Lange-Hausstein

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Stell Dir vor, ich würde Dich jetzt zeichnen

Stell Dir vor, ich würde Dich jetzt zeichnen, ein Blatt nehmen, einen Stift, das Blatt vor mich legen, angeschrägt, sodass Du es nicht siehst, Dich ansehen, so lange, wie man braucht, um auf den ersten Strich zu kommen, Mut zu fassen, sich zu trauen, das Blatt zu berühren, mit der Spitze, denn es hat auch ohne Strich einen Wert für sich, rein weiß, unangetastet, man muss schon was können, damit das nicht schlechter wird, aber ich kann das. Habe Dich jetzt lang genug angesehen, setze den Stift an, sehe nochmal auf, und die Linien ziehen sich über das Blatt, Du fragst Dich, was da entsteht, ich sehe wieder auf, sehe Dich an, verfolge die Linien, ziehe weitere, eine Überlegung, Blick hoch zu Dir, stimmt, doch richtig, wieder runter, weiter, mit Dir im Kopf, Kontrolle, weiter, Kontrolle, weiter. Dann setze ich ab. Rücke zurück. Blick auf das Blatt, zu Dir, auf und ab. Aber ich drehe es nicht um. Du wirst es nicht zu sehen bekommen. Vertrau mir. Es ist schön.

4 Zeichen für das Älterwerden

Ein Zeichen dafür, älter geworden zu sein, ist, dass Du die Verpackung des Probe-Duschbads aus der Zeitschrift schon vor der Dusche aufmachst, wenn die Hände noch trocken sind, weil Du schon weißt, dass Du sie in der Dusche, mit nassen Händen, nicht aufbekommst. Ein anderes Zeichen dafür, älter geworden zu sein, ist, dass Du kein Wasser mehr aus Waschlappen saugst. Den Haken am Tankhahn einrasten, bis der Tank voll ist, ist ebenfalls deutlich. Neulich hat einer von einer Party im 90Grad gesprochen. Punkt Punkt Punkt.

Kausalitäten III

Wenn man zum Mond will, muss man von zehn rückwärts zählen. Man kann nicht ewig in der Kita bleiben, man ist doch keine Erzieherin. Bonding hält den Blutzuckerspiegel normal. Auf Nachfrage: den des Kindes, nicht den der Mutter. Und alle so: schwör?

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Kausalitäten I

Kausalitäten II

Über-Schönheit

Sie war so schön, dass man ihre Schönheit nicht unbefangen genießen konnte, sondern angestrengt Makel suchte, Mitleid in sich zu erzwingen versuchte, weil das doch schlimm sein muss, wenn andere immer nur auf das Äußere achten, Neid in sich aufkommen spürte, weil die sich ja alles erlauben kann und auf niemanden Rücksicht nehmen muss, an ihrem gleichgültigen Blick kann man es doch sehen, der ist der Beweis dafür, schön, ja, aber in Wahrheit doch nur die Fassade vor innerer Hässlichkeit. So steht man dann da. Und staunt. Über sich und die Mechanismen des Schutzes, die sich einrichten, von alleine in einem, wenn man sich verteidigen will gegen das, was nicht aufkommen soll. Und Du nimmst die Arme hoch, in Abwehrhaltung. Aber da hats schon Peng gemacht und gekracht, wie bei einem Profikiller, zwei Schuss, einer in Deinen Kopf, einer in Deine Brust.

Kritik (Nuance): Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt (Peter Stamm)

Dreimal auf hundertfünfzig Seiten gucken Menschen erwartungsvoll. Aber das ist eine andere Geschichte. Ganz oft dachte ich, was soll das. Und auf den letzten zehn Seiten macht es endlich Klick und das neue Buch von Peter Stamm schlägt zu.

Wenn die Geschichte eines anderen sich mit der Story des eigenen Lebens vermischt. Wenn in der Erinnerung beide zusammen fallen. Wenn du sie schilderst, die Erinnerung, die dein oder ein Leben eines anderen treffen könnte, wenn du die Erinnerung schilderst, aus der Erinnerung berichtest, und nicht ganz klar ist, wessen Erinnerung das ist. Du bist sicher, es ist deine. Und irgendwann ist fast nichts mehr da von dem Wissen darüber, woher das, was du geworden ist, eigentlich kommt. Nur ein Gefühl, das, wenn überhaupt, gerade noch ein Zucken in deinem Gesicht auslöst. Wie eine leichte Bodenwelle auf einer Landstraße unter der die Wurzel eines Baumes liegt, an dem du schon vorbei bist.

So gesehen wie ein Mittagsschlaf: Bolognese im Bonfini

Gegessenes Nichts, nicht im Sinne von belanglos, sondern im Sinne von ich-weiß-nicht-mehr, wir haben viel geredet, mein Gegenüber und ich, aber nicht so viel, dass ich mir diese Lücke in der Erinnerung erklären kann. Die Lücke ist auch nicht vollständig, an den Geschmack des Parmesans erinnere ich mich, der schmeckte wie der von Rewe, das ist was Gutes (wie Salami bei Kaisers), an das Aussehen erinnere ich mich auch, kleinere Fleischklumpen in rot, auch wichtig, weil die meine Grundsorge vor jeder unbekannten Bolognese, nur Italo-Soljanka zu bekommen, auf den ersten Blick ausräumten. Auch die Temperatur spüre ich noch, hinten links am Gaumen, und der Rest, na klar, der liegt im Magen, nicht zu schwer, denn zu viel war es nicht. Allein der Geschmack der Bolognese. Der ist verloren gegangen zwischen Wie-geht-es-Deiner-Familie und dem Wer-hat-den-besseren-Physiotherapeuten-Battle. Lag das an ihr? Ist es eine gute Eigenschaft, weder erinnerbar schlecht, noch erinnerbar gut zu sein? So gesehen war sie wie ein Mittagsschlaf, von dem man häufig auch nur das Ergebnis kennt. Man selbst in besser als davor. EUR 6,50 inklusive Entspannung im Bonfini in der Chausseestraße.

 

Freund Blase

Paul: Und das da, das ist der Pippi.
Luca-Friedrich: Nein, das heißt Penis.
Paul: Und das da, das ist die Mumu.
Luca-Friedrich: Nein, das heißt Scheide.
Paul: Und wie heißt dann Nase?
Die Mama von Paul: Halt den Rand, Freund Blase, ick hab jesagt du sollst die Mohrrüben aufessen, damit du richté kieckn kannst.

Die Stadt, die langsam Schatten auf sich wirft

Ich kann Dinge unmittelbar. Ich kann mich auf ein Fensterbrett setzen mit einem Bier und einer Zigarette und dabei rausgucken, in den Himmel, wenn er orange, weiß, gelb, blau, grau changierend ist, ich komme nicht rein, gucke durch das Fenster und sage, ja, man müsste das viel öfter machen, man kriegt das gar nicht so mit, man müsste sich viel mehr Zeit nehmen, man verliert den Blick dafür. Ich mache das oft, ich kriege das mit, jedes Mal, ich habe die Zeit, denn alles andere außer Ich ist egal und ich habe den Blick, nicht changierend, sondern geradeaus aus dem Fenster heraus blicke ich in den Himmel zurück. Unter die Wolke, unter der noch eine kleine hängt, in die Sonne, deren Licht die Wolken vor ihr versengt, auf die Stadt, die langsam Schatten auf sich wirft. Herab. Einfach so. Ohne zu denken, man müsste mal.

Das Fenster stand auf Kipp und das Handy auf laut

Die Tagung begann am nächsten Morgen kurz after eight: Das aktuell stärkste Oxymoron sei Minzschokolade. Ich war so ummm. Während Schokolade Dich noch warm wie eine selbstgestrickte Decke einhüllt, begrifflich und assoziativ, bläst Dir Minze durch die Maschen doch kühlen Wind auf die Haut wie Thymian-Mirte-Balsam bei Erkältung. Dann schließt Du das Fenster über der Prenzlauer Allee. Es stand auf Kipp und das Handy auf laut. Jetzt ist Windstille. Aber wie gesagt.

Code

„Schatz, ich muss nur kurz ins Bad.“
„Mit oder ohne Radio?“
„Mit.“
„Oh. Ok. Kann ich kurz vorher? Ich muss nur ohne.“

Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für den Preis

Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für den Preis. Astrein, rief Andi. Räum Deine Plünnen da weg, schimpfte Susanne. Was ist das für eine Menkenke, fasste Oma zusammen und schlug die Hände über dem Kopf wieder auseinander. Die Upside steht nicht für die Downside. Schwimmbad vollständig ausgebrannt stand auf dem Titelblatt und alle schwiegen. Früher, das war die Zeit, als sich die Frauen das Parfüm noch mit dem Finger hinter das Ohr schmierten. Bogdan versuchte, seine Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. Sch‘ leg mein Eid ab. Sollen wir das als Geständnis werten, fuhr der Späti-Verkäufer dazwischen. Wer den Memory-Effekt als Argument benutzt, ist mindestens 30.

Das ist eine Ja-Nein-Frage

Rot ist abhängig von Wolken. Jedenfalls den Sonnenuntergang betreffend. Ich werde eine Verteilersteckdose erfinden, bei der der Schalter nicht an dem Ende ist, an dem das Kabel reinkommt. Es gibt Wechsel, auf die kann man sich verlassen. So wie den der über dem Apothekenschaufenster wachenden Thermometeranzeige mit der Uhranzeige. Ist Überwachung eigentlich schlecht? Das ist eine Ja-Nein-Frage aber keiner beantwortet sie mit Ja oder Nein. Literatur ist die Möglichkeit, Sprachlosigkeit loszuwerden. Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für diesen Preis. Was die Hamburger an Effizienzgewinnen gutmachen, indem sie „sich“ nicht mehr „an“ etwas erinnern, sondern nur noch etwas erinnern, das schmeißen sie im hohen Bogen zum Fenster wieder raus, wenn sie mit „da nicht für“ Verwirrung stiften, anstatt einfach „Bitte“ zu sagen.

Sklavenhandel 2.0

Der Freund von Max und Louise hatte zu seinem Geburtstag eingeladen und die Getränke wurden knapp, denn es kamen auch die, die nur auf Vielleicht gedrückt hatten. Max und Louise waren schon früh da und mit ihrem Platz zwischen Garderobe und Wohnzimmer zufrieden. Dass man sich das mal klar machen müsse, sagte Max nur halblaut und wies Richtung Wohnzimmer, dass man das echt mal checken muss, dass über all diese Leute hier vollständig ausgewertete Profile bei Apple und Google und so liegen. Er zeigte auf Louises iPhone. Hier! Und dass mit all diesen Profilen Kohle gemacht wird. Aber keiner macht sich das bewusst. Die Leute sagen einfach ja, ich hab ja das und das davon und sehen gar nicht, welchen Preis sie zahlen. Ihre Identität! Max hob die Stimme und den Zeigefinger. Es geht um nicht weniger als einen selbst. Sag ich mal. Die Leute verschenken ihr Ich an die Konzerne. Das ist Sklavenhandel 2.0, Du bist die Ware, die Du hergibst, nicht mal verkaufst, sondern verschenkst. Und anders als die Afrikaner früher werden die digitalen Sklaven noch nicht einmal gezwungen, sich den Amerikanern zu unterwerfen. Willst Du noch ein Bier, rief der Freund von Max und Louise von hinten. Max nickte erleichtert. Ein Glück, dass noch was da ist. Ob Roger noch komme, fragte Louise und Max zuckte mit den Schultern. Kein Plan, ich warte schon die ganze Zeit auf die blauen Häkchen aber er scheint keinen Empfang zu haben. Aber so richtig wichtig sei ihm Rogers Anwesenheit auch nicht. Wer sich so doof anstellt. Versetz Dich mal in die Lage seiner Freundin, Max hob die Stimme wieder an. Da ahnst Du nichts Böses und dann grinst Dich dein Freund auf Tinder an. Wie dumm muss man sein, sich mit dem original Facebook-Profil anzumelden. Ok ich muss. Max wischte die Erinnerung auf seinem Handy zur Seite und gab Louise einen Drücker. Meine Sleep Cycle App sagt, dass ich die längste Tiefschlafphase habe, wenn ich vor zwei im Bett bin und weniger als drei Bier trinke. Schlaf ist mir wichtig. Louise nickte und schaute Max an. Mir auch. Man muss schlafen, bevor man aufwachen kann.

Kausalitäten II

Kreise können nicht schief hängen, rief Mike und schlug die Nägel in die Küchenwand, zwischen denen die Topfdeckel hängen sollten. Goethe hat nie den Literaturnobelpreis bekommen und in Köln ist es zur selben Zeit dunkler als in Berlin. Wenn man sie anstarrt, fragen Barfrauen häufiger als andere, was man will.
Sag ihm, ob ich nach vorne oder hinten kommen soll.

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Kausalitäten I

Auf Keinsten

Maximal zwei Finger breit ist das am hinteren Ende und nach vorne hin wird es immer dünner, spitzer sozusagen, und ist dann ganz vorn so richtig spitz. Und so als Dreieck aus dem Laib heraus legen die das Stück Käse in die Folie und schweißen das dicht. Und so kommt es dann ab in die Theke und ich frag mich, wieso. Das ganze Internet spricht von user experience aber die Käseindustrie sagt einfach ne, auf keinsten. Deutschland erhebe Dich, will man rufen wie es neulich bei der Maut, beim Mindestlohn und bei der Rundfunkgebühr gerufen wurde, ob dafür oder dagegen, das weiß ich jetzt nicht mehr so genau aber das ist auch egal, denn die Kernfrage lautet: Wie soll man von diesem Dreieck eine Scheibe abkriegen? Mein Denken ist scheibenmäßig, also Käse betreffend, Brötchen, Butter, was drauf. Ende der Durchsage. Aber wie soll ich denn von diesem Dreieck eine Scheibe abkriegen. Man nennt das Salami-Taktik, sie machen uns nach und nach mürbe aber die da oben backen keine kleinen Brötchen, nein, mal sehen, was sie als nächstes zusammenwürfeln, Feta-Käse statt Drachme, Sie sagen es, Herr Kommissar, aber auch in Bayern trinkt man jetzt Bier nicht mehr aus blauen Kisten, sondern Sternburg, die innerdeutsche Warenverkehrsfreiheit machts möglich. Prost. Mahlzeit. It’s cosmic, ruft Ötti der Elefant aus dem Ötztal über die verschneite Grenze und das ist nicht das erste Mal.

Bananensaft beziehungsweise Wahnvorstellung

Und dann dachte ich, es ist vielleicht besser, wenn ich einfach keinen Bananensaft mehr trinke. Ich meine, den mochte ich früher ja auch nicht. Und wenn das jetzt plötzlich anders ist, also dachte ich, dann bedeutet das ja, dass sich auch mit mir etwas verändert hat und jeder weiß ja, dass man süß als Reiz irgendwie anziehend findet, also sozusagen die geschmacklichen Höhen und Tiefen, wenn man dement ist, dass sich das dann also verstärkt und man das auch daran eben erkennen kann, dass einer krank ist. Aber das geht natürlich nur in eine Richtung, verstehen Sie? Also ich kann natürlich dement werden und dann deshalb Bananensaft trinken. Aber ich kann nicht aufhören, Bananensaft zu trinken und dann weniger dement sein. Aber was soll man dann tun? Womit soll man denn aufhören, um weniger dement zu sein? Das ist ne fucking Einbahnstraße und Du kannst Dich noch nicht mal dagegen entscheiden, in sie einzubiegen, sondern wirst einfach gedrückt, gepusht, to the limit, bis das Opfer wieder stabil ist und dann, die Karriere verbaut, schwere KV und am Ende kommst Du nicht mal Knast, weil so ein Spast was davon faselt, dass Du zwiegespalten bist, so von der personality her und dass Du Wahnvorstellung hast. Hundesohn.

Schlechte Art

Das war halt so, dass wir erst gesagt haben, ja, wir machen das. Und wir hatten auch nen Plan, also einen, der war vollständig und nicht nur so halb oder so, so waren wir nicht, denn wir wussten ja, davon gibt es genug. Und dann haben wir gesagt okay er macht die Beats und ich schreib die Texte und sie macht die Voice, so halt jeder entsprechend seiner Talente gemäß und sie hatte echt sone bitchy Art Mann das hätte bombe in jeden Video gepasst, naja und seine Beats waren genauso, also ich sag mal von dem her echt schon perfekt und es war jetzt auch nicht so, dass ich nichts schreiben könnte, ja, also ich hab ja gesagt, dass ich das mache und so und ich hätte es auch gemacht, nur ich sag mal auch, das geht halt am besten, also eigentlich nur, wenn die richtige Stimmung da ist, verstehst Du, so vom Mind her und ich sag mal wie sie schon immer geguckt hat, also allein, wenn sie auf Toilette war, sie hat sich aufgeführt, als wäre sie in einen Hotel naja und er, ich schwör, er war verliebt in sie, wie er ihr immer alles durchgehen also erlaubt hat, übertrieben behindert, wenn sie sagt Basecap sorum dann er macht sorum, verstehst Du, also echt so auf die schlechte Art.

Kleine Furchen

Wenn die Sonne blendet, dann kneife ich seit einer Weile meine Augen nicht mehr zusammen. Um die Falten nicht noch tiefer um meine Augen zu ziehen. Ich reiße sie auf, die Augen, und trinke viel Wasser, zweieinhalb Liter am Tag, um die kleinen Furchen zu füllen, von innen, sie aufzuschwemmen, nass, denn Falten sind Risse und Risse haben mit Trockenheit zu tun, die es nicht gibt, wo man gießt. Und wenn meine Lehre beginnt, dann kaufe ich mir gute Creme.