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Digitale Diskriminierung

Der Beitrag ist in leicht angepasster Form am 16. März 2016 auch bei SPIEGEL ONLINE erschienen.

Wer schließt die Lücke zwischen Algorithmus und Mensch? Wenn Entscheidungen nicht mehr von Menschen gefällt werden, sondern von Algorithmen, müssen für Algorithmen dieselben Maßstäbe gelten, wie für uns. Das geschieht aber nicht. Aufgrund einer Lücke im Recht: 

Jemanden zu diskriminieren bedeutet, ihn aufgrund seiner Eigenschaften zu benachteiligen. Dass Schwarze in den USA in Bussen hinten sitzen mussten, ist ein Beispiel für analoge Diskriminierung. Algorithmen, die Frauen Werbung für Jobs mit kleineren Gehältern ausspielen als Männern, stellen ein Beispiel für digitale Diskriminierung dar.

Ein wesentlicher Gedanke des deutschen Datenschutzes scheint der digitalen Diskriminierungen vorzubeugen: Der Grundsatz der Datensparsamkeit verlangt, die Verwendung von Daten über Personen so sehr wie möglich zu vermeiden. Dem im Zeitalter von Big Data anachronistisch wirkenden Ansatz liegt die Annahme zugrunde, dass weniger Daten mehr Schutz bedeuten. Das ist naheliegend. Wenn weniger Informationen über mich verfügbar sind, bin ich auch weniger angreifbar. Für den Algorithmus sind ohne Informationen alle Nutzer gleich. Er kann sie gleich behandeln.

Gleichbehandlung ist eine Kategorie der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit fordert aber nicht nur, Gleiches gleich zu behandeln. Für eine gerechte Entscheidung kann auch erforderlich sein, dass Ungleiches ungleich behandelt wird. Wenn sich ein potenzieller Kreditnehmer als Betrüger strafbar gemacht hat, wird die Entscheidung einer Bank, ihm einen Kredit nur gegen einen höheren Zins zu geben als anderen, kaum als ungerecht wahrgenommen werden. Anders ist es, wenn der gegenüber anderen höhere Zins mit der Herkunft begründet wird. Der Grund für die Ungleichbehandlung ist entscheidend. Es gibt Gründe, die wir akzeptieren (Betrug) und Gründe, für die das nicht gilt (Herkunft). Dabei kann umso stärker differenziert werden, je mehr Informationen vorliegen. Schutz vor unzulässiger Ungleichbehandlung setzt danach möglichst viele Informationen voraus. Ein Dilemma.

Quasi gottgleich autarke Technologie

Die Daten, die wir über uns preisgeben, sind aber nur eine Hälfte des Problems. Institutionalisierte Diskriminierung funktioniert seit je her, indem ohne Ansehung der Person auf der Grundlage ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe über sie entschieden wird. Unsere Kaufkraft wird ermittelt, indem von anderen, die uns ähneln, auf uns geschlossen wird. Wir werden unsere digital definierten Eigenschaften. Besondere Ängste rufen Schlüsse hervor, die aus der Kombination unserer Daten mit anderen Daten gezogen werden. Dabei geht es um die Verwendung von Informationen über uns, die wir gar nicht selbst bereitstellen, indem wir online ein T-Shirt von ACDC kaufen oder einem Pornostar auf Instagram folgen. Es geht um die sich aus der Kombination der Informationen über uns erschließenden Informationen. Das sind die Meta-Informationen, die wir nicht kennen und die wir nicht richtigstellen können. Ohne aufstehen und Aber sagen zu dürfen, wird das Urteil über uns anhand dieser Informationen ermittelt, beschlossen, verkündet und vollstreckt. Die automatisierte Entscheidung über einen Menschen ist seine Algorithmus gewordene Verdinglichung. Quasi gottgleich kann eine immer autarker werdende Technologie Entscheidungen über uns ausrechnen und uns damit den Dingen annähern. Das weckt Ängste vor Willkür auf einer bisher nicht gekannten Stufe.

Keine objektive Entscheidung durch Algorithmen

Dass Algorithmen objektiv entscheiden, ist dabei eine Mär. Weil sie von Menschen programmiert werden, spiegeln Algorithmen die in ihrem Programmierer angelegten Vorurteile. Code ist Werturteil. Algorithmen entscheiden zu lassen, ist zudem problematisch, weil sie durch Wiederholung menschlichen Verhaltens, das sogenannte „Lernen“, bereits vorhandene Diskriminierungen vertiefen. Niemand bei Google hat gesagt, dass die Suchbegriffe „Israel“ und „muss“ automatisch vervollständigt werden sollen mit „vernichtet“ und „werden“. Dennoch gibt die Suche exakt das vor, weil Nutzer häufig diese Begriffspaare miteinander kombinieren. Das Beispiel zeigt auch, wie weit die Gefahr der „blinden“ Diskriminierung durch Algorithmen reicht. Wenn Sie die Auto-Vervollständigung jetzt ausprobieren, perpetuieren sie die Diskriminierung, weil dem Algorithmus (anders als dem Leser dieses Textes) nicht klar ist, mit welchem Motiv die Begriffe eingegeben werden.

Datenschutz ist nicht zum Schutz von Daten da

Diese digitale Diskriminierung breitet sich aus einer Lücke heraus aus: Das Datenschutzrecht, das flächendeckend auf digitale Vorgänge angewendet wird, kennt kein allgemeines Diskriminierungsverbot. Das allgemeine Verbot der Diskriminierung, das sich im Gleichstellungsrecht findet, wird auf im Netz durch Algorithmen getroffene Entscheidungen dagegen kaum angewendet. Diese Lücke, also der Bereich der nicht sanktionierten Diskriminierung durch Algorithmen, kann aber nicht hingenommen werden. Im Angesicht des Umfangs, in dem Verantwortung mittlerweile auf digitale Entscheidungsträger übertragen wurde, ist die von Algorithmen getroffene Entscheidung exakt den Maßstäben zu unterwerfen, an denen von Menschen getroffene Entscheidungen gemessen werden.

Die überwiegend technische Kontrolle des Datenschutzes muss deshalb erweitert werden um eine Kontrolle der hinter den Algorithmen stehenden Wertungen. Ressourcenschonend ist das nicht. Das Gleichstellungsrecht zeigt aber, dass es möglich ist. Im Angesicht des Zwecks, den Datenschutz hat, muss ein höherer Aufwand hingenommen werden.

Datenschutz ist nicht zum Schutz von Daten da, sondern zum Schutz von Menschen.

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Das Bild zeigt das von Gerhard Richter verpixelte Südquerhausfenster des Kölner Doms.

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Ein guter Kontakt

Ja, ich habe auch keinen richtigen Bock auf ihn. Ich meine, wie er manchmal labert, so geschwollen und er hat jetzt das und das und er kennt den und den und wenn Du irgendwas sagst, dann ist das bei ihm auf jeden Fall krasser. Aber er ist halt ein guter Kontakt. Das ist was anderes. Und man muss auch immer sehen mit der Zukunft. Ich meine, Du weißt nie, wann man da mal anruft, weißt Du? Man sieht sich halt immer zweimal im Leben und da ist das halt gut, wenn das nicht das erste Mal ist. Verstehst Du? So kaltakquise-mäßig. Und nein, ich finde nicht, dass das richtig ist, dass man immer nur mit Freunden abhängen sollte. Also klar, er ist ein Spast. Aber wenn man immer nur macht, was man für richtig hält, dann weiß man am Ende auch nicht, wo man steht. Verstehst Du? Man muss sich doch irgendwie absichern. So networkmäßig. Also netzwerken. Aber jetzt auch nicht so im Sinne dieser Löcher im Netz, durch die die kleinen Dinge immer durchfallen, sondern so wie die Schnüre, Stärke durch Knoten oder sowas. Sowas schützt ja auch, wenn man mal auf der schiefen Bahn nicht so hundertprozent performt und dafür muss man eben auch mal in den saueren Apfel beißen. So im übertragenen Sinne. Ich meine, es geht doch nur darum, mal ein Bier mit ihm zu trinken. Das ist doch nicht so, dass man sich da gleich total verleugnet. Das finde ich ein bißchen zu heavy, wenn man das so sieht.

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Die Stadt, die langsam Schatten auf sich wirft

Ich kann Dinge unmittelbar. Ich kann mich auf ein Fensterbrett setzen mit einem Bier und einer Zigarette und dabei rausgucken, in den Himmel, wenn er orange, weiß, gelb, blau, grau changierend ist, ich komme nicht rein, gucke durch das Fenster und sage, ja, man müsste das viel öfter machen, man kriegt das gar nicht so mit, man müsste sich viel mehr Zeit nehmen, man verliert den Blick dafür. Ich mache das oft, ich kriege das mit, jedes Mal, ich habe die Zeit, denn alles andere außer Ich ist egal und ich habe den Blick, nicht changierend, sondern geradeaus aus dem Fenster heraus blicke ich in den Himmel zurück. Unter die Wolke, unter der noch eine kleine hängt, in die Sonne, deren Licht die Wolken vor ihr versengt, auf die Stadt, die langsam Schatten auf sich wirft. Herab. Einfach so. Ohne zu denken, man müsste mal.

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Auf Keinsten

Maximal zwei Finger breit ist das am hinteren Ende und nach vorne hin wird es immer dünner, spitzer sozusagen, und ist dann ganz vorn so richtig spitz. Und so als Dreieck aus dem Laib heraus legen die das Stück Käse in die Folie und schweißen das dicht. Und so kommt es dann ab in die Theke und ich frag mich, wieso. Das ganze Internet spricht von user experience aber die Käseindustrie sagt einfach ne, auf keinsten. Deutschland erhebe Dich, will man rufen wie es neulich bei der Maut, beim Mindestlohn und bei der Rundfunkgebühr gerufen wurde, ob dafür oder dagegen, das weiß ich jetzt nicht mehr so genau aber das ist auch egal, denn die Kernfrage lautet: Wie soll man von diesem Dreieck eine Scheibe abkriegen? Mein Denken ist scheibenmäßig, also Käse betreffend, Brötchen, Butter, was drauf. Ende der Durchsage. Aber wie soll ich denn von diesem Dreieck eine Scheibe abkriegen. Man nennt das Salami-Taktik, sie machen uns nach und nach mürbe aber die da oben backen keine kleinen Brötchen, nein, mal sehen, was sie als nächstes zusammenwürfeln, Feta-Käse statt Drachme, Sie sagen es, Herr Kommissar, aber auch in Bayern trinkt man jetzt Bier nicht mehr aus blauen Kisten, sondern Sternburg, die innerdeutsche Warenverkehrsfreiheit machts möglich. Prost. Mahlzeit. It’s cosmic, ruft Ötti der Elefant aus dem Ötztal über die verschneite Grenze und das ist nicht das erste Mal.

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Aufsteigende Scham im Bart

Ich hatte gewissermaßen unsystematisch abgebissen. Das heißt, also ich hatte zwar schon ein System. Meine Bisse waren immer gleich groß. Aber ich habe mich eben irgendwie verschätzt was die Gesamtgröße des McRib angeht und deshalb war das Stück, das nach dem vorletzten Bissen noch in meiner Hand war, größer, als die Bisse davor – aber auch jetzt nicht doppelt so groß, also so groß wie zwei Bisse, sodass man einfach wieder hätte teilen können, sondern so dazwischen. Und ich dachte, also bevor ich ein Risiko eingehe und das in die Hose geht mit der Soße, wenn die da so raus tropft aus dem letzten Bißchen, das dann ja nur noch in meiner Hand übergeblieben wäre, also bevor das in die Hose geht mit der Soße und ich dann mit dem Zitronentuch so mega-unsouverän zwischen den Fingern rumrubbeln muss, dachte ich, mache ich lieber Klarschiff und nehme alles auf einmal in den Mund. Wenn man mehr im Mund hat, schmeckt man ja auch besser. Und es ist ohnehin ja auch immer ganz schön, wenn man dann später noch was von diesem Geschmack hat. Da stecken ja auch Designer dahinter, hinter diesem Geschmack, Geschmacksdesigner und das ist ja nicht per se schlecht, nur weil das McDonalds ist, also das fände ich zu pauschal. Also ich dachte jedenfalls, ich mach klar Schiff mit diesem etwas zu großen Stück, sauber rein und weg naja und dann ist diese Sache passiert. Sie schaute schnell weg. So als wollte sie die Scham, die augenblicklich aus meinem Bart heraus in mir aufstieg, noch verhindern. Meine Wangen wurden rot von dem Zitronentuch und das hielt eine Weile an. Ob sie das nächste Mal wieder mit zu I love Engtanz kommt, konnte sie noch nicht sagen. Dann kam ihr Taxi zufällig vorbei. Auf jeden Fall hat sie gewunken. Sag ich mal so.

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Über-Schönheit

Sie war so schön, dass man ihre Schönheit nicht unbefangen genießen konnte, sondern angestrengt Makel suchte, Mitleid in sich zu erzwingen versuchte, weil das doch schlimm sein muss, wenn andere immer nur auf das Äußere achten, Neid in sich aufkommen spürte, weil die sich ja alles erlauben kann und auf niemanden Rücksicht nehmen muss, an ihrem gleichgültigen Blick kann man es doch sehen, der ist der Beweis dafür, schön, ja, aber in Wahrheit doch nur die Fassade vor innerer Hässlichkeit. So steht man dann da. Und staunt. Über sich und die Mechanismen des Schutzes, die sich einrichten, von alleine in einem, wenn man sich verteidigen will gegen das, was nicht aufkommen soll. Und Du nimmst die Arme hoch, in Abwehrhaltung. Aber da hats schon Peng gemacht und gekracht, wie bei einem Profikiller, zwei Schuss, einer in Deinen Kopf, einer in Deine Brust.

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Das Fenster stand auf Kipp und das Handy auf laut

Die Tagung begann am nächsten Morgen kurz after eight: Das aktuell stärkste Oxymoron sei Minzschokolade. Ich war so ummm. Während Schokolade Dich noch warm wie eine selbstgestrickte Decke einhüllt, begrifflich und assoziativ, bläst Dir Minze durch die Maschen doch kühlen Wind auf die Haut wie Thymian-Mirte-Balsam bei Erkältung. Dann schließt Du das Fenster über der Prenzlauer Allee. Es stand auf Kipp und das Handy auf laut. Jetzt ist Windstille. Aber wie gesagt.

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Konfekt hat nichts mit Konfektionsgröße zu tun

Sie schaute schnell weg. So als wollte sie die Scham, die augenblicklich in mir aufstieg, noch verhindern. Ich wischte mir die Knoblauchsoße aus dem Bart. Cuvée heißt Mischung auf kultiviert, dachte ich über das, was ihre Freundin zu ihr sagte, und nahm mir noch eine Serviette.

Ich hielt an zwei Motels in dieser Nacht und erinnere mich nur an das, in dem ich abgelehnt wurde. Wenn ich in Tunesien Asyl beantrage, gibt mir auch keiner ein Hotelzimmer, sagte der von sich selbst sogenannte Portier noch und irgendwas anderes, das auch Teil der Entschuldigung war.

Konfekt hat nichts mit Konfektionsgröße zu tun, also genauso wenig, wie der Schokofleck auf der Bluse mit dem Sofa zu tun hat. Hätte der Fleck was mit dem Sofa zu tun, wäre er nicht auf der Bluse, sondern am Po. DAS GEHT ALSO GAR NICHT! Dieser hier, sehen Sie hin, rief Miss Marple und wies in ihren Ausschnitt, ist Ausfluss eines heruntergefallenen Schokospuckefadens.

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5 Gründe, warum das Lesen von Literatur-Blogs zu besseren Orgasmen führt

Sorry. Es ging nur darum, die These zu verifizieren, dass „5-Gründe-warum-Überschriften“ zu mehr Klicks führen.

Falls Du sauer bist, klick fünf mal auf den pinkfarbenen „Random Post anzeigen“-Button. Das Gefühl danach ist dann immerhin so diffus-internet-was-wollte-ich-eigentlich-gerade-mäßig-okay.

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Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für den Preis

Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für den Preis. Astrein, rief Andi. Räum Deine Plünnen da weg, schmipfte Susanne. Was ist das für eine Menkenke, fasste Oma zusammen und schlug die Hände über dem Kopf wieder auseinander. Die Upside steht nicht für die Downside. Schwimmbad vollständig ausgebrannt stand auf dem Titelblatt und alle schwiegen. Früher, das war die Zeit, als sich die Frauen das Parfüm noch mit dem Finger hinter das Ohr schmierten. Bogdan versuchte, seine Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. Sch‘ leg mein Eid ab. Sollen wir das als Geständnis werten, fuhr der Späti-Verkäufer dazwischen. Wer den Memory-Effekt als Argument benutzt, ist mindestens 30.

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Magen-Darm oder Die Tage des Mannes

Rot ist abhängig von Wolken. Jedenfalls den Sonnenuntergang betreffend. Ich werde eine Verteilersteckdose erfinden, bei der der Schalter nicht an dem Ende ist, an dem das Kabel reinkommt. Es gibt Wechsel, auf die kann man sich verlassen. So wie den der über dem Apothekenschaufenster wachenden Thermometeranzeige mit der Uhranzeige. Ist Überwachung eigentlich schlecht? Das ist eine Ja-Nein-Frage aber keiner beantwortet sie mit Ja oder Nein. Literatur ist die Möglichkeit, Sprachlosigkeit loszuwerden. Eigentlich ist es rausgeschmissenes Geld für diesen Preis. Was die Hamburger an Effizienzgewinnen gutmachen, indem sie „sich“ nicht mehr „an“ etwas erinnern, sondern nur noch etwas erinnern, das schmeißen sie im hohen Bogen zum Fenster wieder raus, wenn sie mit „da nicht für“ Verwirrung stiften, anstatt einfach „Bitte“ zu sagen.

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Wir waren in den Wolken und darüber

Der Bauer wurde uns beschrieben als Mann mit lila Lada und einem Ohrring mit Dreieck drin. Aber das wäre nicht nötig gewesen, denn er war der einzige, der am Bahnhof stand. Der Bahnhof lag in der Mitte eines Tals im Glarus. Glarus ist eines der drei Kantone der Schweiz, die die schweizerische Tourismusbehörde in dem dicken Band über die Must-Sees der Schweiz unerwähnt lies. Die Strommasten mussten vor ein paar Jahren im Tal abgebaut und in den Hang zwischen die engen Serpentinen gestellt werden. Wegen des Elektrosmoks. Der Bauer fuhr uns den Berg hoch bis zu dem Ort, ab dem man nur noch laufen konnte. Das Handy hatte schon weiter unten keinen Empfang mehr. Wie ruft man einen Arzt hier herauf? Jemand müsste runtergehen. Ab hier, sagte der Bauer, habe man die Straße nicht mehr weiter bauen können. Vielleicht schon, aber das hätte sich nicht rentiert. Kühe standen dort. Wir verabschiedeten uns.

Für das letzte Stück bis zur Alphütte hinauf braucht man 45 Minuten, wenn man sich auskennt. Die Hütte wurde mit dem Rücken zum Berg vor einem aus der Ebene herausragenden Fels errichtet. An der Seite wird sie von meterdicken Wänden aus Stein gestützt, damit sie im Winter nicht vom Schnee zerdrückt wird. Im Winter ist keiner da. Im Ich-frage-Dich-ihr-sagt-nichts-und-ich-gebe-die-Antwort-selbst-Modus gab Rüdiger, der im Sommer hier oben arbeitete, Auskunft. Rüdiger sprach wenig. Man fängt hier oben irgendwann an, weniger zu sprechen. Bei mir ging das los in dem Moment, als mir klar wurde, dass es nicht schlimm ist, dass kein Arzt es in angemessen kurzer Zeit hier herauf schaffen kann. Man überlebt die Dinge doch im Wesentlichen immer. Von rechts nach links lief vor der Hütte ein Bach nach unten. Viele dieser Bäche liefen beim Aufstieg über unseren Weg. Einer der Arme, aus denen sich der Bach speiste, drang seit irgendwann durch die steinerne Rückwand der Hütte in den hinteren Raum und irgendwo an dessen Seite wieder nach draußen. Seitdem wird der hintere Raum als Kühlraum für die Lebensmittel benutzt. Dort stand auch ein badewannengroßer Bottich aus Kupfer, in dem früher, als die Kühe noch gemolken wurden, Käse gemacht wurde. Warum Kupfer?, fragte Rüdiger ohne dass wir etwas sagen sollten. Weil da nichts anklebt, antwortete er. In dem Raum vorn in der Hütte stand der Ofen. Dort wurde gegessen, gesprochen und geschlafen. Im unteren Stock des Doppelstockbettes braucht man eine Decke mehr als oben. Zwischen dem vorderen Raum und dem hinteren, durch den das Wasser floss, war die Hütte an den Seiten offen, sodass von der einen Seite zur anderen die Wolken durch die Hütte hindurch zogen. Wir waren in den Wolken und darüber. Zwischen den Räumen lagerte das Holz. Daneben stand der Fressnapf von Pepe, dem Kater, der der vorherigen Saisonkraft gehörte. Sie musste plötzlich weg wegen eines Todesfalles. Pepe war unterwegs, als sie ging und er überlebte die Zwischenzeit bis zu Rüdigers Ankunft.

Rüdiger gab uns Schuhe, die man einfetten musste. Die Frösche waren so langsam, dass man sie in die Hand nehmen konnte. Als wir von der Hütte aus noch weiter aufstiegen, nahmen wir kein Wasser mit, sondern tranken aus Bächen. Der Ofengeruch unserer Kleidung überdeckte bei stehendem Wind den der Wiesen. Beim Blaubeerenpflücken roch man es auch. Der Nebel, zu dem eine Wolke wird, wenn man in ihr steht, hielt unsere Haare nass. Das Salz, das auf die großen Steine geworfen wird, damit es die Kühe ablecken können, wurde von Rüdiger in einer roten Esprit-Tüte transportiert. Der Käse kam von der Nachbaralp. Die Salami, das Weißbrot und die Fleischwurst brachte der Bauer mit dem dreieckigen Ohrring im lila Lada alle zwei Wochen aus dem Supermarkt zu dem Ende der Straße. Bio-Müll?, fragte Rüdiger. Was ihr Bio-Müll nennt, antwortete er, das kommt bei uns in den Bach. Mitte September, wenn abgezäunt wird und die Kühe dem Bauer talabwärts folgend die Alp verlassen, wird der Restmüll mit dem Hubschrauber abgeholt. Am Mittwoch gibt es immer einen Sammelflug, an dem man sich beteiligen kann. Da kommt man dann bei 30 bis 40 Franken pro Flug raus. Das kann man schon machen. Das geht aber nur für Transport, nicht für Menschen. So einen Extraflug wie mit der abgestürzten Kuh im Juli macht die Versicherung. Sonst wäre das nicht wirtschaftlich.

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Sklavenhandel 2.0

Der Freund von Max und Louise hatte zu seinem Geburtstag eingeladen und die Getränke wurden knapp, denn es kamen auch die, die nur auf Vielleicht gedrückt hatten. Max und Louise waren schon früh da und mit ihrem Platz zwischen Garderobe und Wohnzimmer zufrieden. Dass man sich das mal klar machen müsse, sagte Max nur halblaut und wies Richtung Wohnzimmer, dass man das echt mal checken muss, dass über all diese Leute hier vollständig ausgewertete Profile bei Apple und Google und so liegen. Er zeigte auf Louises iPhone. Hier! Und dass mit all diesen Profilen Kohle gemacht wird. Aber keiner macht sich das bewusst. Die Leute sagen einfach ja, ich hab ja das und das davon und sehen gar nicht, welchen Preis sie zahlen. Ihre Identität! Max hob die Stimme und den Zeigefinger. Es geht um nicht weniger als einen selbst. Sag ich mal. Die Leute verschenken ihr Ich an die Konzerne. Das ist Sklavenhandel 2.0, Du bist die Ware, die Du hergibst, nicht mal verkaufst, sondern verschenkst. Und anders als die Afrikaner früher werden die digitalen Sklaven noch nicht einmal gezwungen, sich den Amerikanern zu unterwerfen. Willst Du noch ein Bier, rief der Freund von Max und Louise von hinten. Max nickte erleichtert. Ein Glück, dass noch was da ist. Ob Roger noch komme, fragte Louise und Max zuckte mit den Schultern. Kein Plan, ich warte schon die ganze Zeit auf die blauen Häkchen aber er scheint keinen Empfang zu haben. Aber so richtig wichtig sei ihm Rogers Anwesenheit auch nicht. Wer sich so doof anstellt. Versetz Dich mal in die Lage seiner Freundin, Max hob die Stimme wieder an. Da ahnst Du nichts Böses und dann grinst Dich dein Freund auf Tinder an. Wie dumm muss man sein, sich mit dem original Facebook-Profil anzumelden. Ok ich muss. Max wischte die Erinnerung auf seinem Handy zur Seite und gab Louise einen Drücker. Meine Sleep Cycle App sagt, dass ich die längste Tiefschlafphase habe, wenn ich vor zwei im Bett bin und weniger als drei Bier trinke. Schlaf ist mir wichtig. Louise nickte und schaute Max an. Mir auch. Man muss schlafen, bevor man aufwachen kann.

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An alle da draußen – oder: Die Abwesenheit der Zugezogenen führt zu hygienischen Missständen in der Berliner Gastronomie

Jetzt ist auch wieder gut. Den Bloggerinnen fällt keine neue Variante mehr ein, mit der sie die vielen freien Parkplätze pointiert, ein bisschen frech und ohne versteckte Fremdenhassterminologie für ihre Komme-von-hier-wo-Du-hingezogen-bist-Profilierungs-Posts fruchtbar machen können (dass man zur Weihnachtszeit in Berlin ungeahndet queer-parken kann, hat komischerweise noch keiner formuliert aber das hat sich mit diesem Klammerzusatz jetzt auch erledigt).

Sicher: Es ist schön, eure Heimat auf Instagram mittlerweile auch sehen zu können und nicht wie früher, sozusagen damals, sozusagen von kurz nach dem Krieg bis letztes Jahr ungefähr nicht nur aus kryptischen Anleihen zu Dingen, die man hier nicht kennt, aus euren Facebook-Posts und Tweets herauslesen zu müssen. Im Bild ganz vorn: Münster (wie groß ist das bitte und trifft mein digital gewonnener Eindruck zu, dass im Wesentlichen jeder Zugezogene von dort hierher zog?), Biberach ok, Bonn ja gut, Eglisau in der Schweiz war auch dabei und besonders schön; allgemein viele Ort auf „-au“; ein bisschen Thüringen aber relativ wenig. Besonders prägnant (im Sinne von bedeutungsschwanger): je präsenter das Wort „Berlin“ im Username, desto größer die Distanz zwischen Standort des Users und Stadt an Weihnachten.

Jedenfalls bzw. however, wie wir ab nächste Woche wiedervereint sagen: Bevor wir jetzt die Frage aufwerfen, ob die Teilnehmerzahl der Berliner Pegida-Demonstration (fünf) auch was mit eurer Abwesenheit zu tun hat (ich halte das nicht für wahrscheinlich), sollten wir klären, warum sich die Wiederkehr lohnt: Es ist gerade relativ mild und ruhig. Sozusagen schön. Die Wiederkehr wäre zudem ein Akt der Fürsorge: Denn die supply chain stockt. Denkt doch mal nach: Man kann überhaupt keinen Döner mehr essen ohne euch (weil die Spieße genauso dick sind wie immer aber länger drehen müssen, um alle zu werden). Die Abwesenheit der Zugezogenen führt zu hygienischen Missständen in der Berliner Gastronomie. Gastronomie-Astronomie, Raum-Zeit-Kontinuum-mäßig wird klar: Es ist Zeit! Es gibt Raum. Und zwar nicht nur zum Parken. Wenn die Schranken schließen vor den Bahnübergängen eurer Hauptstraßen, wenn es heißt, Achtung, Tür schließt (sagt die Regionalbahn das auch?), dann: einsteigen bitte!

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Kausalitäten II

Kreise können nicht schief hängen, rief Mike und schlug die Nägel in die Küchenwand, zwischen denen die Topfdeckel hängen sollten. Goethe hat nie den Literaturnobelpreis bekommen und in Köln ist es zur selben Zeit dunkler als in Berlin. Wenn man sie anstarrt, fragen Barfrauen häufiger als andere, was man will.
Sag ihm, ob ich nach vorne oder hinten kommen soll.

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Kausalitäten I

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Ich komme eben nicht aus Neukölln

Ich höre selten zu. Das ist sozusagen immer nur solange der Fall, wie die Dinge was mit mir zu tun haben und das ist selten bei den Dingen, von denen die Leute erzählen der Fall, denn die Leute reden ja im Wesentlichen von sich. Das wissen die Zuhörer am besten, sie sind die, die Fragen stellen, was man ja nur kann, wenn man weiß, worum es geht, also nicht per se, aber damit es gute Fragen werden, Fragen, über die die Leute später sagen, Mann, der kann gut zuhören, damit es solche Fragen werden, muss man schon ziemlich gut zuhören aber ich komme eben nicht aus Neukölln. Ich kann aber nicht nur im Gespräch wenig fragen, sondern kann auch nichts sagen, wenn mich einer fragt, wie ich den Text finde und das Lied auf Englisch ist. Denn aus England komme ich schon gar nicht. Ich verstehe zwar Englisch aber keine englischen Lieder, die gehen so durch, wie wenn einer nicht von mir spricht. Ist ja auch nicht meine Sprache aber das ist glaube ich nicht der Grund. Diese Sprache, in der ich überwiegend, also auslandsaaufenthaltabhängig, nicht denke, sondern, wenn überhaupt, dann mal spreche, wirkt im englischen Lied nur wie ein Zusatzgedudel, als Extraklimbim quasi, das also wie gesagt nur so durchgeht wie die Leute, die im Laufen von sich sprechen und im Café, aber nicht wie Sprache als Zusatz zum Ton, wie wenn ich singe. Also könnte man sagen. Aber ich kann dann ja nichts sagen, sondern immer bloß die Schulter zucken, wenn es um Text in englischen Liedern und die anderen Dinge, von denen ich nicht viel verstehe und vor allem nicht um mich geht.

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Skulptur aus stehenden Kindern

Und dann bist Du plötzlich der Täter. Stehst vor einer Skulptur aus stehenden Kindern. Also sagt man Dir. Aus sechs Kindern, die mit dem Rücken zu Dir mit ausgestreckten Armen an einer Wand stehen. Erkennst Du. Und Du begreifst: Du stehst gar nicht vor, sondern hinter den Kindern, Du bist der Polizist, der auch mit ausgestreckten Armen dasteht. Aber Deine Arme werden schwer von der Waffe, die sie runter ziehen und Deine Finger werden taub, von den Drohungen, die Du rufst. Du zielst auf die Kinder und sie zittern und noch ein letztes Mal für heute kommst Du raus aus dem Moment, denkst kurz an die, die von der Skulptur aus stehenden Kindern und von eindrucksvoll und so sprachen und fragst Dich, was geht mit so einem Mann, der ich gerade bin, was muss passieren, dass der so etwas machen kann, die Kinder schauen Dich nicht an aber Du ihnen in den Rücken und Du assoziierst sie mit Symptomen, warum der Mann bei denen ansetzt, fragst Du dich, wenn doch die ganze Welt von der Bekämpfung von Ursachen spricht und Du erkennst, dass nur Du, der Polizist, der Kreisausbrecher sein kannst: Die Kinder sind zu jung, das, was man System nennt, ist zu diffus, nur Du allein kannst … was machen? Was ist dieses Ausbrechen, von dem alle immer reden? Und dann lässt Dich das, was die anderen Skulptur aus stehenden Kindern nennen, da stehen und nach der Lösung für ein Problem suchen, das Du noch nicht mal richtig fassen kannst und Du erkennst, dass Du nicht von der Skulptur aus stehenden Kindern mal eben für den Moment zu dem Mann gemacht wurdest, der mit der Waffe auf Symptome zielt, sondern dass Du irgendwie seit immer schon dieser Mann bist, und nie ausbrichst, sondern Dich weiterdrehst, wie das Proseccochen in Deinem Kopf, noch eins bitte, und dass Du, seit alles sich irgendwie in den immer selben Bahnen zu drehen begann, wartest, bis Dich was raushaut, rausbricht aus dem Kreis, aber Du drehst dich nur schneller im Kreis, das ist das Glück, dass die nächste Proseccorunde Dir beschert aber nichts haut Dich raus, Du hoffst noch, noch ein Glas, aber es geht schief. Wie bei jedem Dschum. Du machst den Polnischen und stehst wenig später ganz klar da. Vor Dir nur noch die Straße, gerade, auf die sich die gesamte Vernissage verengt, wenn Du erkennst, dass die Straße in beiden Richtungen nicht vor einer Wand endet. Wie Du. Sondern offen ist. Wie das, was gerade mit Dir gemacht wurde. Nicht von einer Skulptur, die irgendwie steht. Sondern von großer Kunst. Die dich bewegt.

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Hinweise: Hier gibt es ein Bild der Skulptur. Daten zur Ausstellungseröffnung: Iris Kettner – Inecht | 11. September 2014 | 19.00 Uhr | Haus am Lützowplatz

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Klar wie Weinkritik: Bolognese im Istoria

Jimmi – nennen wir ihn mal so, denn wir kennen seinen Namen nicht – Jimmi war zu Scherzen aufgelegt. Und das war cool. Denn obwohl Jimmi allen Grund gehabt hätte, um schlechte Laune zu haben (drei seiner Mitarbeiter kamen an diesem Sonntagnachmittag nicht und Jimmi musste den ganzen Laden alleine schmeißen), war das Gegenteil der Fall und mein Kumpel und ich waren nach unserem Besuch im Istoria am Kollwitzplatz besser drauf, als vorher.

Aber die gute Laune lag nicht nur an Jimmi. Und sie hatte auch nicht allein damit zu tun, dass dieser Nachmittag in dieser Zwischenzeit zwischen Sommer und Herbst lag, in der alles mal so und mal so und man selbst so-na-so-halt ist, NEIN: Es lag an dieser Bolognese! Wie die war? Diese Bolognese rangierte am oberen Ende ihrer Möglichkeiten! Haha. Ist natürlich Quatsch. Also: So über Essen zu sprechen ist Quatsch. Jedenfalls dachten mein Kumpel und ich das, als er eine Weinkritik zitierte und wir uns vorstellten, was man sich darunter vorstellen soll. Doch dann kam die Einsicht: Denn auf welche andere Weise soll man sonst sagen, dass diese Bolognese so toll ist, dass Du die ganz Zeit nur whow und mmmh und oooh im Mund denkst (ja, dort!) aber am Ende doch nicht so einhundertprozent überzeugt bist. Ja, dachten mein Kumpel und ich: Wie der Weintyp. Deshalb: Unbedingt hingehen, wer eine richtig gute Bolognese will und keine Angst vor Original-BB (Berliner Bedienung) hat. Fruchtig, ohne fleischig zu sein und dabei nicht zu tomatig (und trotzdem roter als der Iro von dem Typen, der da um die Ecke wohnt). Krisselig war das Fleisch auch noch ganz besonders  (das ist was Gutes und man sieht es auf dem Bild). 6,80 Euro ist ein guter Preis für die Gegend. Achso: Pfefferminze on top? An Basilikum-Mangel kanns nicht gelegen haben, denn mein Kumpel hatte genug davon auf seinen Gnocchi (Jimmi so: Gnotschi). Ziemlich fresher Style, könnte man sagen. Oder so. Ist aber auch egal, das ganze Gerede, denn: einfach essen. Ist nämlich unbedingt empfehlenswert.

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Die digitale Gleichgültigkeit

Was legitimiert einen Datenschutz, für den sich niemand interessiert?

(Zugleich erschienen in der brand eins, April-Ausgabe 2014)

Der NSA-Skandal hat nicht nur unser Bewusstsein für die Gegner geschärft, er wirft auch ein neues Licht auf unsere eigene Rolle im Umgang mit Daten. Seit wir wissen, dass die NSA Back-ups unserer Festplatten bereithält, unsere E-Mails mitliest und unsere Telefonate mithört, sind zwei gegenläufige Bewegun- gen zu beobachten: Auf der einen Seite werden die politischen Anstrengungen zur Ausweitung des Datenschutzes stärker – auf der anderen wird immer offenkundiger, dass sich die Mehrheit der Internetnutzer für das Schicksal ihrer Daten noch immer kaum interessiert.

Keine Demonstrationen, kein Aufschrei, nicht mal Online- Petitionen wurden bekannt, nachdem Snowden und Co. ihre Erkenntnisse darüber veröffentlichten, dass so eine Art Surf-Stasi von Hawaii aus das gesamte Internet überwacht.

Sascha Lobo schloss von der eigenen Kränkung durch die NSA auf die Kränkung der gesamten Menschheit. Alles klar, könnte man denken. Aber wovon, wenn nicht von sich selbst, soll man sonst auf andere Menschen schließen? Mal ehrlich: Selbst wenn man sich vor Augen hält, dass aus jedem Smartphone ein vollständiges Profil seines Benutzers über Bewegung, Beziehun- gen und Bildung ausgelesen werden kann – würde man (also Sie!) es deshalb jetzt ausschalten und für immer ausgeschaltet lassen? Jeder hat ja schon mal erlebt, wie das Störgefühl abklingt, wenn man etwa nicht mehr daran denkt, dass das iPhone ständig an Apple sendet, wo man ist. Oder dass am Rand eines Nachrichten- portals für Schuhe geworben wird, die im Onlineshop zuvor ge- sucht wurden. Oder dass E-Mails auf privaten Konten auch auf Servern in den USA liegen, während Datenschützer längst wissen, dass das Safe-Harbor-Abkommen über die Einhaltung von Daten- schutzstandards Unsinn ist. Es interessiert niemanden. Aber wa- rum ist das so? Weil wir keine Folgen spüren.

Die Gefahr ist so abstrakt, dass sie uns keine Angst macht. Wurde sie greifbarer, seit wir wissen, dass die NSA alles über- wacht? Gibt es sogar schon einen Schaden? Ja, sagen diejenigen, deren Verhalten sich nach der Aufdeckung verändert hat. Nein, sagen dagegen jene, die personalisierte Werbung am Web-Seiten- rand zwar komisch finden, viel weiter aber mit der Systemkritik nicht kommen. Das sind die Gleichgültigen, deren Standpunkt bisher keinerlei Gewicht in der Datenschutzdiskussion hat. Und
sie sind, wie jede Spontanumfrage zeigt, in der absoluten Mehr- heit.

Bei Lichte betrachtet wird klar, dass die Gleichgültigkeit die- ser Mehrheit nicht das gesamte Netz trifft. Denn dieses Netz, von dem seine Kritiker so aufgeregt reden, gibt es nicht. Das Netz ist das Resultat der Entscheidungen, die darin getroffen werden. Je- der von uns nutzt das Netz, wie er mag, zum Schreiben, Lesen oder Kaufen. Die NSA hat sich entschieden, es auch zum Mit- schreiben, Mitlesen und Ausspähen zu nutzen. Alle Kritik, alle Verbesserung, jede Beobachtung „des Netzes“ muss hier anset- zen, bei den Entscheidungen, die über die Art seiner Nutzung getroffen werden. Damit gemeint ist der Unterschied zwischen Knast und Kreditkarte. Amazon, Google und Facebook können mit ihren Daten über mich schlimmstenfalls eines tun: mir etwas verkaufen. Die NSA und der BND können mich dagegen meiner gesamten Freiheit berauben – um diesen Unterschied muss es bei jeder Regulierungsdebatte gehen.

Sicher, der Staat muss seine Bürger schützen. Aber darf er sie auch dort bevormunden, wo ihnen die Sammlung ihrer Daten egal ist? Anders als bei staatlicher Bespitzelung ist die Gleichgül- tigkeit des Bürgers im Privaten frei wählbar und nicht nur Resul- tat von Machtlosigkeit.

Diese Selbstverständlichkeit, selbstbestimmt mit Daten umzu- gehen, entgeht vielen der heutigen Entscheidungsträger. Sie sind Menschen, die das Digitale noch als virtuelle Realität kennenge- lernt haben. Und sie übersehen, dass die Generation nach ihnen das Virtuelle dieser Realität einfach gestrichen hat. Das aber macht diese Menschen nicht zu Betreuungsfällen – man kann auch bewusst gleichgültig mit Daten im Netz umgehen. Man kann bewusst in einem Netzwerk unterwegs sein, von dem jeder weiß, dass es auch dazu dient, andere zu beobachten. Und man kann es auch normal finden, in dem Bewusstsein zu kommuni- zieren, dass alles sichtbar wird und abrufbar bleibt.

Dass die Generation nach den Schöpfern des Internets keine Scheinwelt mehr im Netz aufbaut, sondern mit den Vor- und Nachteilen leben will, das ist das Neue, das Unbefangene, das Gleichgültige und zugleich Wahre am Umgang mit den Möglich- keiten des Netzes heutzutage. Vor diesem Willen hat der Daten- schutz-Paternalismus zu weichen, denn auch seine letzte Verteidi- gungslinie, die jungen Leute wüssten nicht, was sie tun, bricht ein, wenn man ihre Selbstbestimmtheit anerkennt. Der offene Umgang mit Daten im Internet ist nicht zwangsläufig das Resultat fehlen- den Verständnisses. Er kann auch ein erstes Ergebnis der Entwick- lung dessen sein, was wir seit erst 20 Jahren Netz nennen.

Entwicklungen bergen Risiken. Aber der Staat hat noch nie versucht, alle denkbaren Risiken von seinen Bürgern fernzuhal- ten. Sonst wäre auch Autofahren verboten.

 

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