschmack. Denn der ist super und vor allem nicht zu tomatig. Das berücksichtigen viele Bolognese-Artists nicht genug. Mittelmäßig, also genau in der Mitte zwischen zu viel und zu wenig gewürzt war sie, sodass ich nicht nachhelfen musste und die Nudeln waren genau so (getrennt geschrieben), dass man sie weder hart noch weich nennen könnte, also perfekt. Der Parmesan frisch (was bei dem Preis nicht selbstverständlich ist) und die Kellnerin, also wirklich, total nett. Der Laden selbst wirkt irgendwie lieblos eingerichtet aber seine Lage ist toll und, wer Bolognese nicht mag: die Pizzen sind, wie ich aus eigener Anschauung weiß, die besten im Umkreis von zwei Kilometern. Nochmal zur Bolognese: € 6,90 auf der Mittagskarte und alles in allem…

Continue reading Soljanka-Style: Bolognese im Via Nova

Leave a Comment

Dass sie das fragen müsse

Dass sie das fragen müsse, hat die Ärztin gesagt und dass sie damit nichts sagen wolle und man das jetzt auch noch gar nicht könne, weil erstmal abzuwarten sei. Wie das und das andere zu verstehen war, fragten wir uns danach. Und ob wir die richtige Antwort gaben. Dann drangen wir nach draußen, vor die Tür auf den Flur, wo keine anderen Besucher waren und Du nicht neben uns lagst wie ein Gegenstand, wie ein Objekt, über das man so verhandelt. Meine Kleine, hab ich Dich am Ende genannt, bevor ich ging. Ich kam noch mal rein, etwas war noch nicht fertig, noch nicht gesagt, noch nicht getan und dann streichelte ich Deine Schläfe und küsste sie dreimal. Ich nahm Deine Hand, als sie am Lacken zog und Deine Finger schlossen sich für ein paar Momente um meinen, ich verstand das als Zeichen von Dir an mich, nein, ich fragte mich, ob ich es als ein Zeichen von Dir an mich verstehen durfte und ich sah Dich an und Deine Augen sahen in die Richtung, aus der der Schlag kam, das sei normal, sagte die Ärztin vorhin, ich hörte Dich atmen, das klang ganz normal und dann piepste das Gerät…

Continue reading Dass sie das fragen müsse

Leave a Comment

Leerstelle

(…) Wenn Du nicht leer bist, sondern S-Bahn fährst, Kaffee trinkst, Dich aufregst und wieder runter kommst und dann schlafen gehst und darüber das Schreiben vergisst. Dann hast Du zwar viel gemacht aber bald ist das dann weg, denn man erinnert sich ja nicht mehr dran und eine Sache, an die man nicht mehr denkt: die war ja nie da. Ohne Ohr, das es hört, kein Geräusch. Ohne Mensch keine Welt. Ohne Bewusstsein kein Objekt. Könnte man denken. Dachten schon viele. Und die Dinge würde sagen: Fickt euch doch, ihr Philosophen, wir sind auch ohne Menschen da. Aber die Dinge sagen ja nichts. Sondern überlassen die Deutung uns.

Continue reading Leerstelle

Leave a Comment

Agavendicksaft

“Mama, ich hab Hunger.” “Finja, magst Du dem Luca von Deiner Reiswaffel abgeben?” “Die zwei sind so süß zusammen.” “Total!” “Mama, ich mag noch bieler.” “Dass der Luca das B so mit dem V vertauscht, das finde ich irgendwie … total spannend.” “Ich hab gelesen, das ist wohl typisch.” “Aha, interessant. Whow, schau mal da links das Feld. Das sieht ja wahnsinn aus. Fast wie ein Desktophintergrund.” “Whow! Unser Wochenende auf dem Reiterhof fand ich btw echt megaschön.” “Ja, ne? Und fast drei Tage komplett offline. Das denkt man echt nicht mehr heute, dass sowas noch geht.” “Total. Stell Dir vor, was die Leute aus der Kita denken, wenn die bei Whatsapp sehen: zuletzt online Freitag 17:30.” “Stimmt, witzig. Du, sag mal magst Du dann über die Schönhauser Allee fahren? Die Finja und ich, wir brauchen noch Agavendicksaft.” “Klar, aber wollt ihr den Luca mit rein nehmen? Dann würde ich kurz eine rauchen.”

Continue reading Agavendicksaft

Leave a Comment

Zurückgeblieben

Ich komme nie nach Hause. Denn ich bin von dort nie weggegangen. Auf dem Land, das habe ich von Bekannten gehört, auf dem Land, da lacht man über Menschen wie mich. Ich habe nie die Welt gesehen. Ich kenne nur den Ort, aus dem ich komme. Ich bin nie draußen gewesen, nie um-, nie ein-, nie ausgezogen. Ich bin nie auf dem Weg nach Hause aus einer Regionalbahn gestiegen und ich habe nie an einem Bahnübergang gewartet, an den ich auch denke, wenn ich mich an die Kindheit erinnere. Ich habe niemandem je Rechenschaft darüber abgelegt, warum ich irgendwann weg bin, kenne keinen, der mir sagt, dass ich älter aussehe, als früher und ich verabschiede mich von niemandem bis nächstes Jahr. Ich wohnte mal in der Wilhelm-Pieck-Straße und nun, seit kurz nach der Wende, in der Torstraße. Und ich fühle mich zurückgeblieben. Jedes Jahr. Wenn die Bekannten aus der Arbeit und aus dem Park und aus dem Café und aus dem Yogakurs und aus dem Späti und aus dem Ausland sich eine Woche später über die leeren Parkplätze hier und all das austauschen, was sie zwischen den Jahren dort, zu Hause, erlebt haben. Wenn sie kurz vor Silvester, denn dann sind sie alle wieder da, lachen und schimpfen und…

Continue reading Zurückgeblieben

Leave a Comment

Kausalitäten I

Der Wikipedia-Artikel über Guttenberg enthält 286 Fußnoten. Wer Dinge aus Prinzip tut, hat aufgehört, über sie nachzudenken. Wenn das Akkordeon unter der Brücke über der Spree verstummt, geht keiner mehr drunter durch.

Continue reading Kausalitäten I

Leave a Comment

Sie sieht so normal aus

Gastbeitrag von meinem guten Freund Carl Winter Wie jeden Dienstag bin ich auf dem Weg in die Praxis. Die Eingangstür befindet sich gegenüber einer Bushaltestelle und immer, wenn ich die Klingel drücke statt den Schlüssel zu zücken, komme ich mir entlarvt vor. Für die Zeit, in der ich warte bis der Summer ertönt, blinkt ein riesiges Leuchtschild über meinem Kopf: sie hat einen Knall. Die Praxis liegt in der zweiten Etage in dem Altbauhaus. Das Licht im Hausflur funktioniert bis zur ersten Etage nicht. Es kommt mir vor, als wiese das auf meine Absicht, zu verschleiern, wohin ich muss, erst Recht hin. Ich fühle mich ertappt: erst hierhin zu müssen, dann es verschleiern zu wollen. Im Flur stehen zwei Stühle und vergilbte Magazine der Süddeutschen Zeitung hängen in einem Drahtgestell an der Wand. Meine Vorgängerin wäscht sich gerade die Hände. Oder die Tränen aus dem Gesicht. Sie kommt aus dem Bad und wir begrüßen uns freundlich. Dabei schauen wir uns kurz in die Augen, um die Gründe für das hiesige Zusammentreffen zu finden. Sie sieht so normal aus. Dann geht sie und ich bin allein in dem Flur, gehe ins Bad, um mir eines der Taschentücher aus dem Zahnputzbecher zu nehmen und in meinen…

Continue reading Sie sieht so normal aus

1 Comment

Jesko ist

Jesko ist einer dieser Menschen, die sich über die ständige Verwendung des Wortes Manufaktur aufregen. Jesko mag Männer nicht, die der vermeintlichen Klasse wegen Zigarillos rauchen anstatt Zigaretten. Jesko mag es auch nicht, selbst die Rolles eines sogenannten echten Mannes zu übernehmen. Denn das bedeutet, dass er nur auf der Seite der Badewanne mit dem Metallding sitzen kann, sobald er in einer festen Beziehung ist. Jesko stellt den Wecker so, dass die einzelnen Zahlen in der Quersumme sieben ergeben aber das ist keineswegs ein Zwang, würde er sagen, würde ihn jemand danach fragen, sieben ist vielmehr nur eine harmonische Zahl. Manchmal kann sich Jesko nur noch an die Eselsbrücke erinnern aber nicht mehr an das, woran sie ihn erinnern soll. Jesko gibt immer alles und nie auf. Jesko ist auch schwul. Aber das ist für ihn kein Thema.

Continue reading Jesko ist

Leave a Comment

# 1 poem – gelesen im Nuyorican Poets Cafe, NYC

Geschrieben Ende August im Bus auf dem Weg von Detroit nach Toronto. Gelesen Anfang September 2013 im Nuyorican Poets Cafe, New York, NY 236 East 3rd Street. #1 poem Five minutes eyes closed: Sky blue, no clouds. I’m writing down this line, Head up, grey all around. Phone rings, “it’s me”, Who else would it be? Talking about the weather? No, I do not agree. I hang up, just like that, You call back. Talking becomes serious, We’re not used to that. You come around to rescue, what we’ve got. But my eyes tell you Before I can: That you can’t go for something That you just pretend. Five minutes eyes closed: Sky blue, no clouds. I’m writing down this line, Head up, grey all around. My watch reflects the sunlight Towards your chair. It’s pointing at you. Ticking. But you’re still there. Coming back from the kitchen, I see you reading through my phone. Supposing, who the enemy could be. Switch it off, Baby. Our enemy is me.

Continue reading # 1 poem – gelesen im Nuyorican Poets Cafe, NYC

Leave a Comment

Grillwalker am Alex explodiert

Tommi brauchte eine Story. Ohne Story keine Reportage. Ohne Reportage kein Platz an der Axel-Springer-Akademie. „Eine dunkle, bitte.“ Seit Tagen stand Tommi am Alex, stopfte Bratwürste in sich hinein und wartete darauf, dass etwas passierte. Aber es passierte nichts. In ganz Berlin nicht. Und die Bewerbungsfrist lief. „Kann ich lieber das andere Brötchen?“ Die Geschichte musste Lokalkolorit haben. Das war Tommis Riesenvorteil gegenüber den unzähligen anderen Bewerbern. Den musste er ausschöpfen. „Noch ein bisschen mehr Senf, bitte.“ Es war seine Stadt. Er wurde in Berlin geboren. Er kannte die Ecken und Winkel. Er hatte Zugang zu den wirklich wichtigen Geschichten. Undercover die Probleme kleiner Leute aufdecken wie Peter Zwegert. Oder Günther Wallraff. Das ist es doch, dachte Tommi. „Sag mal,“ Tommi hob die Stimme wieder an, „ist das nicht super heiß da den ganzen Tag mit dem Grill vorm Bauch und der Gasflasche auf dem Rücken?“ Der Grillwalker zuckte mit den Schultern. Man dürfe eben nicht in der prallen Sonne stehen. Am nächsten Tag stand Tommi selbst auf dem Alex mit einem Grill vor dem Bauch und einer Gasflasche auf dem Rücken. Es könnte doch sein, dachte Tommi, dass alle Grillwalker auf dem Alex in Wahrheit investigative Journalisten sind. Man sieht doch, wie sie durch die Gegend starren…

Continue reading Grillwalker am Alex explodiert

Leave a Comment

Teil einer Kategorie

Wann kennt man jemanden nicht mehr? Es gab eine Zeit, da kannte uns niemand so gut wie wir. Wir waren mal ein Paar, liefen fast jede Nacht zusammen die Schönhauser runter. Oft war einer von uns, mal Du, mal ich, so besoffen, dass der andere ihn  halten musste. Wir arbeiteten von mittags bis nachts an unserem Traum. Und dann hast Du diese Kopfentscheidung getroffen, so hast Du sie damals genannt. Einen Monat lang hatte ich Bauchschmerzen, wenn ich an Dich dachte, dann traf ich meinen Mann. Und irgendwann begann ich, von Dir zu lesen. Erst Berliner Woche dann Tagesspiegel dann Tagesschau. Schauspieler des Jahres. Bekannt dafür, seine Rollen umzuschreiben. Einmal fragte mein Mann, ob wir in einen Deiner Filme gehen. Er mag den Hauptdarsteller, findet den irgendwie cool. Im Friedrichstadt Palast war neulich eine Premiere und Du liefst über den roten Teppich und ich auf der anderen Straßenseite von der Arbeit nach Hause. Ich wohne immer noch hier. Du mal hier mal da, steht auf Wikipedia. Wie würdest Du mich finden, wenn Du das wolltest? Und warum stellen sich alle Fragen nur in Deine Richtung? Nur-ich-und-Du, nie Du-und-ich. Ich denke an Dich als entgangene Chance. Wenn man nicht mehr zusammen…

Continue reading Teil einer Kategorie

Leave a Comment

High Heels und glänzende Leggings

Halb sieben aufstehen. Ich denke mir immer was dabei, wenn ich mich morgens anziehe. Das hängt natürlich von der Stimmung ab. Und oft spüre ich diese latente Morgengeilheit. Und dann will ich, dass man das sieht, erkennt, sich seinen Teil über mich denkt. Halb acht nackt, und dann glänzende Leggings und High Heels, yeah, und ich schaue die Typen an und erst eine Sekunde zu spät wieder an ihnen vorbei. Und dann wird die Frau vor dem Büro von der Straßenbahn überfahren. Und dann stehst Du da. Weißt nicht wohin, kannst nicht zurück, zitterst am Tisch und verdrückst die Tränen vor den Kollegen nicht, lässt sie raus, aus Dir heraus, von innen kommen sie, aus dem Inneren, fallen auf das Äußere, fallen drauf, prallen von der Leggings ab, von der Leggings und ihrem Glanz, der halb neun mit Dir nichts mehr zu tun hat.

Continue reading High Heels und glänzende Leggings

Leave a Comment

Disintegration

Ich will mich seit ich es kenne so fühlen wie dieses Mädchen, dieses eine, in Philo kommt es immer zu spät. Ich will so sein wie sie, will diesen Lebensstil, diese Herangehensweise an alle Dinge, das Tragische im Blick und den Gedanken, ihren Gedanken, hier irgendwie falsch zu sein. Ich find das so cool, ich merke, wie sehr das so ist wie ich und endlich habe ich herausgefunden, wie es geht. Ich muss dafür baden gehen, möglichst oft, muss Kippen rauchen, in der Wanne, und Weintrinken, auch oft, muss Musik hören, vor allem das muss ich mir angewöhnen, und muss beim Musikhören dann starren: an die Wand aus Fliesen, und muss dem Rauch beim Wallen zuschauen: erst auf, die Wand hoch, dann hinab, die Wand hinunter, in die Wanne rein, ungebremst vom Schaum, das muss ich machen, dann werde ich mich so fühlen wie sie. Falsch in dieser Welt und irgendwie the-cure-disintegration-mäßig.

Continue reading Disintegration

Leave a Comment

Inselbewohner

Vom widersprüchlichen Umgang der Digital Natives mit den Late Adoptern Eine seltsame Geschichte: Ein paar Menschen entdecken eine Insel. Bald sind sie sich sicher, dass ihr Umzug auf diese Insel ihre Leben schöner und besser gemacht hat. Deshalb rufen sie laut zum Festland rüber, dass alle Menschen von dort auf die Insel ziehen sollen. Die Menschen vom Festland zögern erst. Doch dann machen sie sich auf den Weg. Schon bald, in tiefen Gewässern, bringen Strömungen und Strudel sie aber in große Gefahr. Einige von ihnen gehen immer wieder unter und kommen nur mit größten Anstrengungen voran. Und jetzt kommt das Seltsame: Anstatt den Menschen zu helfen, das neue Land zu erreichen, stehen die Inselbewohner lachend am Strand und bewerfen sie mit Steinen. Dass die Inselbewohner die Menschen vom Land dazu auffordern, ihnen nach zu ziehen, um sie bei dem Versuch sodann im Stich zu lassen, ist widersprüchlich. Dieses Verhalten ist jedoch gar nicht so selten. Es begegnet uns fast jeden Tag. Und zwar im Netz. Es sind vor allem die Lobpreisungen der lauten Stimmen von dort, die immer öfter auch offline Gehör finden. Dieser Tage verkündet Sascha Lobo die Neuerfindung des Buches im Internet. Wenn es nach Apple ginge, würden…

Continue reading Inselbewohner

Leave a Comment

Bettenturm

Die Klingel des Aufzugs macht keinen Klang. Einen Ton schon. Aber der ist so hell, dass er eher ein Leuchten ist. Ich bin seit fast fünf Jahren im Bettenturm der Charité. Ich laufe viel, denn zwischen der Information und der Lieferantenauffahrt gibt es keinen Aufzug. Nur eine halbe Treppe nach unten. Ich wasche mir oft die Hände. Denn mir kommt hier mit der Zeit alles immer schmutziger vor. Keinen Türgriff kann ich anfassen ohne Ekel. Und wenn ich mal auf die Publikumstoilette gehe, weil unsere wieder kaputt ist, dann spüle ich die Pisse der Besucher aus dem Pinkelbecken, damit sich meine eigene nicht mit ihr vermischt. Unsere Intensivstationen sind nicht nach Krankheiten sortiert. - Falsch: Nicht unsere. Es sind die Intensivstationen der Charité, die nicht nach Krankheiten sortiert sind. Immer wieder mache ich diesen Fehler. Und manchmal, wenn ich mit dem Gefühl, kein externer Dienstleister zu sein, sondern dazu zugehören, den Satz wie aus der Pistole auf einen Besucher abschieße, dann lachen die umstehenden Ärzte und Schwestern mich aus. Nicht laut. Aber ich sehe es um den Mund. Vorhin nickte der Bezirksleiter Nord-Ost mir vom Aufzug aus zu, bevor er nach oben fuhr. Unser Auftrag wurde neu ausgeschrieben. Ob Securitas ihn noch mal bekommt ist unklar. Aber in einem…

Continue reading Bettenturm

Leave a Comment

Zum Tode von

Da stehen Sie ein Leben lang im Lichte der Öffentlichkeit. Irgendwann fällt es Ihnen auf: Ihr Wort hat Gewicht. Man ruft Sie an und fragt Sie nach Ihrer Meinung über die Dinge, die passieren. Sie werden gedruckt, Bilder von Ihnen erscheinen im Fernsehen, man beginnt, Sie zu zitieren, zu karikieren und Sie erkennen wenig später als Ihre Beobachter, dass Sie relevant geworden sind. Und dann lesen Sie so halb im Ruhestand die Zeitung, deren wichtigste Redaktion Sie jahrelang leiteten und die sich danach mit Ihnen als Hausautor schmückte. Und immer wieder begegnen Ihnen in dieser Zeitung die Nachrufe. Die für die Bosse im Wirtschaftsteil in der Mitte, die für die Künstler im Feuilleton davor, die für die Päpste und Politiker ganz vorn. Und aus der jahrelangen Arbeit in den Redaktionen wissen Sie, dass die Nachrufe alle fertig sind, bevor die Toten sterben. Melden sich die Toten nochmal zu Wort, bevor sie gehen, dann wird ein Satz ergänzt. Deckt einer ein lange gehütetes Geheimnis aus ihrer Vergangenheit auf, kommen zwei Sätze dazu. Aber der Haupttext wird irgendwann nicht mehr geändert. Der steht und steht dann da und dann sind Sie sozusagen im Wesentlichen fertig. Zum Tode von, fängt die Unterüberschrift immer…

Continue reading Zum Tode von

Leave a Comment

Clärchens Ballhaus (H 4)

Heimkehr in fünf Szenen. < Personen FRANZ ANDRES HANDWERKSBURSCH CHINUKKIN LOCKIGE FRAU BLACKY-OLLE MILF >* * Personenverzeichnis vom Herausgeber. Der Dramentext folgt der letzten überlieferten Handschrift H 4. Namen sowie Figurenbezeichnungen wurden nach Maßgabe von H 4 vereinheitlicht. Veröffentlichung des fragmentarisch gebliebenen Manuskripts auf Anregung Georg Böhms: *** 1. Szene Der Zapfenstreich geht vorbei, Andres voran. ANDRES. Siehst Du die Chinukkin dahinten? Auf 17:00 Uhr. (…) Von mir aus gesehen. Alter. Nicht 19, sondern 17, Junge. FRANZ (nach einer Pause). Krass. Optik Alter. ANDRES (geheimnisvoll). Hammer Fahrgestell. Wie bei Youporn. FRANZ. Ich sag dir, die Asia-Weiber gehen richtig ab. (Arbeitslücke von ein bis zwei Leerzeilen) HANDWERKSBURSCH. Aber da weißt Du auch nicht, was Du dir einfängst. 2. Szene Buden. Lichter. Volk. HANDWERKSBURSCH (starrt in die Gegend). Alter, die mit den Locken dahinten. ANDRES. Lecker, Orient-Style. FRANZ. Alter, vergiss es Mann. (Ihn ansehend mit Ausdruck.) Wer hat schon Bock auf Achsel. HANDWERKSBURSCH. Was? FRANZ (keck). Na wegen Jungfrau bei der Hochzeit. 3. Szene Es kommen Leute. FRANZ. Guck mal da, die Blacky-Olle. HANDWERKSBURSCH (tritt vor ihn). Das ist ein Arsch. ANDRES. Und wie die tanzen kann. HANDWERKSBURSCH. Ja aber Du musst sehen: Die hatte definitiv schon mal einen Schwarzen. ANDRES (verschüchtert). Stimmt. FRANZ (verstimmt). Definitiv…

Continue reading Clärchens Ballhaus (H 4)

1 Comment

Lieber Zwischenmieter (Sommerpause)

Hola, lieber Zwischenmieter! Ich freue mich, dass Du während meines Praktikums in Barcelona meine Wohnung hütest. Ins Festnetz ist das Telefonieren kostenlos. Ich schlage vor, wir machen das auf Vertrauensbasis, denn ich sehe ja online die Verbindungsübersicht. Der Schlüssel für das Buffet ist weg. Deshalb musst Du die Tür nicht ganz zu machen, wenn Du Dir Teller oder Besteck rausnimmst. Wenn die Tür zu sehr zu ist, kannst Du sie mit einem spitzen Gegenstand einfach aufhebeln. Aber pass bitte auf wegen dem Lack. Wenn man die oberen Fenster hinten- und vorneraus auflässt, hat man einen total schönen Durchzug. Wie am Mittelmeer! Aber wenn sich Wolken am Himmel abzeichnen, wärs cool, wenn Du zu machst. Achtung, die Wasserhähne tropfen, wenn man sie nicht ganz fest zu dreht. Wenn Post kommt von der Uni oder vom BAföG-Amt, dann mach sie bitte umgehend auf und schreib mir, was die geantwortet haben. Lass die übrige Post bitte zu und lege sie einfach auf einen Stapel, sodass sie chronologisch geordnet ist. Falls Du Fleischesser sein solltest: Bitte achte darauf, dass mein Kühlschrank für sowas nicht gedacht ist. Die Nachbarn oben stressen manchmal ein bisschen. Da kannst Du einfach die Polizei rufen. Die wissen schon Bescheid,…

Continue reading Lieber Zwischenmieter (Sommerpause)

Leave a Comment

Dass Du Thema bist (3, 2, 1 Deins)

Du kommst an und sie wirkt beschäftigt, fast so, als wärst Du unerwartet gekommen; wirkt noch mitten in einer Sache, fast so, als hättest Du nicht fünf Minuten zu spät, sondern zehn zu früh geklingelt; wirkt nicht ganz fixiert auf Dich, fast so, als gäbe es noch andere Dinge, als Dich. Alles anders, als erhofft aber eben nur fast. Denn dann trittst Du in ihr Zimmer und siehst: das Bett ist schon gemacht. Und Du erkennst, dass Du nicht erst seit Deiner Ankunft Thema bist und erinnerst Dich: wie Du beim letzten Mal Dein Bett bezogen hast. Und Du erinnerst Dich an die Gedanken, die Dir dabei kamen, die Gedanken an sie, erinnerst Dich, an Dich: wie Du vor der Decke stehst, mit den Zipfeln in der Hand, schon drei Stunden, bevor sie kam, erinnerst Dich, wie Du schüttelst und den gerade rechtzeitig getrockneten Bezug riechst und dabei lächelst, denn von Deinem Geruch war auch noch was drin und der ist wichtig, wusstest Du, auf den kommt es ihr an, hat sie geschrieben, Whatsapp, als sie in die U-Bahn stieg bei sich, und dass sie fast nicht mehr warten kann, auf Dich. An all das erinnerst Du Dich: wenn Du jetzt vor ihrem Bett stehst und die frisch bezogenen Kissen siehst und weißt, dass Du nicht erst seit Du fünf Minuten zu spät geklingelt hast, bei ihr bist,…

Continue reading Dass Du Thema bist (3, 2, 1 Deins)

Leave a Comment

Maximal Mokka

„Schultze, ich brauche zehn heiße Frauen.“ „Herr Ministerialdirigent, Verzeihung, ich fürchte, ich verstehe nicht.“ „Was gibt’s da nicht zu verstehen, Schultze? Besorgen Sie mir einfach zehn heiße Frauen auf mein Zimmer. Blond, braun, rot, schwarz, stopp: vergessen Sie braun. Ich brauche je dreimal schwarz, rot und blond. Neun müssen reichen.“ „Aber Herr Ministerialdirigent. Morgen ist doch der Pressetermin im Adlon. Da müssen Sie fit sein.“ „Wieso aber, Schultze? Also machen Sie einfach dreimal schwarz, dreimal rot und dreimal blond. Hebt den Finger und macht eine Pause. Aber machen Sie bei den Schwarzen nicht so richtig schwarz. Also Hautmäßig. Maximal Mokka, so dass man die Schrift noch lesen kann.“ „Herr Ministerialdirigent …“ Wird unterbrochen. „Was denn noch, Sie Idiot?“ „Verzeihung, welche Schrift?“ „Keine Ahnung, Schultze. Denken Sie sich was aus. Fuck Politics oder so, Free Tiere, No Atomstrom. Gucken Sie einfach in unser Wahlprogramm, Mann, und schreiben Sie das Gegenteil!“ „Ich verstehe. Aber, Herr Ministerialdirigent, der Pressetermin, Sie müssen fit sein morgen, denken Sie doch an Ihre Kandidatur.“ „Schultze, kümmern Sie sich einfach um die Frauen.“ „Sehr wohl, Herr Ministerialdirigent. Zu wann darf ich die Damen denn auf ihr Zimmer bestellen?“ „Was ist denn das für eine Frage, Schultze. Sobald die…

Continue reading Maximal Mokka

Leave a Comment

Dann

Wenn Du lügst, eine Zigarette genügt Dir, und dann hat sie doch zwei auf Deinem Wohnzimmertisch liegen lassen. Wenn Du den Namen liest und ahnst, das ist wieder einer dieser Widerstandskämpfer, die kurz vor Kriegsende im KZ gestorben sind. Wenn Du Kings of Convenience hörst und bei jedem Lied denkst, das ist das, an das Du immer denken musst. Wenn schwarz auf weiß verschwimmt zu grau. Wenn der Himmel über dem Dach hellblau wird und Dich an Vergangenheit erinnert. Wenn es sich dreht in Deinem Kopf und Du unsicher bist, ob nicht ein Buchstabe fehlt. Wenn Whatsapp wieder abstürzt und Du weißt, da ist eine Nachricht aber Du kannst sie nicht sehen. Wenn Du was schreibst, was Du nicht sagen darfst. Wenn ihr Foto still vor Dir und Dein Fenster in der Sommernacht offen steht. Wenn das Mädchen, das Du als Kind schon kanntest, in die Schweiz fährt, um sich das Leben zu nehmen. Wenn es keine Alternativen mehr gibt. Wenn das Dann keine Rolle mehr spielt.

Continue reading Dann

Leave a Comment

Schweinemensa

„Ich habe mit ihm geschlafen.“ „Was, bist Du jetzt schwul oder was?“, meine Freunde lachten und ich erklärte: „Es heißt das Mädchen, also habe ich mit ihm geschlafen.“ * Wenn ich vor meinen Kommilitonen von der Fachschaft Germanistik der HU die Gespräche mit meinen Freunden von zu Hause nachspreche, dann sage ich oft, dass die meisten meiner Freunde sicher nicht mehr meine Freunde werden würden, wenn ich sie heute kennenlernte. Ich benutze diesen Gedanken seit Jahren in Gesprächen, um zugleich von meinen Wurzeln in Zwickau und meinem aktuellen Stand zu erzählen. Und meine Kommilitonen verstehen das. Wir reden dann über die Entwicklung von Menschen und von dem guten Gefühl, das einem die alten Freunde immer noch vermitteln, wenn man sie sieht. Rückkoppelung. Bodenhaftung. Dass man sich bei ihnen wohlfühlt, nicht viel reden und argumentieren muss, sondern auch mal nur fernsehen kann oder kiffen. Dass man ihnen die Doofheit verzeiht und sie einem die oberlehrerhafte Agitation. Dass es gut ist, alte Freunde nicht zu verleugnen und zu ihnen zu stehen. Aber das tue ich gar nicht. Was wir bei alledem übersehen ist, wie illoyal ich bin. Als ich neulich mal wieder in der Schweinemensa sitzend kokettierte, dass meine alten Freunden heute alle nicht mehr…

Continue reading Schweinemensa

Leave a Comment

Autor gesucht Ausrufezeichen

Ich brauche eure Hilfe! Dieses Blog wird heute ein Jahr alt und zum Jubiläum soll kein Text von mir hier stehen, sondern einer, der seit über einem Jahr in meiner Küche hängt. Ich habe den Text in einer Disko gefunden, die sich in einer flachen Platte hinter dem Rathaus Mitte befindet und an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere. Der Text hing schwarz und in Times New Roman gedruckt auf einem weißen A4 Blatt an einer braunen Wand in der Nähe der Toilette (der Rest der Erinnerung ist noch diffuser). Ich machte ihn ab und nahm ihn mit und ich hoffe, mit seiner Veröffentlichung hier an den Autor zu kommen, nicht, um sein Freund zu werden oder über Seelenverwandtschaft oder anderen Quatsch zu reden, sondern um das zu machen, worauf es in Literatur ankommt, das, was mir auf diesem Blog im vergangenen Jahr ab und zu passiert ist und mich jedes Mal lächeln machte, das, was mein Schreibgrund ist, ich will: den Autor wissen lassen, dass sein Text krass cool ist und dass ich diesen Text mindestens einmal in der Woche lese, meistens beim Rauchen, und dass ich immer etwas anderes darin finde, weil der Text nicht viel vor-, sondern Raum gibt, dass er zwar nicht von mir ist aber es mir vorkommt, als sei er über mich. Hier ist er, der Text:…

Continue reading Autor gesucht Ausrufezeichen

Leave a Comment

Ex-Berliner (Darum)

Wie lange ich weg sein würde, hatte Max mich am Flughafen Tegel gefragt und ich konnte nur lächeln, nicht nach außen, so dass er es sah, sondern nur nach innen, sodass ihn mein Blick in Ruhe lies in dem Glauben, wir hätten uns in den letzten vier Jahren kennengelernt. Es war der falsche Weg, der nach Deutschland, das ist mir heute klar, aber was ist der richtige? Der zurück nach Astana? Ich war zwei Jahre lang die Vorsitzende der Informatik-Fachschaft an der TU-Berlin. Einmal war mein Gesicht sogar auf dem Titel unseres Unimagazins. Knallrote Lippen und Regelstudienzeit, das gefiel den Verantwortlichen. Meine Freunde und ich, wir tranken Vodka im Puro, kauften Kettchen auf dem Kudamm, standen, rauchten saufend, laut und tanzend und dann verliebten wir uns. Max und ich. Oder so. Einmal im Jahr zum Ausländeramt, einmal im Jahr sagen, dass wir auch vorhaben, zu heiraten, einmal im Jahr ach, sie können aber gut Deutsch, einmal im Jahr Danke-sagen und durchatmen, noch mal verlängert, einmal im Jahr kein Rausschmiss. Und dann bin ich doch gegangen. Zwei Jahre ist das her und in Kasachstan, da machen wir keine langen und kleinen Schritte wie die Deutschen mit Abitur, Studium, erste Liebe, Job,…

Continue reading Ex-Berliner (Darum)

1 Comment

Fussi, Schlesi, Görli, Kotti, Taxi

Also: ich hab den ganzen Tag gepennt. Und abends war ich erst beim Fußballtraining in Spandau und wusste schon, dass ich deshalb zu dem Geburtstag von Thao am Schlesi nicht pünktlich kommen würde aber ich war echt lange nicht mehr beim Fussi und ich wollte Präsenz zeigen, das Problem war nur, dass ich vorher noch eine Seite ausdrucken musste aber beim Drucker war der Druckschlitten blockiert, sodass ich am Ende erst halb acht beim Training war. Aber war alles okay und Rashid hat mich danach mit zum S-Bahnhof genommen und die S-Bahn kam auch gleich, zehn nach zehn war ich bei Thao in der Bar und Hakim sprach mich mit Namen an, ich kannte ihn noch aus der C-Jugend, also: er war damals B-Jugend und gehörte zu den Großen, ich hätte nie gedacht, dass der sich an mich erinnert, ihm gehört jetzt die Bar, ich war so von Spandau nach Kreuzberg? und er so ja, wegen Geld. Ich kannte auf dem Geburtstag dann eigentlich keinen weiter, da waren nur Kiffer mit breitem Grinsen, sone Leute, die so wackeln, wenn sie lachen und die die Schultern dabei hochziehen, mit solchen Leuten kann man ja nicht reden, obwohl das zu wissen natürlich das Gute ist an…

Continue reading Fussi, Schlesi, Görli, Kotti, Taxi

Leave a Comment

NSA OKAY

Ich will Dir einfach sagen, dass es okay ist. Dass Du dir nicht alles zu Herzen nehmen musst, was die Menschen im Internet sagen. Das sind nur die lauten, die, die wir hören, weil sie schreien. Aber die anderen sind auch da. Die leisen, die bei Dir sind. Du bist nicht allein. Dass man da so reinrutschen kann und dass dem Ganzen eine Idee zugrunde liegt, die mit Schutz, mit Sicherheit, mit Leben und Sorge um die Schwachen zu tun hat, das wissen diese Menschen und das sollst Du wissen. Und dass Du deine Familie ernähren musst, dass man so einfach selbst in Amerika keinen neuen Job mehr findet, das wissen sie auch und das sollst Du wissen. Dass nicht jeder ein Revoluzzer sein kann, dass nicht jeder ausbrechen, seine Frau für eine Idee verlassen, auf seine Heimat, seine Straße, den Mann im Supermarkt, der einen mit Namen anspricht, den Himmel, den man seit der Kindheit kennt, die eigene Sprache einfach verzichten will, das wissen diese Menschen und das sollst Du wissen und deshalb will ich Dir das sagen. Denn Du sollst die Zweifel aufgeben, die Dich quälen, seit dein Kollege alles öffentlich gemacht hat und Du sollst weiterleben aber:…

Continue reading NSA OKAY

Leave a Comment

Quasi gar nicht da

Anderes Land, andere Zeitzone, quasi gar nicht da, könnte man sagen. Sagt er. Hat er gesagt, irgendwie jedenfalls, als er mir erklärte, dass ich das alles nicht falsch verstehen dürfe, nicht überreagieren solle, aufs Überreagieren ohnehin keinen Anspruch habe, weil wir doch von Anfang an nicht ein einziges Mal über Verbindlichkeit gesprochen haben, Verbindlichkeit nie angesprochen haben, sagte er, Verbindlichkeit nie ausgesprochen haben, dachte ich. Zweieinhalb Jahren lang nicht. Nicht als wir uns monatlich, nicht als wir uns wöchentlich, nicht als wir uns irgendwann fast täglich sahen, sprachen wir sie aus. Aber taten doch so, warf ich ihm vor. Dass Ansprüche, wenn überhaupt, nur eine, nämlich seine Frau und nicht ich stellen dürfe, gab er zurück und dass er deshalb jetzt zu ihr ziehe, Amerika. Deshalb war er sooft da. Ganz viel wurde mir auf einmal klar. Kinder Fragezeichen, vier Antwort. War noch nie drüben. Und zu keiner Zeit bei ihm.

Continue reading Quasi gar nicht da

Leave a Comment

Und ich sehe den Toten beim Leben zu

Schauspielerin Hildegard Krekel an Krebs gestorben, las ich letzte Woche und las schon fast woanders weiter, weil ich nicht weiß, wer das ist, dachte ich, und sah dann noch im Augenwinkel Ein Herz und eine Seele da stehen, den Titel dieser Serie, die wir immer sahen, und dann kamen sie mit einem Schlag hervor, aus der Erinnerung, die Bilder von unserem Sofa in Karow, auf dem ich hockte, saß und lag, das Sofa, das erst ausgewechselt wurde, als ich nicht mehr mit meinen Eltern Fernsehen guckte und die Erinnerung wurde stärker: Diether-mit-H Krebs, an einem Krebsleiden gestorben, Krebs-Krebs, ha-ha, haben wir damals auf dem Basketballplatz in Lichtenberg gelacht, als wir noch nicht wussten, was man zu dem Gefühl, das man dann hat, sagt. Schwarz-weiß und später bunt und: Dann sehe ich den Toten beim Leben zu. Mit dem nächsten Blick in die Erinnerung. Sehe mich hocken, sitzen, liegen und zusehen, wie sie über Ekel Alfred lachen, über Ekel Alfred resignieren, über Ekel Alfred schimpfen, mit Ekel Alfred kochen, neben Ekel Alfred Fernsehen gucken und neben Ekel Alfred selbst auf Sofas sitzen, die Toten, schwarz-weiß, später bunt. Erinnerung. Und ich sehe sie leben. Und wie sie spielen. Fernseher an, Best-of-Ekel-Alfred, wieder mal…

Continue reading Und ich sehe den Toten beim Leben zu

Leave a Comment

Startup-Amt

„Herr Kaminski, bitte.“ Kaminski war aufgeregt. Nach dem Umzug von Köpenick nach Mitte wechselte die zuständige Arbeitsagentur und mit ihr die zuständige Sachbearbeiterin. „Tach-schön.“ Kaminski trat ein. „Guten Morgen, Herr Kaminski, setzen Sie sich.“ Die Sachbearbeiterin schien Kaminski wohlgesonnen. „Herr Kaminski, mein Kompliment zunächst. Nicht viele Langzeitarbeitslose trauen sich, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Ich habe ihren Brief erhalten. Erzählen Sie mal.“ Kaminski räusperte sich. „Also. Ich habe nach der Schule eine Ausbildung zum Elektriker gemacht. Dit war noch zu DDR-Zeiten. Aber da gibt’s heutzutage keine Anstellung mehr. Und da habick mir jetzt jedacht, nimmste dein Schicksal selbst in die Hand und machst dich selbstständé, wa. Ick sag ma Elektroinstallation oder sowat.“ Die Sachbearbeiterin lächelte. „Verstehe, Herr Kaminski. Sie wollen ein Tech-Startup gründen.“ „Ein wat?“ „Da sind Sie bei uns genau an der richtigen Adresse, Herr Kaminski. Die Arbeitsagentur-Berlin-Mitte ist auf Startups spezialisiert.“ Kaminski nickte. „Also!“ Euphorisch band sich die Sachbearbeiterin die Haare zusammen. Sie nahm ein Blatt zur Hand. „Schauen Sie mich an.“ Die Sachbearbeiterin fokussierte Kaminski. „Scharf?“ Kaminski stockte. „Ich frage nur. Unsere Gutscheine für Hornbrillen sind fast alle. Die gehen unter den Gründern weg wie warme Semmeln.“ Kaminski flüsterte. „Ne danke, allet scharf.“ Die…

Continue reading Startup-Amt

1 Comment

Roter Iro – Die Zeit nach den Haaren

Geht das auf Kasse? Okay. Hören Sie zu: Ich bin so … kann man das sagen: inkonsistent? Ich glaube, das ist es. Deshalb brauche ich Ihre Hilfe. Ich bin da in irgendwas reingeraten und komme nicht mehr raus. Nicht dass ich das wollte. Das weiß ich gar nicht, ob ich das will, also raus, und zum Wollen gehört ja Wissen und, sehen Sie, da fängt es schon an: Diese schlauen Sätze von mir. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, dass ich Akzente setze und das baut einen Druck auf. Warten Sie, ich muss das nur kurz twittern. – Also: Als ich mit meinem roten Iro in den Zeiten der Internetblase anfing, da war alles noch einseitig und klar: Internet-Punk. Booom. Aber das hat sich geändert. Die Dinge sind mehrseitig geworden, multikausal, verstehen Sie? Und dann ist mir die Scheiße irgendwie entglitten, ich komme da nicht mehr hinterher. Mein Straight-in-eine-Richtung-Konzept, also, das passt in dieses veränderte Internet seit Jahren nicht mehr rein und das habe ich begriffen und mich angepasst. Aber nur so halb, nur nach innen, verstehen Sie? Nach außen sieht es immer noch so straight-in-eine-Richtung aus. Auf den ersten Blick, meine ich. Roter Iro. Sehen Sie nicht? Aber sobald…

Continue reading Roter Iro – Die Zeit nach den Haaren

2 Comments

Von der Versehrung meines Körpers

Ich war unversehrt Dann wurde ich geboren Bald kam die Pockenimpfung und mit ihr die zwei Kreise auf meinem Oberarm Dann kam das Bein von Sven in meinen Lauf und mit ihm die Narbe auf meinem Knie Dann kamen die Pickel und mit denen lauter Löcher Es folgten die Jahre und mit ihnen der Schatten unter den Augen Dann kamen eine andere Narbe am Bauch und die Enge in der Brust vom Rauchen Der Belag auf der Stimme vom Saufen Und dann kam Bosnien Und wir kamen auf engen Wegen Und wie wir so fuhren, in Schleifen, die Berge hinauf, sahen wir Steine Und sahen sie nicht Und stürzten hinab, in unseren Wägen Ich kam früher nach Haus, als gedacht Zwei Beine ab Ich saß, als ich dich zum ersten Mal da liegen sah Wurdest in der Zwischenzeit geboren Da bin ich verwundbar geworden.

Continue reading Von der Versehrung meines Körpers

Leave a Comment

Spiegel-Lesen

Du kaufst dir doch kein iPhone, sondern ein Android, weil das System offen ist. Und dann nimmst Du weniger Waschmittel, weil die Wäsche ja auch gar nicht so richtig schmutzig wird. Dann fängst Du an mit Drehtabak, weil das viel echter schmeckt, als Gekaufte. Du fährst Fahrrad und nicht Bahn, denn das geht in der Stadt viel schneller. Im Görli wird man auch braun, sagst Du und Surfen in Marokko ist für Spießer. Second-hand ist cool und originale Chucks sinds nicht. Dass deine Mitbewohner in den großen Zimmern ständig laut ficken, ist kein Argument mehr gegen eine WG, denn Du magst es, wenn was los ist. Nach dem Bauen bist Du nicht der, der haut, weil Du nichts dabei hast von dem, was man zum Bauen braucht, denn das ist ja schädlich, okay, einmal ziehen wird schon gehen. Wedding ist dein neues Neukölln. OBEY ist Kommerz. Drinks schmuggelst Du ins Kater Holzig, weil das ne mega witzige challenge ist. Du bist ne Jute und your other bag is Chanel. Hast nur noch Wasser in der Club Mate Flasche, denn … Zucken mit den Schultern und ein Lächeln. Nimmst eine Pappstiege, weil Plastiktüten die Umwelt verpesten. Bist nicht verschwenderisch, entscheidest global, ganzheitlich, nachhaltig. Stimmst für das bedingungslose…

Continue reading Spiegel-Lesen

5 Comments

Manfred Krug

Und dann sprengt dieser Satz alles in deinem Kopf und es bleibt nur er zurück, weil er das ganze Hickhack zusammenfasst, auf einen Punkt bringt, den Punkt an seinem Ende, und weil Du nicht mehr die Fäden verlierst, wie das beim Denken im Zusammenhang mit Liebe ja immer so ist, nicht nach vorn und nicht zurückspringen musst, weil Du es gar nicht mehr kannst, sondern stehen bleibst, weil dieser Satz es dir endlich erlaubt, durchatmest, weil Du es nach Wochen zum ersten Mal darfst, lachen kannst, weil Du es zum ersten Mal kapierst. Das, was abgeht. Das mit Dir. Das, was der Satz einfach sagt. Das wird ganz schlimm für mich, wenn Du mich mal verlierst. Und ich hab kapiert, dass ich es sein werde, der geht und der dir, wenn Du nach deiner Flucht vor mir irgendwann zurückkommst, die Tür nicht mehr aufmacht, sondern dahinter steht und weint. Ich hab es verstanden. Der Satz hat es mir erklärt, obwohl er da, wo ich ihn herhabe, gar nicht zu dem gehört, was gesagt werden sollte. Er steht für sich und steht für mich und sagt mir, dass ich es sein werde, der Dich versteht und der dann Schlüsse und dann den Schlussstrich zieht. Mein…

Continue reading Manfred Krug

Leave a Comment

Venture Capital Berlin

„Berlin ist die Venture Capital of Europe.“ Theodor unterbrach sich. „Haha, kleiner Scherz von mir. Startupmäßig ist die Stadt natürlich vollkommen overrated.“ Theodor verlor seinen Gewinnerblick für keine Sekunde. Ich lachte mit. „Sorry.“ Theodor lächelte und hielt dem Kellner einen Fünfziger hin. „Prost.“ Theodor knallte sein Bier gegen meines und trank. „Und was machst Du?“ Ich erzählte Theodor von meiner Idee und dass ich die Startup Lounge nutzen wollte, um Leute kennen zu lernen, die mir bei der Umsetzung helfen. „Das ist gut. Seed Camp, Startup-Bootcamp, Hackathon, Next Berlin: Networking ist das A und O.“ Theodor richtete seinen Zeigefinger auf mich. „Alpha bis Omega, sage ich immer.“ Ich nickte. „Aber verschwende Deine Zeit nicht mit den kleinen Fischen. Wir haben jedes Jahr 700 Investments.“ fuhr Theodor fort, „Mit unserer Hilfe sind 100 Gründer zu paper millionairs und zehn zu richtigen geworden.“ Theodor ließ mir eine Lücke, um etwas zu sagen aber ich wusste nicht, was. „Sowas schafft man nicht alleine. Kaum ein Startup hat den richtigen Fokus fürs business. Die Idee ist 30 Prozent des Erfolgs. Deine ist gut. Aber nur wir bringen Dich zu den core issues. Lacking market orientation? Wir orientieren Dein Produkt am Markt. Know your margin! Wir sorgen dafür, dass der Gründer sich…

Continue reading Venture Capital Berlin

Leave a Comment

Es lag

Es lag nicht an der Packung Tageslinsen, die auf dem Waschbeckenrand lag. Es lag nicht an der Farbe der Kondompackung, die sie im Papiermüll zwischen den Zeitungen leuchten sah. Es lag nicht an der Haarspange unter dem Kleidersack, nicht an dem Haar auf ihrem Küchenstuhl, nicht daran, dass er das Handy nicht mehr auf dem Tisch liegen ließ, es lag nicht daran, dass er frisch geduscht war mitten am Nachmittag, es lag allein an seinem Blick. Der wich ihrem aus. Da hat sie es gewusst.

Continue reading Es lag

3 Comments

Deutsche Bank Kunsthalle – Die Schlange und der rote Faden

Die Schlange war so lang, sie reichte bis zum Eingang. Die Schlange stand. Und in ihrer Mitte begann ein Gespräch über Kunst. „Ist das Lady Gaga?“ „Ja, Acryl und Aquarellmix. Diese Technik habe ich selbst entwickelt.“ „Was machen die eigentlich mit unseren Bildern?“ „Die verkaufen die Bilder auf dem Schwarzmarkt. Und dann bringen sie das Geld zur Bank und die parkt das auf …, wie heißt das, na, hier, der Schäuble nennt das immer Schlupfloch.“ „Ja, ich weiß schon. Um rauszufinden, wo das Geld hinfließt, brauchst Du schon einen ganzen Geheimdienst.“ „Wie der BND hier vorne an der Chausseestraße.“ „Die sind ja immer noch nicht fertig, weil die Pläne geleakt wurden. Jetzt müssen die alles neu bauen.“ „So, wie beim Flughafen.“ „Genau. Desaster. Das muss man sich mal vorstellen. Da hängen ja auch Arbeitsplätze dran.“ „Ich war selber mal eine Weile lang arbeitslos.“ „Ein Bekannter von mir auch. Der musste dann zum Arbeitsamt nach Lichtenberg oder so. Das sah aus da, sagt er. Mit Paternoster und so. Direkt wie bei der Stasi. Und das hat man bei den Mitarbeitern auch gemerkt.“ „Mich haben die damals erst mal eine Stunde warten lassen.“ „Da können Sie sich sicher sein, da stecken noch…

Continue reading Deutsche Bank Kunsthalle – Die Schlange und der rote Faden

1 Comment

Junger Mann (Repeat Rewind)

Die Dinge beginnen, sich zu wiederholen Sie haben aufgehört, zum ersten Mal zu sein Nicht die erste große Liebe, nein, die vierte zog mir gerade die Beine weg Schwach geworden Blieb ich auf dem jump seat sitzen Noch mal los Wieder nicht angekommen. Die Dinge beginnen, sich zu wiederholen Sie haben aufgehört, zum ersten Mal zu sein In einem fremden Land der einzige, beim zehnten Mal nicht mehr so schlimm Und ganz ohne Kulturschock krieg ichs hin Beim Geburtstag noch an den letzten erinnern, oder wars der davor, ich komme durcheinander Kommt man ja Sehe den Himmel über Amerika Und erkenne mal wieder, ja, er ist anders hier, als drüben Aber noch bevor ich den Gedanken benenne, ist das Taxi da, das ich mittlerweile bezahlen kann Zum Hotel bitte, ja, und zwar in das, in dem ich nicht mehr darüber staune, dass ich seit irgendwann mit Respekt behandelt und dann gesiezt und dann mit Doktor angesprochen wurde Das Hotel, in dem ich irgendwann erkannte: Ich bin alt genug geworden, um junger Mann genannt zu werden. Die Dinge beginnen, sich zu wiederholen Sie haben aufgehört, zum ersten Mal zu sein Ich bin nicht mehr auf dem Weg, erwachsen zu werden, nein, bins längst geworden Unbemerkt,…

Continue reading Junger Mann (Repeat Rewind)

Leave a Comment

Case Study Unternehmensberatung, Schwerpunkt: Management Consulting

Der CEO nickte. Dass er sich von nun an nicht mehr Geschäftsführer nennen solle war ein Vorschlag, den er gerne annahm. Nur ein Idiot würde sich den gesellschaftlichen und globalen Entwicklungen verschließen, die ihm der Consultant gerade in einem eindeutigen Chart visualisiert hatte. „Kommen wir zu den Rauchern: Durchschnittlich fünf Zigaretten pro Tag und Raucher a sieben Minuten zugrunde gelegt, kommen Sie mit der Zeit für das An- und das Ausziehen der Jacke, der Wartezeit für den Aufzug, einmal hoch und einmal runter, und der Gewöhnungsphase von mindestens einer Minute vor dem Computer bei nach unserer Erhebung 14 offiziellen Rauchern, wobei mit einer Dunkelziffer von wenigstens plus zwei Gelegenheitsrauchern zu rechnen ist, auf 196 Minuten zusätzlicher Pausen pro Tag, das sind 16,3 Arbeitsstunden pro Woche und das macht 13.067 verlorene Euro pro Monat. Und davon haben Sie nichts.“ Der CEO schärfte seinen Blick. Die Raucher waren ihm seit Langem ein Dorn im Auge. „Unser Psychologe PD Dr. Pfeiffer, eine ausgewiesene Instanz auf seinem Gebiet, ist zudem der Auffassung, dass Ihr Controller, Herr Müller, mit der Leiterin der Poststelle, Frau Müller, in einem persönlichen Näheverhältnis steht.“ Der CEO nickte. „Reden wir über Schultze. Sie erkennen die innere Opposition dieses Mitarbeiters zum…

Continue reading Case Study Unternehmensberatung, Schwerpunkt: Management Consulting

Leave a Comment

Tina

Die Eheleute Detlef und Anne wollten zusammen mit ihrer Tochter Tina in den Sommerurlaub fahren. Da traf es sich gut, dass es im Reisebüro ein Sonderangebot gab: 50% für Familien. Familien im Sinne der Anzeige seien aber nur solche, die zwei Kinder haben, erläuterte die Mitarbeiterin. Aber das war kein Problem. Denn die Mitarbeiterin und Anne kannten sich aus der Kindheit, die sie gemeinsam in Spandau verbrachten, wo sich diese unglückliche Geschichte zutrug. Anne schlug vor, einfach ein zweites Kind in das Buchungsformular aufzunehmen: Paul, männlich, sieben Jahre alt. Die Mitarbeiterin nickte. Beide lachten. * Beim Check-In gaben Detlef und Anne an, dass Paul krank und bei der Oma geblieben sei. Anne war etwas mulmig. Als sie wieder nach Hause zurückkamen stand das Jugendamt vor der Tür. Man habe einen Hinweis erhalten. Wo Paul sei, wollte die Frau wissen und wo er geboren wurde. Denn im Geburtenregister sei er nicht zu finden. Und Detlef und Anne waren unsicher, was zu sagen war, aber sie versicherten der Frau, dass es Paul gut gehe und die Frau notierte das und ging, denn sie hatte noch viele andere Fälle. Als Paul auf das Gymnasium hätte gehen müssen, kam ein Brief. Detlef war in der Zwischenzeit zum Richter…

Continue reading Tina

Leave a Comment

Zum Türken

Komödie in drei Aufzügen In moderner Übersetzung von Ch. Knappe ERSTER AUFZUG Mendelssohn-Bartholdy-Park BÉLINE (tritt als letzte in den Waggon). Wo geht ihr jetzt, hey, wo geht ihr? ANGÉLIQUE. Wo steigen wir jetzt aus? LOUISON. Zoologischer. CLÉANTE. Wo gehen wir dann? BÉLINE. Ich geh schon Nollendorf. ANGÉLIQUE. Wieso? BÉLINE. Na ich geh zu den. LOUISON (bewegt die Lippen, als spräche sie). Wieso? BÉLINE. Na ich geh nicht zu den nach Haus, nur mit. ANGÉLIQUE. Wer ist er überhaupt? BÉLINE . Ist doch egal. (Béline steht auf.) CLÉANTE. Geh ma, geh ma. BÉLINE. Tschüß, wir sehen uns morgen. (ab.) ANGÉLIQUE. Geh ma. BÉLINE (ruft hinter der Szene). Laba. ZWEITER AUFZUG Nollendorfplatz ANGÉLIQUE. Wo seid ihr morgen? CLÉANTE. Ich geh Schule. BÉLINE. Haha. ANGÉLIQUE (blickt sie schmachtenden Auges an und sagt verständnisinnig zu ihr). Bist Du behindert? Morgen ist Opferfest. BÉLINE. Nein Freitag. ANGÉLIQUE. Nein Donnerstag. CLÉANTE. Ist doch egal. ANGÉLIQUE (spottet sie aus). Haha stimmt. Na geh ma. Bist eh kein Moslem. CLÉANTE. Nein, dann komm ich nicht. Was soll ich alleine machen in Schule? (ab.) DRITTER AUFZUG Deutsche Oper ANGÉLIQUE. Also sie ham so ein Haus, weißt Du? Und ich sag so zu mein Cousin, sie kann doch voll mit den Arbeiter dort rum machen, wenn er die Sachen nicht selbst installiert. BÉLINE (unterbricht sie). Walla?…

Continue reading Zum Türken

1 Comment

#Fressehalten

Neulich gab es die #Aufschrei-Debatte. Die nahm man hier und da zum Anlass, mal ganz grundsätzlich über das Verhältnis von Männern und Frauen nachzudenken. In ihrem Beitrag in der FAZ schloss die (total tolle) Publizistin und Moderatorin Tina Mendelsohn, dass es um nicht weniger gehe als „einen großen kulturellen Wandel, um ein zivilisatorisches Projekt“. Die SPD-Fraktion im Bundestag meint auf ihrer Facebook-Seite, „handfeste Konsequenzen“ haben nun zu folgen. Der Ex-Familienminister Heiner Geißler forderte bei Anne Will gar, „Männer müssen sich ändern“. Und etwas weniger fundamental fand die aktuelle Familienministerin Christina Schröder (CDU), sexuelle Belästigung solle unabhängig vom Einzelfall als Dauerthema diskutiert werden (Focus). Es genügt bereits, die Mindestforderung Schröders heranzuziehen, um zu erkennen: der #Aufschrei ist verhallt. Die TAZ fasst – einem Nachruf gleich – bereits die Bewältigungsmechanismen der verschiedenen Lager zusammen. Aber nicht nur in der Peripherie, nein, auch an der Quelle von #Aufschrei ist es ruhig geworden: Wer jetzt nach #Aufschrei bei Twitter sucht, erkennt auf den ersten Blick: es wird nur noch Spaß gemacht (Zitat: „Warum gibt es keine Gummibärchen-Schlumpfine? #Aufschrei #Diskriminierung“. Nun: man könnte gegen die Relevanz dieser Beobachtung einwenden, dass Debatten nie weiter geführt werden, wenn die erste Aufregung zu Ende ist. Organspendenskandal. Noch im…

Continue reading #Fressehalten

7 Comments

Das Arschloch mit Tiefsinn fisten

Ich bin ein Mädchen und ich wohne in Charlottenburg-Nord aber darauf kommt es nicht an, es kommt nie darauf an, wer Du bist, sondern auf das, was Du machst, sagen die, die solche Sachen über das Leben gerne sagen, denn sie stehen drauf, das Arschloch mit Tiefsinn zu fisten, sagen andere, aber auch auf die kommt es nicht an, das ist das Backend, die Rückseite, but I don’t give a shit, denn ich versende nur Postkarten und zwar an jeden, dessen Adresse ich bekomme und was anderes schreibe ich auch nicht drauf, nur die, die Adresse, und ich erzähle auch niemandem außer Dir, dass ich das tue aber auch das ist alles noch egal, die Vorderseite entscheidet, auf die kommt es an. Denn auf die Vorderseite klebe ich postenkartengroß das Bild, das Google Street View anzeigt, wenn ich die Adresse des Adressaten eingebe, da wird dein Gehirn gefickt, wenn Du eine Postkarte mit deinem Haus drauf im Briefkasten findest und nicht weißt, wer sie geschrieben hat, wer sich da zu Dir in ein Verhältnis gesetzt hat; an Tresen von Bars und neben Lautsprechern von Clubs um den Savignyplatz herum hab ich das schon von vielen Leuten gehört, die kein anderes Thema mehr haben als dieses Projekt eines…

Continue reading Das Arschloch mit Tiefsinn fisten

Leave a Comment

Verhandlungssicher

„Ich grüße Sie! Haben Sie vielen Dank für die Einladung!“ „…“ „Klar, sehr gerne. Ich fange mal vorn an: Ich war drei Jahre lang Mitglied der Schulkonferenz. Dass das das höchste Gremium im Schuldbetrieb ist, muss ich Ihnen nicht sagen. Ich habe in dieser Zeit ein Symposium mit dem regierenden Bürgermeister Wowereit erstens vorbereitet, zweitens durchgeführt und drittens moderiert. Dann habe ich den Vorsitz der Gesamtschülervertretung übernommen. Aus der JU bin ich nach einem Jahr ausgetreten und zwar wegen unüberbrückbarer politischer Differenzen mit dem Vorstand. Das möchte ich betonen. Den nächsten Höhepunkt in meiner Auseinandersetzung mit Politik, dem Staat und seiner Steuerung bildete die Gastvorlesung von Prof. Dr. Joseph Isensee an der Freien Universität Berlin, an der ich mit Erfolg teilgenommen habe. Das hat mein Staatsverständnis in vielerlei Hinsicht mitgeprägt. Schließlich habe ich das Grundstudium der Politikwissenschaften in zwei statt der vorgesehenen drei Semester absolviert. Ich spreche Englisch verhandlungssicher und ich habe Grundkenntnisse in Französisch. Das heißt, ich kann das grundsätzlich auch fließend sprechen, es ist sozusagen nur etwas eingerostet aber ich mag den Klang der Sprache sehr und ich habe großes Interesse an Land und Kultur. “ „…“ „So viele Bewerber?“ „…“ „Frauenquote. Ja. Das verstehe ich. Selbstverständlich. Gleichberechtigung…

Continue reading Verhandlungssicher

Leave a Comment

Ohne Fragezeichen

Du bist da gestern Abend vielleicht in einem Zustand gewesen, in dem es Dir nicht auf die Probleme mit Dir ankam und in dem die Flucht vor Dir, die Du so hasst, vielleicht nicht mehr beendet war, vielleicht nicht mehr unterbrochen war, gewiss: keine Rolle spielte. Als Du zu Dir gefunden hattest, vor ein paar Wochen, da warst Du plötzlich weg von mir. Das war der Grund. Habs eben noch mal nachgelesen, kannte ihn eh auswendig. Hattest keine Zeit mehr für mich, als Du sie für dich brauchtest. Und gestern Abend, da hast Du mir viermal geschrieben. Warst Du da wieder weg von Dir, bist Du wieder geflohen. Warum zu mir. Das war nicht, als hätte mich der Schlag getroffen, das war auch nicht, als hätte alles um mich herum angefangen, sich zu drehen, das war nicht, als rutschte mir das Herz in die Hose, es war ganz normal. Ich hab geschmunzelt, so wenig, dass die anderen es nicht einmal sahen. Ich dachte, hab versucht nicht zu fühlen, ich dachte, hab dann doch gefühlt, weiß nur nicht was, ich dachte jedenfalls, dass es Dir besser gehen würde in diesem Moment, gestern Abend, in diesen vier Momenten, in denen alles so…

Continue reading Ohne Fragezeichen

Leave a Comment

Ronny

Komm Ronny, wir machen los, Mutti ist schon drüben. Ronnys Papa hatte Nachtschicht gehabt und sich am Morgen noch hingelegt. Ronny hatte den Vormittag ohne Beobachtung genutzt und ferngesehen. Am Abend zuvor war die Mauer gefallen. 15 Jahre später schrieb Ronny sich für das Wirtschaftsrechtsseminar in der HU ein. Ich bin Karl und komme aus Münster. Ich bin Sophia und komme aus München. Ich bin Ronny und komme aus Marzahn, schloss Ronny die Einführungsrunde und keiner sagte was, so wie wenn einer aus Versehen pupst. Als Ronny dann Ende zwanzig war, hörten die meisten Leute auf zu denken, dass alle aus Marzahn Nazis sind. Da konnte Ronny endlich aufhören, Ayran zu trinken. In Frankreich sind anonyme Bewerbungen schon seit Jahren üblich, dachte Ronny, als im Sommer nach dem Examen die Absage von Freshfields kam. Leider müsse er ihm mitteilen, dass derzeit keine Position in dem Geschäftsbereich frei sei, für den Ronny sich beworben hatte, schrieb Karl. Was da eigentlich mit ihm los gewesen sei, begann der Staatsanwalt im Winter darauf sein Plädoyer. Er habe doch alle Chancen gehabt, fasste Sophia zusammen und erteilte Ronny das letzte Wort.

Continue reading Ronny

Leave a Comment

Chrom-Schwarz

Es ist so geil, wenn Du am nächsten Tag mit dem Bus dran vorbei fährst. Dein Herz schlägt immer noch. Und Du bist der einzige, der einfach mal weiß, was da letzte Nacht abging. Das ist wie so eine Tatort-Tour durch LA. Nur dass Du der Täter bist. Ob einer gut ist, erkennst Du beim Bomben. Wildstyle, Schnörkel, Schatten, Fadings, Highlight, Outline, Secondline, Thirdline, Fill-In mit vier Farben: Das kann jeder. Aber Chrom-Schwarz, Mann, da musst Du Gefühl für haben. Proportionen entscheiden da über alles. Das ist noch mal was anderes. Unsere Maximen sind: Schnell, Effizient, Groß. SEG-Crew, Mann. Die Buchstaben sind nicht optimal, da musst Du was können. Das E in der Mitte, das ist hart, Du musst dem Balken einen Flow geben, damit er zu den anderen passt. Du musst immer in Balken denken. Balken sind alles. Maximal ein rotes Highlight kannst Du setzen. Wir machen nur Straße. Das ist sone Typsache, ob Du eher Straße machst oder Trains. Für mich ist das nichts. Ein Throw-Up, wenn Du gerade am Aussteigen bist, okay. Aber kein komplettes Piece, Mann. T-to-B, E-to-E und so ist schon geil. Aber halben Tag fährt er und dann wird er gebufft. Auf der Straße…

Continue reading Chrom-Schwarz

Leave a Comment

Fick deine Mutter

Meier aß die zwei Scheiben Toast mit Butter eigentlich nur, weil man das so macht. Einfach nur Kaffee, Kippe, Kacken, das finden die Menschen asozial. Aber Meier war Vertriebsleiter Nord-Ost. Also aß Meier weiter. Meier hatte sich an diesem Tag freigenommen aber er hatte das vergessen. Es war das erste Mal seit Monaten. Meier legte die Jacke wieder ab und schrie Fick deine Mutter durch den begehbaren Kleiderschrank, wie das kleine Mädchen aus Super-Nanny es gestern Abend im Angesicht seines Bruders tat. Dann lachte er, lachte sogar ganz laut darüber, wie lustig das war und stürzte über seine Schuhe, die er sonst beim Verlassen des Kleiderschranks schon anhatte. Meier schlug mit dem Kopf auf das Thermostat und blieb liegen. Meier wachte auf, als der DHL-Mann klingelte. Da war es neun. Ein Paket für Schultze. Meier legte sich wieder hin. Er kühlte die Beule. Fick Schultze. Meier wachte ein weiteres Mal auf, als der Mann von der Berliner Woche klingelte. Da war es dreiviertel zehn. Meier bitte auslassen. Ein weiteres Mal wachte Meier erst gute anderthalb Stunden später auf. Er nahm den Summer ab. … Sein Lieblingsradiosender? Ja, Herr Meier, schön, dass ich Sie mal antreffe. Ich probiere es schon seit Monaten. Herr Meier, was hören Sie zum Beispiel morgens…

Continue reading Fick deine Mutter

2 Comments

Aus dem Danach

Es ist, als wäre nichts mehr da, ich glaube, das war schon mal so, jetzt ist es wieder da: nichts. Zumindest weniger, ich merke das, ganz deutlich, wie es weniger geworden ist, das mit Dir. Ich fahre natürlich noch zusammen darüber wie schade es ist, dass ich nicht mit Dir Hand in Hand gehen kann, wenn ich daran denke, dass wir das hätten machen können. Aber es ist keine unendliche Traurigkeit, die sich dann unter meinen Alltagsgeschäften verborgen in solchen Momenten offenbart, nein, es ist dann auch wieder vorbei. Und am Morgen merke ich es auch. Natürlich denke ich noch jeden Morgen beim Aufwachen an Dich. Aber auch hier ist keine Schwere da und kein Leid. Es kommt mir vor, als würde sich mein Körper daran erinnern, wozu er in den letzten Wochen morgens immer gezwungen war: Denk an sie, sei dann traurig. Und als würde er, mein Körper, hierzu in der Routine der letzten Wochen auch jetzt noch jeden Morgen ansetzen, so kommt es mir vor, aber eben nur so: ansetzen. Am Abend dasselbe und am Tag dazwischen, da ist es neuerdings anders. Da sehe ich andere Mädchen, vor allem dieses eine, das hat auch etwas im Blick, etwas…

Continue reading Aus dem Danach

1 Comment

Kauft nicht beim Schwaben

Fremdenhass-light: Wolfgang Thierse fordert die Selbstverleugnung von Zugezogenen in Berlin. In einem Interview in der Berliner Morgenpost nennt Wolfgang Thierse das Zusammenleben mit zugezogenen Schwaben “strapaziös”. Er wünsche sich, so Thierse, “dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind – und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche”. Die Bevölkerung mit Menschen aus einer anderen Gegend sei die „schmerzliche Rückseite“ der Veränderung im Bezirk. Schrippen sollen wieder Schrippen heißen und nicht mehr Wecken und auf dem Pflaumenkuchen solle wieder Pflaumenkuchen stehen und nicht mehr Zwetschgendatschi. Ein offenbar unüberwindliches Bedürfnis Thierses wird dabei deutlich: Er scheint zu wollen, dass man so mit ihm redet, wie das in Berlin üblich ist. Kannste kriegen, Keule. Hasskultur Es gibt seit Jahren eine polemische Bewegung gegen die sogenannten Zugezogenen in Berlin, die sich Motiven bedient, die starke Anleihen bei fremdenfeindlichem Gedankengut nehmen. Die Süddeutsche hat diese Bewegung treffend als Hasskultur bezeichnet. Das Kampfwort lautet Gentrifizierung. Die Angst vor Überfremdung schwingt als Motiv überall mit. Selbst Parolen wie „Schwaben töten“ sind vielerorts zu finden. Unter einigen sogenannten Ur-Berlinern, insbesondere jenen aus dem Ostteil, zu denen ich mich in diesem Zusammenhang nur mit Scham zählen kann, ruft diese Entwicklung wenigstens ein verharmlosendes Lächeln, in vielen…

Continue reading Kauft nicht beim Schwaben

1 Comment

Protokoll 14

Im Prinzip hat er dasselbe wie bisher auch darüber gesagt. Wir haben ihm die alten Manuskripte mal gegeben. Aber keine signifikante Verbesserung. Ich spiels einfach mal ab. Protokoll 14, systematische Dokumentnummer 121230CK-Stat.4 Eine Frau aus der Zukunft schrieb mir, dass sie mich liebe. 20 Jahre ist das jetzt her. Wir konnten uns nicht im echten Leben treffen, sondern nur über einen Briefkasten miteinander kommunizieren, der gerade noch meiner ist aber später mal ihrer sein wird und der Briefe an sie und an mich durch die Zeit zustellen kann. Wir haben später herausgefunden, dass das mit der Liebe nichts war. So haben wir es gesagt. Also jeder hatte dem anderen das in einem Brief geschrieben, gleichzeitig dasselbe, in den Briefkasten rein und wieder raus haben wir es gesagt, eben: dass das nichts war, dass es allerdings eine schöne Zeit gewesen ist. Für mich war es ganz selbstverständlich zu sagen, dass das mit uns nichts war, denn es lag ja hinter mir. Für mich war es auch selbstverständlich, von einer schönen Zeit zu reden, die wir gehabt hatten, denn sie war ja nun vorbei. Aber für sie? Ihr Text an mich war fast wortgleich mit meinem und trotzdem war etwas komisch. Denn…

Continue reading Protokoll 14

Leave a Comment

Ein Test

Ich habe zwei oder drei Monate nach Deiner Geburt einen Test machen lassen. Ich habe ihr nichts von dem Ergebnis gesagt, weil ich mich vor den Konsequenzen gefürchtet habe. Verstehst Du? Wir waren uns einig darüber, dass das ein Neuanfang werden sollte. Ich habe deiner Mutter endlich vertraut. Ich wollte das nicht zerstören, nicht schon wieder alles einreißen, nicht schon wieder in die Vergangenheit. Ich wollte nach vorn. Zusammen mit euch. 300 Euro oder so Unterhalt von irgendeinem Typen dafür, dass der sich in unser Leben einmischt? Ich mein… ist doch alles okay. Du warst gesund, krank schien der nicht gewesen zu sein. Und ich wollte auch nicht, dass Mama noch mal Kontakt mit ihm hat, vielleicht irgendwas wieder aufreißt oder so. Verstehst Du nicht. Ich wollte nach vorn. Sowas passiert halt. Also ich meine nicht Du. Sondern dass man eben Sachen macht. Und, also ob ich glaube, dass sie bis zum Ende dachte, Du bist von mir? Ich habe sie nie gefragt. Wir haben nie darüber gesprochen. Offiziell, wenn man so will, war in der Auszeit ja nicht viel passiert. Ich weiß nicht, keine Ahnung, wir haben uns oft angesehen, wenns um Dich ging und dann geschwiegen, keine Ahnung,…

Continue reading Ein Test

Leave a Comment

Assiziationen

Du kannst das Wort Assi auf so warme Weise sagen. Mit weichem S und nicht mit scharfem. Vorhin habe ich mich wieder daran erinnert. Am Kotti hat ein Junge seinen Kumpel so begrüßt. Und ich war sogleich bei Dir, in Gedanken, bei Dir also und bei dem Gespräch von gestern Nacht. Erinnerst Du dich? Als es um deine Arbeitskollegen ging. Aber das ist nicht das Einzige. Ebenfalls vorhin, ein bisschen früher noch war das, da klingelte mein Telefon und ein Bekannter sagte ab und ich sagte ist okay und musste meine Freude unterdrücken, nicht darüber, nicht über ihn, nicht über das Telefon, nein, ich war noch beim Klingeln, denn ich dachte ja an Dich, als das Telefon das tat und das wirkte noch nach. Muss viel mehr Klopapier kaufen, seit Du immer kommst, denn Mädchen brauchen mehr, als ein Mann alleine und so stehe ich zum ersten Mal im Leben mit den Rollen unterm Arm an der Kasse, ohne Scham, denn für die müsste ich ja an die Menschen um mich denken. Kann ich nicht, kann mich doch nicht von Dir ablenken. Assis, Klingeln, Klopapier, all das war schon vor Dir da. Aber jetzt nehm ich es wahr. Seit es…

Continue reading Assiziationen

1 Comment

Beim besten Willen können wir Hitler nicht erkennen

Pixel einer Rede I. Einführung Peter Büchler pixelt Bilder. Technisch gesprochen bedeutet das, dass er die Auflösung der Bilder verringert. Die Auflösung zu verringern bedeutet wiederum, dass von einer bestimmten Fläche nur die wichtigste, hier farbliche, Information verbleibt und die anderen Informationen ersatzlos weggelassen werden. Das noch scharf gestellte Auge des Beobachters muss erst verschwimmen, um zu erkennen, was war. Die beeindruckende Kunst von Peter Büchler ist hier zu sehen. Auch das gesprochene Wort kann man pixeln. Und zwar indem man hervorstechende Informationen herauspräpariert und die übrigen weglässt. Es folgt der Versuch der Pixelung der Eröffnungsrede, die auf der letzten Vernissage Peter Büchlers gehalten wurde. Ich nenne diesen Versuch Rede II. Die Rede im Ganzen zurückzubilden (oder sonst was in ihren Pixeln zu erkennen), ist freilich dem noch scharf gestellten Verstand des Lesers überlassen. Möge er verschwimmen. II. Rede II „Es entsteht ein untrennbares Amalgam.“ … „Das ist der Dialog aus Abstraktion und Realismus, den ich ansprechen möchte.“ … „Sie sehen hier eine vorgefundene Malerei.“ … „Konterkariert und ins Absurde geführt.“ … „Aus etwas Sichtbarem etwas Unsichtbares machen. Sodass partiell noch etwas sichtbar bleibt.“ … „Der Brautschleier, die arabische Burka sind Attribute einer individuellen Anonymisierung.“ … „Unser kollektives Bildergedächtnis wird…

Continue reading Beim besten Willen können wir Hitler nicht erkennen

1 Comment

Plem Plem

Donnerstag, 10:51 Uhr auf einer Kreuzung im Stadtzentrum. „Ey Du Vogel, mit Handy ist verboten. Komm runter da.“ Bei uns von der Motorradstaffel zählen nur Ergebnisse. Das ist ganz einfach: Wenn die Straße frei ist, ist die Straße frei. Wenn sie nicht frei ist, musst Du dir überlegen, ob Du besser Streife fährst. „Na samma! Hier ist zu.“ Das kann nicht jeder machen. Da musst Du präzise arbeiten. Den Überblick behalten. „Verfatz Dich, Junge.“ Die Gäste, die sie uns anvertrauen, sind Ziele. Die müssen in Bewegung bleiben. Für uns ist überall Mogadischu. „Mit dem Rollstuhl jetzt über die Schienen. Ick gloob ick spinne. Gas, Gas, Gas, komm!“ Black Hawk Down kennen Sie, nehme ich an. „Ey hast Du Tomaten uff den Ohren? Bewege Dich!“ Bürgernähe, Polizei-als-Dienstleister und son Quatsch. Da hatten wir erst neulich eine Schulung. Von so einem Herrn Rechtsanwalt. „Dit sindse. – Ey!“ Egal. Ich hab da keine Manschetten. Ich kann hier nicht jedes Mal Bitte sagen. Die Straße muss frei sein. Alles pi-pa-po. Dass sich da ab und zu einer auf den Schlips getreten fühlt, kann passieren. Also wenn uns auf diesen Gurken von Moto Guzzi überhaupt noch einer ernst nimmt. „Samma bist Dun bißchen plem plem…

Continue reading Plem Plem

3 Comments

Dieser Moment

Dieser Moment, wenn Du dich an einem Sonntag nach dem Telefonat wieder auf deinen Platz in der Bibliothek zurück setzt und Dir die bescheuerte Frage des Anrufers nach dem Warum nicht mehr bescheuert vorkommt. * Dieser Moment, wenn Du deinem Freund in der U-Bahn zu früh Tschüß gesagt hast und die Station nicht kommt und nicht kommt und nicht kommt und Du dich eigentlich noch mal umdrehen könntest und Du es doch nicht tust, weil Du unsicher bist, obwohl ihr euch für Unsicherheit eigentlich viel zu sehr mögt. * Dieser Moment, wenn Dir der Grund, aus dem Du es ihr damals nicht einfach gesagt hast, nicht mehr einfällt. * Dieser Moment, wenn Du merkst, dass diese ganzen Dieser-Moment-Sätze nur auf halber Strecke stecken gebliebene Reflexionen sind und Du alles beim Eigentlich-müsste-man belässt, weil zu erkennen, was falsch läuft, allein Dir eben doch nicht ausreicht, um mit dem Arsch an die Wand zu kommen und einfach zu machen, was Du willst.

Continue reading Dieser Moment

1 Comment

Den Politiker als Instrument begreifen

Auf dem Titel der Printausgabe der Wochenzeitung der Freitag wurde bereits darauf hingewiesen, dass es auf der Internetseite des Freitag eine Diskussion um den folgenden Beitrag gibt. Der Titel des Freitag ist hier zu sehen. Die vernichtende Kritik gibts hier. Das ist der Text: Lobbyismus ist die Basis funktionierender Demokratie. In der Debatte um die Beeinflussbarkeit von Politikern geht es um Vorteilsnahme. Wulff traf dieser Vorwurf. Gerade strauchelt Steinbrück ein wenig deswegen. Der Kern des Vorwurfs ist immer derselbe: Ein Abgeordneter trifft politische Entscheidungen zugunsten einer Gruppe, die ihm dafür einen Vorteil gewährt. Vorteile müssen irgendwoher kommen. Damit fällt das Licht auf die Lobbyisten. Und mit diesem Schluss hat es sich etabliert, zwischen Lobbyismus und Vorteilsnahme einen Zusammenhang herzustellen, der aber nicht per se besteht. Was ist das, ein Lobbyist? Im Fremdwörterbuch steht, es handele sich bei der Lobby um eine Wandelhalle im Parlament, in der die Abgeordneten mit Bürgern zusammentreffen. Der Zweck dieses Treffens ist klar umrissen: Der Bürger soll dem Abgeordneten sagen, was er will, damit der Abgeordnete weiß, was der Bürger will, um dann seine politische Arbeit an den Wünschen des Bürgers auszurichten. An den Wünschen. Denn dem Dialog in der Lobby fehlt der Imperativ. Es ist…

Continue reading Den Politiker als Instrument begreifen

Leave a Comment

Die Rosen der Bibliothekarin

Es war schon lange niemand mehr durch den Lesesaal gegangen. Ich saß allein an meinem viereckigen Tisch zwischen den Regalen und lernte Auge. Bei Auge traute ich mich nicht auf Lücke zu setzen. Durch das Fenster sah ich nur noch mich und die Gänge hinter mir. Denn es war bereits dunkel. Etwas weiter rechts von mir, vier, fünf Bücherreihen vielleicht, stand die schöne Bibliothekarin auf dem runden Hocker, der nicht mehr rollt, sobald man sich darauf stellt. Leise hörte ich sie. Irgendwann am Nachmittag hatte ich sie gesehen. Ein paar Schritte lief sie vor mir. In ihren roten Pumps, die Beine nicht so ganz in die schwarzen Netzstrümpfe, also wie man so sagt, gehüllt, also nicht so ganz, also wie gesagt. Ich bin nicht besonders groß, vor allem im Sitzen nicht. Die Lücke zwischen dem dritten und dem vierten Regalboden der Regale neben mir befand sich auf Augenhöhe. Und irgendwann zwischen Photorezeptor und Pigmentfleck schaute ich nach rechts. Und sah sie da stehen. Ihre Beine. Eben nicht so ganz gehüllt in die Netzstrümpfe, die sie an diesem Tag zum ersten Mal trug. Von etwas weiter oben quietschten die Metallschienen, die die Bücher hielten. In der Spätschicht räumte im gesamten letzten…

Continue reading Die Rosen der Bibliothekarin

1 Comment

Untitled (unbenannte New Yorkerin)

Seltsam ist ein Wort für faule Menschen, also für Menschen, die sich nicht die Mühe machen wollen, zu beschreiben, was sie meinen. Ich wills genauer sagen. Mich zumindest herantasten. Es fühlt sich also nicht seltsam an, ohne Dich. Ich fühle mich aber auch nicht haltlos: ohne Dich. Aber das liegt nicht daran, dass ich nicht mal weiß, wer Du bist. Und das ist auch nicht das, was die faulen Menschen seltsam sagen ließe. Ich habe das schon ein paar mal erlebt, Halt zu haben, zwei-, dreimal und deshalb weiß ich schon, dass es ihn gibt, diesen Halt. Gerade den von Dir. Und das ohne schon zu wissen, wer Du bist. Dass es Dich gibt, ist doch klar, denn sonst könnte ich Dich ja nicht finden. Ich will an die Ecke mit dem Haus mit der Spitze seit ich sie kenne. Treffen wir uns da? Heut in einem Jahr? Das wird komisch für Dich sein. Entschuldige. Komisch ist auch ein Wort für faule Menschen. Und das bist Du nicht. Jedenfalls nicht denkfaul; nicht dass Du denkst, dass ich das sagen wollte. Ich will mich auch an dieses Gefühl, also das, was Du dann haben wirst, heranzutasten versuchen. Das Gefühl da an…

Continue reading Untitled (unbenannte New Yorkerin)

Leave a Comment

Traveller Flieh

Als gäbe es einen Anspruch. So hört er sich an. Als könnte er quasi per Gesetz verlangen, dass sich die Dinge, die Menschen, ihre Leben und alle Umstände verändert haben, nur weil Monsieur mal ein Jahr weg war. Es ist alles noch genauso wie früher hier. Früher! Das war da, wo noch Krieg war und nicht vor einem Jahr. Wie stehen geblieben. Ja, genau. Alle stehen geblieben hier. Wollte man dem Ton in seiner Stimme glauben, könnte man denken, er meint: zurückgeblieben. Alles klar. Du bist der einzige, der vorangekommen ist. Mit deinem Around-The-World-Ticket dem Fortschritt entgegen, hast Du die Welt und nebenbei auch noch Dich selbst entdeckt und bist um diese zwei Erkenntnisse dem Rest von uns voraus. Alles klar. Und nu? Warte mal auf das nächste Jahr, bis Dir klar wird, dass Du diese Tretmühle-Berlin nicht mehr erträgst. Warte auf deine nächste sogenannte Reise und erkenne dann irgendwo, dass Du uns alle nicht mehr kennst. Warte, bis Du irgendwann Sehnsucht bekommst. Beim Alleinsein in der Mitte deiner Bekanntschaften. Warte, bis Du zurück nach Berlin und alle mit Dir (!) überraschen willst. Warte auf den Moment, in dem Du dann vor unsere Türen trittst und in unseren Gesichtern die…

Continue reading Traveller Flieh

Leave a Comment

Einfach so

Ich habe immer gesagt, ich will vom Schreiben leben können und dann haben sie irgendwann alle angefangen, mir zu gratulieren. Verlagsvertrag, ja das war schon was. Und dann der Vorschuss für das neue Buch. Dass ich es geschafft und mein Ziel erreicht habe, dass ich endlich angekommen sei, wo ich immer hin wollte, das bekam ich von nun an zu hören. Leute: Wenn ihr wüsstet. In Paris wollte ich schreiben und das tue ich jetzt ja auch. Und dass der Lektor mir eine Wohnung besorgt hat, die der Verlag bezahlt, ja, das ist eine glückliche Fügung. Und dass das Schreiben läuft und die Manuskripte fast unverändert bleiben, ja, ja, ja, ich sehe das doch auch. Aber Leute: Wenn ihr wüsstet. Das ist doch kein Leben. Was ist denn, wenn das morgen nicht mehr läuft, wenn nichts mehr aus mir kommt. Ich weiß doch nicht warum es geht, warum es funktioniert, kanns doch nicht ein- und ausschalten, vor allem nicht einschalten, wenns mal ausgeht. Was ist, wenn: Schreibblockade lebenslang? Wie lange werde ich dann hier wohnen, na? Drei Monate, ein Jahr? Da kommt doch nichts zu mir wenn nichts mehr von mir kommt. Es muss nachgelegt, es darf nicht aufgehört werden.…

Continue reading Einfach so

Leave a Comment

Sprachlos in Mitte (Ich mein hallo?)

Ich bevorzuge ja Vaseline. Für mein Tattoo. Da leuchten die Farben mehr als bei Melkfett. Das geht aber auch. Ich hab einfach ein Foto von meinem alten iPod gemacht und Larry hat das echt wahnsinnig gut hinbekommen, ich war echt so whow das ist echt wahnsinnig gut. Passt auch mega zu meinem Fixie, total absurd. Ich bin ja ein politischer Mensch. Das mit …, hier, mit diesem Gegner von Obama, hey das geht ja mal gar nicht und, whow: EU und Nobelpreis? Ich mein hallo? Da muss ich unbedingt noch was bei FB posten. Ich sag nur Stellvertreterkrieg. Das ist sooo … whatever. Vorhin in der Agentur, ne. Ich sag nur Bullshit-Bingo. Mehr sag ich dazu echt nicht. Zum Glück hatte ich mein iPhone mit ins Meeting genommen. Jedenfalls ich les so diesen Artikel über diesen Stasi-Blogger, von dem jetzt alle reden, und ich dachte echt nur so Mann das geht ja mal gar nicht. Ich sag nur Freak. Als Tom mit seiner Präse durch war, wollten die alle noch rüber zu Luigi Zuckermann. Boh ey, dieses Latte-Ding von den Zugezogenen, da komm ich voll nicht drauf klar. Endlich Wochenende. Der Ex von Matt macht ne Party. Matt hat echt…

Continue reading Sprachlos in Mitte (Ich mein hallo?)

Leave a Comment

MOABIT-TRANSKRIB

„Dann sind Sie jetzt dran, Herr A. Erzählen Sie mal, was sich da abgespielt hat.“ „Soll ich von Anfang, also ich mein von vorne oder nur Ende?“ „Ganz von Anfang an, bitte. Möglichst umfassend.“ „Okay. Also wir haben da halt gesessen wie immer eigentlich.“ „Verzeihung, wo?“ „Na Leo. Hab ich ja bei Gesa schon gesagt. Also wo wir immer sind. So. Und na das wars eigentlich schon. So. Und ich sag so zu B., B. ist mein Freund, also nicht schwul oder so, ist ja klar, also ich sag zu ihm, komm mach mal lauter. Ich mein Handy. So. Und genau dann kam er an. Der Herr C. Und ich sag noch so zu ihm guck mich nicht so an sag ich. Also nicht so. Ich sag mal bisschen freundlicher. Normal halt. Aber er hat nicht aufgehört. Er wollte uns provozieren. Na und dann ich hab ihm Box gegeben. War ja auch nicht doll, schwör, war nur Warnung sag ich mal. Ich meine das tut echt nicht weh, schwör!“ „Darauf kommt es hier nicht an. Fahren Sie fort.“ „Wenn Sie schon mal Bombe gekriegt haben wüssten Sie. Aber okay. B. meint noch so aber ich hab gesagt das ist zu…

Continue reading MOABIT-TRANSKRIB

2 Comments

Ungleichgewicht

Da ist so ein Ungleichgewicht. Nachdem wir uns sehen. Nachdem wir telefonieren. Immer nach Dir. Ich sitze dann da und denke an das Sehen oder das Telefonieren und ich frage mich dann immer, welchen Satz ich von Dir wie zu verstehen habe und welcher Satz von mir anders hätte formuliert werden müssen, um mich endlich mal verständlich zu machen. Und dann denke ich währenddessen immer eben auch an deine Kinder, deine Frau und daran, dass Du dich um so viele verschiedene Aufgaben zu kümmern hast, während ich immer nur male. Was das bedeutet, wenn ich sage, dass Du mir fehlst, willst Du wissen. Typen, die anderen Menschen fehlen, die wissen das ja nie. Und dass solche SMS nur Zeit und Ablenkung machen sollen, das wissen Typen wie ich umso genauer. Und dennoch antworten wir. Denn es ist so einfach. Dass deine Klamotten nicht mehr überall rumliegen. Dass dein Geruch noch immer im Bad steht. Dass deine Haare sich noch durch die Kissen ziehen. Dass ich um den Schmutz, den Du mit deinen Schuhen hereingetragen hast, herum sauge. Dass ich dein seit dem Morgen vertrocknetes Baguette aufesse und dass ich deine halbvolle Tasse Kaffee mit Lactosemilch drin austrinke. Dass ich wieder…

Continue reading Ungleichgewicht

7 Comments

Regen von oben, Sonne von vorn

Es ist wie jedes Jahr. Ich bin da. Nur diesjahr schreibe ich es auf. Denn ich will mich das ganze kommende Jahr daran erinnern. Bis es endlich wieder soweit ist. Die Zeit bevor der Herbst beginnt. Das ist die Zwischenzeit. Wenn gelbe Blätter schon am Boden liegen, die Bäume aber noch grün sind. Wenn man von oben nass wird vom Nieselregen, der Regen einen aber noch nicht frieren lässt, weil von vorn noch die tief stehende Sonne scheint. Wenn man die Fenster schon zu aber die Heizung noch aus hat. Die Zwischenzeit ist die einzige, die Dir die Zeit in das Bewusstsein ruft. Du wirst ihr gewahr, der Zeit, wenn die Zwischenzeit Dir anzeigt, dass das eine noch nicht ganz vorbei und das andere noch nicht ganz da ist. Und als wäre das Bewusstsein allein dafür da Lücken zu füllen, füllst Du sie plötzlich aus. Die Zwischenzeit. Wenn Du sie erkennst. Und dann Dich selbst darin.

Continue reading Regen von oben, Sonne von vorn

1 Comment

Keine Interessen

Wenn ich doch nur keine Interessen hätte, dann könnte ich endlich Karriere machen. Eben so, wie meine Freunde es tun. Meine Dissertation, die ich nur schreibe, um mich von x-beliebigen Bewerbern für eine x-beliebige Stelle abzuheben, meine Dissertation wäre längst fertig, wenn ich nicht ständig ein neues Dokument öffnen und die Gedanken, die mich umtreiben, notieren müsste. Denn eines meiner Interessen ist es ja, mich den Fragen über mich hinzugeben. Und das geht am besten aus dem Danach. Und um im Danach das Jetzt meiner selbst noch fassen zu können, muss ich jetzt, und zwar immer, wenn es jetzt ist, alles notieren, um es dann einer späteren Lektüre zugänglich zu machen, der dann die Auseinandersetzung folgt, die dann meinem Interesse dient: Mich selbst zu verstehen. Aber das dauert ja: stundenlang, tagelang, ein Leben lang, wer soll denn da noch promovieren? Wenn ich keine Interessen hätte, dann könnte ich in dem Beruf, den ich später mal ausüben werde, viel erfolgreicher sein, ich könnte dann zum Beispiel einfach so abends ins Theater gehen und während des Stücks E-Mails auf dem Handy lesen und beantworten. Ich wüsste dann auch immer gleich bescheid, wenn mich einer braucht und könnte dann kurz rausgehen, um ihn…

Continue reading Keine Interessen

5 Comments

Stop Edu-Hedonism (U-Bahnfahren!)

Das iPad erweitert das Lernerlebnis. Stopp! Das ist Schrott. Glaubt das nicht. Denn das ist falsch. Das hedonistische Kalkül ist tot. Es gibt kein Lernerlebnis. Ein Erlebnis ist die unbedingte Wahrnehmung dessen, was man gerade tut. Immer ohne Meta-Ebene; ohne Denken nur im Fühlen sogar: ohne alles. Beim Lernen geht es nicht um ein Erlebnis, also nicht darum, das Lernen als das, was es ist, zu erleben. Das Lernen, das hat ein Ziel, das über das Lernen hinausgeht: Wissen sammeln. Die Existenz eines hinter dem Lernen stehenden Zieles unterscheidet das Lernen also vom Erlebnis, wie der Vergleich zu den beiden Standarderlebnissen, dem Achterbahnfahren und dem Orgasmus, beweist. Lernen ist nicht das einzige, was eines dahinter liegenden Zieles wegen getan wird. Und es ist auch nicht das erste Angriffsziel der Hedonisten. Schon das Laufen wurde vom Walkman seiner wichtigsten Eigenschaft beraubt: Dabei denken zu können. Bald darauf fiel das U-Bahnfahren (U-Bahnfahren!). Jetzt also soll das Lernen dran sein. Aber Erlebnis und Denken (das mit dem Lernen ja untrennbar in Verbindung steht) sind Antagonisten, die nicht zusammengeführt werden können. Die anderen sagen: Das Erlebnis kann das, was man tut, intensiver machen. Das Lernen würde, wenn man more into it und so ist,…

Continue reading Stop Edu-Hedonism (U-Bahnfahren!)

1 Comment

Zwischenzeit

Mit wem habe ich heute Nacht eigentlich geschlafen? Ich habe mich wohl gefühlt, denn wir waren bei mir und ich war auch bald nicht mehr angespannt, als ich merkte, dass ich Dir genügte und ich fing ganz von allein und ohne Steuerung an, auf mich zu achten, als ich nämlich merkte, dass Dir das gefällt. Und ich überließ Dich erst uns beiden und vergaß dann schließlich ganz und gar, mich um Dich zu kümmern. Ich fühlte mich sicher. Denn mein Bauch war flach. Dann kribbelte es mal in meinen Fingern und mal in den Nippeln und ein Druck begann sich in mir anzustauen, wie ich ihn lange nicht mehr gespürt hatte. Ein Druck, der mich nämlich zugleich versicherte, dass er diesmal nicht bleiben oder sich schleichend verflüchtigen, sondern dass er sich sehr bald in einen Knall entladen würde. Und als ich meine Augen öffnete, da sah ich mich in dem Spiegel, der an der noch offenen Tür des Kleiderschranks in Richtung Bett meinen Blick so deutlich auf mich freigab, dass ich mir fast selbst unterstellen wollte, ich hätte mit Absicht vergessen, den Schrank zuzumachen. Ich gefiel mir. Obenauf, mit roten Wangen. Und dem sicheren Wissen, Muskelkater zu bekommen. Das sah…

Continue reading Zwischenzeit

Leave a Comment

Wiederwahl

Bin geduscht, die Zähne sind geputzt. Die Haare habe ich nicht gewaschen, denn sie haben mir heute gefallen und ich wollte sie so lassen. Hab eine geraucht, um nicht zu sauber zu sein. Rauche aber keine zweite, um nachher nicht schwer zu atmen. Warte darauf, dass das Handy klingelt. Oder gleich die Tür. Habe gegessen, um nicht zu schwach zu sein, habe noch Hunger, kann aber nicht noch mehr essen, will auch schlank sein. Lasse Radio Fritz laufen im Hintergrund, damit alles locker wirkt. Wenn Du kommst. Ziehe das Höschen erst an, wenn Du auf der Treppe bist, damit es gut riecht. Will nichts mehr lesen, um nicht abgelenkt zu sein von anderen Themen, will nichts trinken, okay, nicht noch ein Bier trinken, um nicht betrunken zu sein. Jedenfalls nicht vor Dir. Dass wir zusammen Bier trinken können, findest Du cool, hast Du gesagt, damals, als wir noch zusammen waren. Nur noch ein paar Minuten, dann … sollte es soweit sein, nur noch ein paar Minuten, dann mache ich Dir auf. Könnte später werden, hast Du gesagt. Dass das nicht schlimm ist, weil ich das und das und das noch zu tun hatte, hab ich mir bereitgelegt. Display hell, Licht…

Continue reading Wiederwahl

Leave a Comment

Kippenpaare im Aschenbecher

Die Kippen, die sind bei mir im Aschenbecher immer in Zweierpaaren angeordnet mit der zu den zwei Kippen gehörenden Asche entweder links oder rechts jedenfalls aber gesammelt und nicht getrennt von dem Kippenpaar, sondern mit einer Berührung neben ihm. Das wird oft belächelt. Von Unwissenden. Von Leuten, die das für einen Tick halten, von solchen, die meinen, dass das einer dieser Spleens wäre, die ich habe. Ha! Weit gefehlt. Halten Sie sich doch bitte die symbolische Kraft dieser zwei Kippen nur einmal vor Augen und Sie werden plötzlich erkennen, welche Realitätsnähe sich auftut und welche Notwendigkeit sich dann erschließt: Stellen Sie sich vor, die Kippen sind ein Paar, zwei Menschen, die eine Beziehung haben, vielleicht auch hatten. Stellen Sie sich nun vor, die Kippen sind ein Paar, zu dem Sie einmal gehörten, eine Beziehung, die Sie einmal hatten. Stellen Sie sich vor, es handelt sich dabei um Ihre erste richtige Beziehung, die mit der großen Liebe, die, die Sie in der Zwischenzeit so verklärt haben und sich wenigstens immer dann ins Gedächtnis rufen, wenn es mal wieder scheiße läuft in der aktuellen Beziehung, wenn Sie von Ihrem Partner mal wieder gezeigt bekommen, dass er eigentlich nicht der richtige ist und wenn…

Continue reading Kippenpaare im Aschenbecher

Leave a Comment

Wie es Dir geht

Es ist schade, so geht es mir in letzter Zeit oft durch den Kopf, es ist schade, dass wir uns nicht mehr schreiben, uns dabei, keinen Kontakt mehr aufzunehmen, zeigen, dass wir kein Interesse mehr aneinander haben. Es ist schade, das zu sehen und dabei im Hinterkopf zu haben, wie sehr wir uns für einander interessiert haben, wie liebevoll wir miteinander umgegangen sind, wie wir, eingeschüchtert von uns selbst und von anderem Mist, Mist gebaut haben und damit doch immer bewiesen haben: Dass wir uns wichtig sind. Vor diesem Hintergrund ist das schade, das Wort trifft es am besten, dass wir vorgeben, uns nicht mehr wahrzunehmen und das ist schade, obwohl es ja die besten Gründe dafür gibt, so zu handeln, besser: auf unsere Weise nicht zu handeln, eben so, wie wir es tun: Nichtstun. Es ist mal wieder, das Gefühl hatte ich schon mal, als würden wir etwas wegwerfen, jetzt, da wir so handeln und unterlassen und es ist natürlich wie beim letzten Mal auch, nicht ganz klar, was das ist, das wir da wegwerfen. Immerhin, es gibt Ideen davon, was es ist, und diese Ideen, die haben gar nicht mehr zwanghaft etwas mit der großen Liebe zu tun, es…

Continue reading Wie es Dir geht

4 Comments

Ein Kommentar

Ich bin Wachmann in einem Elektronikpark und ich habe nichts gegen die Nachtschicht. Ich habe in Moskau Physik studiert und war im Anschluss daran Assistent an der Humboldt Universität zu Berlin. Als die Mauer fiel, konnte ich meine Stelle nicht behalten. Ich habe sie nicht verloren, wie viele das nennen. Ich sage es gerade raus. Ich konnte sie nicht behalten. Denn im öffentlichen Dienst, also in diesem, in ihrem öffentlichen Dienst, wollten sie Menschen wie uns nicht behalten. Menschen, die mal in einem anderen öffentlichen Dienst Dinge machten, die jedes Land der Welt in seinem öffentlichen Dienst nur eine bestimmte Auswahl an Menschen machen lässt, die wollten sie nicht behalten. Für ihre eigene Auswahl an solchen Menschen zieht die BRD an der Chausseestraße in Berlin gerade Deutschlands größte Baustelle auf. Das wäre was gewesen. Aber sei es drum. Als es für uns keine Verwendung mehr gab, da sind wir sozusagen alle in die Privatwirtschaft emigriert. Aber ich will mich gar nicht beschweren. Ich habe heute mehr als früher möglich gewesen wäre und ich sage Ihnen eines: Wäre es andersrum gekommen, hätten wir damals Sie übernommen, dann hätten wir es doch genauso gemacht. Da bin ich übrigens nicht der einzige, der…

Continue reading Ein Kommentar

13 Comments

Kotze mag doch auch keiner

Ich habe doch so große Probleme mit dem Endzustand von Kunst. Denn das ist der, der mich am wenigsten interessiert. Ich finde nichts, was mich in einer Galerie interessiert, wenn da nichts passiert. Und die Bilder und Figuren, die tun ja nichts. Deshalb wurde ich erst kürzlich für einen Kunstbanausen gehalten, von einem, der sich auskannte, denn der hatte Kunst studiert und trug Lederschuhe. Der wusste Dies und mit Nachdruck dann auch noch Das über das Foto zu sagen, das da vor uns hing und ich fands so, wie man Dinge findet, wenn man die Schultern hochzieht und die Lippen zusammen und Luft hindurch presst. Dass man so einem wie mir auch keinen Vorwurf machen könnte, sagte er dann und führte als Beweis einen langen Blick auf meine Air Max an. – In der Galerie, da gibt’s keine gelben Schlieren an den Fingern und da gibt’s kein Schwindelgefühl von der Verdünnung, da gibt’s keine Bleichflecken auf dem T-Shirt vom Entwickler und keine Brandblasen von zu heißen Ausleuchtlampen. Es gibt keine Schnitte im Finger vom Schneiden durch das Papier und es gibt keine Berührungen der Ellenbogen und Hüften im Rotlicht, während das Foto nach und nach und oft dann zu schnell…

Continue reading Kotze mag doch auch keiner

1 Comment

Mit der Ringbahn unter der Seine hoch nach Istanbul rein

Als ich vorhin ganz und gar fertig war, als ich mich sogar in die Ringbahn setzte, und nicht mehr mit dem Fahrrad weiter fuhr, als ich geblendet vom Sonnenlicht im Fahrradabteil fast einschlief und gerade so noch meine Augen aufhielt, da schärften sich plötzlich meine Sinne und ich roch die Bremsen, spürte die Federn in den Füßen und den Wind der durch die offenen Fenster nach innen blies, hörte das Rattern beim Fahren über die Weichen, nahm also alles ganz und gar wahr, als ich ganz und gar fertig war, nahm alles wahr, so wie, wenn man im Ausland ist, wenn man etwa in Paris zum ersten Mal mit der U-Bahn unter der Seine hoch kommt oder wenn man eine Stunde lang durch die Vororte nach Istanbul rein fährt oder wenn man vor Porto über eine Brücke tuckert, so hab ich die Bahn gehört, gerochen, gespürt, in der Sonne, als ich vorhin gerade so noch meine Augen aufhielt.­

Continue reading Mit der Ringbahn unter der Seine hoch nach Istanbul rein

Leave a Comment

Weil Oma nicht im Widerstand war

Ruf  ohne Stimme – Wir sind die, die keine Widerstandskämpfer in der Familie haben. Wir sind die, deren Eltern nicht in einer Partei waren, die es danach noch gab. Wir sind die, die weder Flucht noch Vertreibung am eigenen Leib oder am Leib ihrer Familienmitglieder erfuhren. Das ist unser Geheimnis, von dem wir jetzt erzählen. Ohne Stimme, die es ausspricht. Und wir haben Angst. Wir gehen mit euch durch die Museen und Gedenkstätten. Und wenn man uns mit euch reden hört, dann muss man unweigerlich denken, dass wir allesamt Kinder eines Volkes sind, das ausschließlich aus Widerstandskämpferfamilien bestand. Zusammen schauen wir uns das Grauen an, für das keiner was kann. Und wer war das noch mal, der doch dafür war, oder wenigstens nicht dagegen; wer waren die, denen der Typ da vorne vorwirft, sie hätten sein Leben zerstört und denen er vorwirft, sie hätten die Augen verschlossen; wer war der Kreis der Täter? Es muss, schaut man sich unsere Widerstandskämpfernachkommengruppe an, eine winzige, mächtige Clique gewesen sein. Das könnte man jedenfalls denken und wir denken an Opa, wie er uns ab und zu mal anrief, um zu hören, wie es uns geht und wir denken an den Onkel, der uns…

Continue reading Weil Oma nicht im Widerstand war

1 Comment

Mit Zu ist Schluss

Vielleicht liegt es daran, ja das klingt doch ganz plausibel: Vielleicht liegt es daran, dass das Bild des Fotografen, also: die Fotografie, dass die Fotografie ein Teil eines Momentes ist. Sie ist der Moment; anders als ein gemaltes Bild immer und ein geschriebenes Bild in den allermeisten Fällen. Im Gegensatz zu diesen beiden nimmt die Fotografie den Moment nicht nur mit zu ihrem Betrachter. Sie kommt dem Moment im Vergleich zu Malen und Schreiben auch nicht nur näher. Und sie ist auch nicht nur am ehesten der Moment und zeigt ihn, den Moment, erst Recht auch nicht nur ohne Interpretation, nein: das alles genügt nicht, um das Besondere zu zeigen, vielmehr: die Fotografie eines Momentes ist Teil des Moments. Und zwar der Teil, der bleibt. Vielleicht liegt es daran. Sie ist echt. Die Fotografie. Er kann freilich auch inszenieren. Der Fotograf. Ja, er kann schminken und Licht machen und posieren lassen. Aber er kann ihn bei alledem nicht verhindern, den Moment, den Moment an sich. Das Künstliche und das Abbildende sind machtlos. Denn sie sind selbst Teil des Momentes, der eben bleibt. Vielleicht liegt es daran. Der Film des Fotografen ist anders als der des Malers und des Schreibers auch…

Continue reading Mit Zu ist Schluss

Leave a Comment

Soziale Netzwerke: nur noch ein Ich; nicht mehr viele

Das Credo sei Du selbst, das in der analogen Welt schon schwer zu verwirklichen war, sieht sich im Internet herausgefordert. Weil alle alles gleichzeitig von einem Menschen mitbekommen, ist der Mensch in dem, was er sendet, beschränkt. Denn er kann nur noch die Schnittmenge dessen senden, was allen verträglich ist. Dieses neue, vereinheitlichte Selbst ist deshalb zwangsläufig ein anderes, als das alte: Während das Selbst-Sein einmal bedeutete, hier so und da so zu sein, macht es die Beschränkung der Technik heute nötig, überall gleich zu sein. Sie macht es nötig, das Selbst auf ein einziges zu beschränken und ihm seine Zerklüftung zu nehmen. Das Selbst zu formen, je nach dem, wer vor einem steht, das war Wesensmerkmal von Kommunikation. Aber das ist es nicht mehr, seit der Mensch den physisch vorhandenen Raum zum Interagieren verlassen hat und in die virtuell genannte Realität überwechselte. Damit geht das Wichtigste am Selbst-Sein verloren: Das Anpassen ans fremde Umfeld, das Nicht-Selbst-Sein.

Continue reading Soziale Netzwerke: nur noch ein Ich; nicht mehr viele

2 Comments

Ein bisschen leer und dabei offen

Dieses Lachen auf ihrem Foto, das war ganz nah am Weinen. Kein Widerspruch. Sie verzog darauf die Mundwinkel auf dieselbe Weise, wie man es tut, wenn man dabei ist, das Weinen zu unterdrücken. Wenn man unterdrückt, noch einmal zu weinen, nach dem man schon zu viel geweint hat. Wenn man langsam anfängt, eine Sache einzusehen und nur lächelt, weil man will und nur will, weil man denkt, man muss das jetzt. Ihre Augen waren ein bisschen leer und dabei offen, wie Augen sind, wenn alles erfasst werden soll, was vor ihnen ist. Wenn nichts vergessen, nichts übersehen werden soll. Falten um den Mund, also: bald. Noch waren es nur Fältchen. Links drei und rechts vier. Sie deuteten sich mehr an, als sie sich zeigten, sahen aus, als seien sie nicht zu sehen, wenn sie nicht lacht und als grüben sie sich tief in sie, wenn sie doch lacht. Mögen kann sie diese Fältchen doch nicht. Schwarz-weiß ist das Foto von ihr. Und diese trübe Färbung, die stellte einen Widerspruch her zu der offenen und eindeutigen Mähne, die ihre Haare waren. Derselbe Widerspruch war das, wie er sich in ihrem Lachen fand. Ich sah sie an und vergaß, dass sie online…

Continue reading Ein bisschen leer und dabei offen

Leave a Comment

Lila in den Nasenflügeln

Und ich sitze vor dem Spiegel. Von der Decke bis zum Boden reicht er hinab. Und je länger ich da sitze und mir ins Gesicht sehe, desto mehr Flecken erkenne ich auf dem Spiegel. Diesem Spiegel, der jeden Tag so sauber aussieht. Seit ich ihn gekauft habe, hat ihn niemand berührt. Und doch: Spritzer, wo meine Schulter ist, Schlieren über meinem Knie. Eine fleckenlose Stelle vor meinem Gesicht doch gleich darüber, da ist ein Fleckchen, ein ovales. Wie eine Amöbe sieht es aus, nur viel, viel größer. In diesem Spiegel sehe ich mich, wie ich glaube auszusehen. Sonst und in anderen Spiegeln, da erkenne ich mich von Zeit zu Zeit nicht. Dann rechne ich die sogenannte Entwicklung und andere Faktoren, die zur Unkenntlichkeit eines Gesichts führen können hinzu, verrechne mich und komme: nie zu einem eindeutigen Ergebnis. Hier indes stimmt alles. Rote Lippen, vom Rotwein rot. Blau unterlaufene Augen, die dazu passen. Lila in den Nasenflügeln, die den Übergang zu bilden üben, bis die Augenringe es eines Tages schaffen, tief genug zu kommen. Satz, Punkt. Schnell aber nur von links. Kalt kommt es von hinten, obwohl da die warme Stube ist. Der Muskelkater vom Pumpen ist schon da. Das Blut…

Continue reading Lila in den Nasenflügeln

Leave a Comment

Kontakt

Dr. Christian Lange-Hausstein – Kontaktdetails befinden sich hier. Direkte E-Mail: mail@lange-hausstein.de WICHTIG: Die Meinungen auf diesem Blog sind meine. Sie sind privat. Ich spreche nicht für meinen Arbeitgeber. Außerdem: Prosa bedeutet Prosa. Wenn irgendwas auf diesem Blog Dich verletzen oder Deine Rechte beeinträchtigen sollte, nimm Kontakt zu mir auf. Ich bin sicher, wir kriegen das hin.  

Continue reading Kontakt

Leave a Comment