Komme-von-hier-wo-Du-hingezogen-bist-Profilierungs-Post

Jetzt ist auch wieder gut. Den Blogger*innen aus Berlin fällt keine neue Variante mehr ein, mit der sie an Weihnachten die vielen freien Parkplätze pointiert, ein bisschen frech und ohne versteckte Fremdenhassterminologie für ihre Komme-von-hier-wo-Du-hingezogen-bist-Profilierungs-Posts fruchtbar machen können.

Sicher: Es ist schön, eure Heimat auf Instagram mittlerweile auch sehen zu können und nicht wie früher, sozusagen damals, sozusagen von kurz nach dem Krieg bis letztes Jahr ungefähr nicht nur aus kryptischen Anleihen zu Dingen, die man hier nicht kennt, aus euren Facebook-Posts und Tweets herauslesen zu müssen. Im Bild ganz vorn: Münster (wie groß ist das bitte und trifft mein digital gewonnener Eindruck zu, dass im Wesentlichen jeder Zugezogene von dort hierher zog?), Biberach ok, Bonn ja gut, Eglisau in der Schweiz war auch dabei und besonders schön; allgemein viele Ort auf „-au“; ein bisschen Thüringen aber relativ wenig. Besonders prägnant (im Sinne von bedeutungsschwanger): je präsenter das Wort „Berlin“ im Username, desto größer die Distanz zwischen Standort des Users und Stadt an Weihnachten.

Jedenfalls bzw. however, wie wir ab nächste Woche wiedervereint sagen: Bevor wir jetzt die Frage aufwerfen, ob die Teilnehmerzahl der Berliner Pegida-Demonstration (fünf) auch was mit eurer Abwesenheit zu tun hat (ich halte das nicht für wahrscheinlich), sollten wir klären, warum sich die Wiederkehr lohnt: Es ist gerade relativ mild und ruhig. Sozusagen schön. Die Wiederkehr wäre zudem ein Akt der Fürsorge: Denn die supply chain stockt. Denkt doch mal nach: Man kann überhaupt keinen Döner mehr essen ohne euch (weil die Spieße genauso dick sind wie immer aber länger drehen müssen, um alle zu werden). Die Abwesenheit der Zugezogenen führt zu hygienischen Missständen in der Berliner Gastronomie. Gastronomie-Astronomie, Raum-Zeit-Kontinuum-mäßig wird klar: Es ist Zeit! Es gibt Raum. Und zwar nicht nur zum Parken. Wenn die Schranken schließen vor den Bahnübergängen eurer Hauptstraßen, wenn es heißt, Achtung, Tür schließt (sagt die Regionalbahn das auch?), dann: einsteigen bitte!

Kausalitäten II

Kreise können nicht schief hängen, rief Mike und schlug die Nägel in die Küchenwand, zwischen denen die Topfdeckel hängen sollten. Goethe hat nie den Literaturnobelpreis bekommen und in Köln ist es zur selben Zeit dunkler als in Berlin. Wenn man sie anstarrt, fragen Barfrauen häufiger als andere, was man will.
Sag ihm, ob ich nach vorne oder hinten kommen soll.

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Kausalitäten I

Skulptur aus stehenden Kindern

Und dann bist Du plötzlich der Täter. Stehst vor einer Skulptur aus stehenden Kindern. Also sagt man Dir. Aus sechs Kindern, die mit dem Rücken zu Dir mit ausgestreckten Armen an einer Wand stehen. Erkennst Du. Und Du begreifst: Du stehst gar nicht vor, sondern hinter den Kindern, Du bist der Polizist, der auch mit ausgestreckten Armen dasteht. Aber Deine Arme werden schwer von der Waffe, die sie runter ziehen und Deine Finger werden taub, von den Drohungen, die Du rufst. Du zielst auf die Kinder und sie zittern und noch ein letztes Mal für heute kommst Du raus aus dem Moment, denkst kurz an die, die von der Skulptur aus stehenden Kindern und von eindrucksvoll und so sprachen und fragst Dich, was geht mit so einem Mann, der ich gerade bin, was muss passieren, dass der so etwas machen kann, die Kinder schauen Dich nicht an aber Du ihnen in den Rücken und Du assoziierst sie mit Symptomen, warum der Mann bei denen ansetzt, fragst Du dich, wenn doch die ganze Welt von der Bekämpfung von Ursachen spricht und Du erkennst, dass nur Du, der Polizist, der Kreisausbrecher sein kannst: Die Kinder sind zu jung, das, was man System nennt, ist zu diffus, nur Du allein kannst … was machen? Was ist dieses Ausbrechen, von dem alle immer reden? Und dann lässt Dich das, was die anderen Skulptur aus stehenden Kindern nennen, da stehen und nach der Lösung für ein Problem suchen, das Du noch nicht mal richtig fassen kannst und Du erkennst, dass Du nicht von der Skulptur aus stehenden Kindern mal eben für den Moment zu dem Mann gemacht wurdest, der mit der Waffe auf Symptome zielt, sondern dass Du irgendwie seit immer schon dieser Mann bist, und nie ausbrichst, sondern Dich weiterdrehst, wie das Proseccochen in Deinem Kopf, noch eins bitte, und dass Du, seit alles sich irgendwie in den immer selben Bahnen zu drehen begann, wartest, bis Dich was raushaut, rausbricht aus dem Kreis, aber Du drehst dich nur schneller im Kreis, das ist das Glück, dass die nächste Proseccorunde Dir beschert aber nichts haut Dich raus, Du hoffst noch, noch ein Glas, aber es geht schief. Wie bei jedem Dschum. Du machst den Polnischen und stehst wenig später ganz klar da. Vor Dir nur noch die Straße, gerade, auf die sich die gesamte Vernissage verengt, wenn Du erkennst, dass die Straße in beiden Richtungen nicht vor einer Wand endet. Wie Du. Sondern offen ist. Wie das, was gerade mit Dir gemacht wurde. Nicht von einer Skulptur, die irgendwie steht. Sondern von großer Kunst. Die dich bewegt.

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Hier gibt es ein Bild der Skulptur. Daten zur Ausstellungseröffnung: Iris Kettner – Inecht | 11. September 2014 | 19.00 Uhr | Haus am Lützowplatz

Klar wie Weinkritik: Bolognese im Istoria

Jimmi – nennen wir ihn mal so, denn wir kennen seinen Namen nicht – Jimmi war zu Scherzen aufgelegt. Und das war cool. Denn obwohl Jimmi allen Grund gehabt hätte, um schlechte Laune zu haben (drei seiner Mitarbeiter kamen an diesem Sonntagnachmittag nicht und Jimmi musste den ganzen Laden alleine schmeißen), war das Gegenteil der Fall und mein Kumpel und ich waren nach unserem Besuch im Istoria am Kollwitzplatz besser drauf, als vorher.

Aber die gute Laune lag nicht nur an Jimmi. Und sie hatte auch nicht allein damit zu tun, dass dieser Nachmittag in dieser Zwischenzeit zwischen Sommer und Herbst lag, in der alles mal so und mal so und man selbst so-na-so-halt ist, NEIN: Es lag an dieser Bolognese! Wie die war? Diese Bolognese rangierte am oberen Ende ihrer Möglichkeiten! Haha. Ist natürlich Quatsch. Also: So über Essen zu sprechen ist Quatsch. Jedenfalls dachten mein Kumpel und ich das, als er eine Weinkritik zitierte und wir uns vorstellten, was man sich darunter vorstellen soll. Doch dann kam die Einsicht: Denn auf welche andere Weise soll man sonst sagen, dass diese Bolognese so toll ist, dass Du die ganz Zeit nur whow und mmmh und oooh im Mund denkst (ja, dort!) aber am Ende doch nicht so einhundertprozent überzeugt bist. Ja, dachten mein Kumpel und ich: Wie der Weintyp. Deshalb: Unbedingt hingehen, wer eine richtig gute Bolognese will und keine Angst vor Original-BB (Berliner Bedienung) hat. Fruchtig, ohne fleischig zu sein und dabei nicht zu tomatig (und trotzdem roter als der Iro von dem Typen, der da um die Ecke wohnt). Krisselig war das Fleisch auch noch ganz besonders  (das ist was Gutes und man sieht es auf dem Bild). 6,80 Euro ist ein guter Preis für die Gegend. Achso: Pfefferminze on top? An Basilikum-Mangel kanns nicht gelegen haben, denn mein Kumpel hatte genug davon auf seinen Gnocchi (Jimmi so: Gnotschi). Ziemlich fresher Style, könnte man sagen. Oder so. Ist aber auch egal, das ganze Gerede, denn: einfach essen. Ist nämlich unbedingt empfehlenswert.

Auf Keinsten

Maximal zwei Finger breit ist das am hinteren Ende und nach vorne hin wird es immer dünner, spitzer sozusagen, und ist dann ganz vorn so richtig spitz. Und so als Dreieck aus dem Laib heraus legen die das Stück Käse in die Folie und schweißen das dicht. Und so kommt es dann ab in die Theke und ich frag mich, wieso. Das ganze Internet spricht von user experience aber die Käseindustrie sagt einfach ne, auf keinsten. Deutschland erhebe Dich, will man rufen wie es neulich bei der Maut, beim Mindestlohn und bei der Rundfunkgebühr gerufen wurde, ob dafür oder dagegen, das weiß ich jetzt nicht mehr so genau aber das ist auch egal, denn die Kernfrage lautet: Wie soll man von diesem Dreieck eine Scheibe abkriegen? Mein Denken ist scheibenmäßig, also Käse betreffend, Brötchen, Butter, was drauf. Ende der Durchsage. Aber wie soll ich denn von diesem Dreieck eine Scheibe abkriegen. Man nennt das Salami-Taktik, sie machen uns nach und nach mürbe aber die da oben backen keine kleinen Brötchen, nein, mal sehen, was sie als nächstes zusammenwürfeln, Feta-Käse statt Drachme, Sie sagen es, Herr Kommissar, aber auch in Bayern trinkt man jetzt Bier nicht mehr aus blauen Kisten, sondern Sternburg, die innerdeutsche Warenverkehrsfreiheit machts möglich. Prost. Mahlzeit. It’s cosmic, ruft Ötti der Elefant aus dem Ötztal über die verschneite Grenze und das ist nicht das erste Mal.

Die digitale Gleichgültigkeit

Was legitimiert einen Datenschutz, für den sich niemand interessiert?

(Erschienen in der brand eins)

Der NSA-Skandal hat nicht nur unser Bewusstsein für die Gegner geschärft, er wirft auch ein neues Licht auf unsere eigene Rolle im Umgang mit Daten. Seit wir wissen, dass die NSA Back-ups unserer Festplatten bereithält, unsere E-Mails mitliest und unsere Telefonate mithört, sind zwei gegenläufige Bewegun- gen zu beobachten: Auf der einen Seite werden die politischen Anstrengungen zur Ausweitung des Datenschutzes stärker – auf der anderen wird immer offenkundiger, dass sich die Mehrheit der Internetnutzer für das Schicksal ihrer Daten noch immer kaum interessiert.

Keine Demonstrationen, kein Aufschrei, nicht mal Online- Petitionen wurden bekannt, nachdem Snowden und Co. ihre Erkenntnisse darüber veröffentlichten, dass so eine Art Surf-Stasi von Hawaii aus das gesamte Internet überwacht.

Sascha Lobo schloss von der eigenen Kränkung durch die NSA auf die Kränkung der gesamten Menschheit. Alles klar, könnte man denken. Aber wovon, wenn nicht von sich selbst, soll man sonst auf andere Menschen schließen? Mal ehrlich: Selbst wenn man sich vor Augen hält, dass aus jedem Smartphone ein vollständiges Profil seines Benutzers über Bewegung, Beziehun- gen und Bildung ausgelesen werden kann – würde man (also Sie!) es deshalb jetzt ausschalten und für immer ausgeschaltet lassen? Jeder hat ja schon mal erlebt, wie das Störgefühl abklingt, wenn man etwa nicht mehr daran denkt, dass das iPhone ständig an Apple sendet, wo man ist. Oder dass am Rand eines Nachrichten- portals für Schuhe geworben wird, die im Onlineshop zuvor ge- sucht wurden. Oder dass E-Mails auf privaten Konten auch auf Servern in den USA liegen, während Datenschützer längst wissen, dass das Safe-Harbor-Abkommen über die Einhaltung von Daten- schutzstandards Unsinn ist. Es interessiert niemanden. Aber wa- rum ist das so? Weil wir keine Folgen spüren.

Die Gefahr ist so abstrakt, dass sie uns keine Angst macht. Wurde sie greifbarer, seit wir wissen, dass die NSA alles über- wacht? Gibt es sogar schon einen Schaden? Ja, sagen diejenigen, deren Verhalten sich nach der Aufdeckung verändert hat. Nein, sagen dagegen jene, die personalisierte Werbung am Web-Seiten- rand zwar komisch finden, viel weiter aber mit der Systemkritik nicht kommen. Das sind die Gleichgültigen, deren Standpunkt bisher keinerlei Gewicht in der Datenschutzdiskussion hat. Und
sie sind, wie jede Spontanumfrage zeigt, in der absoluten Mehr- heit.

Bei Lichte betrachtet wird klar, dass die Gleichgültigkeit die- ser Mehrheit nicht das gesamte Netz trifft. Denn dieses Netz, von dem seine Kritiker so aufgeregt reden, gibt es nicht. Das Netz ist das Resultat der Entscheidungen, die darin getroffen werden. Je- der von uns nutzt das Netz, wie er mag, zum Schreiben, Lesen oder Kaufen. Die NSA hat sich entschieden, es auch zum Mit- schreiben, Mitlesen und Ausspähen zu nutzen. Alle Kritik, alle Verbesserung, jede Beobachtung „des Netzes“ muss hier anset- zen, bei den Entscheidungen, die über die Art seiner Nutzung getroffen werden. Damit gemeint ist der Unterschied zwischen Knast und Kreditkarte. Amazon, Google und Facebook können mit ihren Daten über mich schlimmstenfalls eines tun: mir etwas verkaufen. Die NSA und der BND können mich dagegen meiner gesamten Freiheit berauben – um diesen Unterschied muss es bei jeder Regulierungsdebatte gehen.

Sicher, der Staat muss seine Bürger schützen. Aber darf er sie auch dort bevormunden, wo ihnen die Sammlung ihrer Daten egal ist? Anders als bei staatlicher Bespitzelung ist die Gleichgül- tigkeit des Bürgers im Privaten frei wählbar und nicht nur Resul- tat von Machtlosigkeit.

Diese Selbstverständlichkeit, selbstbestimmt mit Daten umzu- gehen, entgeht vielen der heutigen Entscheidungsträger. Sie sind Menschen, die das Digitale noch als virtuelle Realität kennenge- lernt haben. Und sie übersehen, dass die Generation nach ihnen das Virtuelle dieser Realität einfach gestrichen hat. Das aber macht diese Menschen nicht zu Betreuungsfällen – man kann auch bewusst gleichgültig mit Daten im Netz umgehen. Man kann bewusst in einem Netzwerk unterwegs sein, von dem jeder weiß, dass es auch dazu dient, andere zu beobachten. Und man kann es auch normal finden, in dem Bewusstsein zu kommuni- zieren, dass alles sichtbar wird und abrufbar bleibt.

Dass die Generation nach den Schöpfern des Internets keine Scheinwelt mehr im Netz aufbaut, sondern mit den Vor- und Nachteilen leben will, das ist das Neue, das Unbefangene, das Gleichgültige und zugleich Wahre am Umgang mit den Möglich- keiten des Netzes heutzutage. Vor diesem Willen hat der Daten- schutz-Paternalismus zu weichen, denn auch seine letzte Verteidi- gungslinie, die jungen Leute wüssten nicht, was sie tun, bricht ein, wenn man ihre Selbstbestimmtheit anerkennt. Der offene Umgang mit Daten im Internet ist nicht zwangsläufig das Resultat fehlen- den Verständnisses. Er kann auch ein erstes Ergebnis der Entwick- lung dessen sein, was wir seit erst 20 Jahren Netz nennen.

Entwicklungen bergen Risiken. Aber der Staat hat noch nie versucht, alle denkbaren Risiken von seinen Bürgern fernzuhal- ten. Sonst wäre auch Autofahren verboten.

No diversity: Bolognese im Vapiano

Bolognese hat nun mal nichts mit Diversity zu tun. Quatsch sind deshalb rohe Karottenstifte, die kurz vorm Abpfiff noch in die Pfanne geworfen werden.

Denn rohe Karottenstifte sind eben roh und damit anders als der Rest dessen, was man im Mund hat und dadurch fallen sie eben einfach negativ auf. Frische? Mal was anderes? Keine Ahnung, bei mir kam die Message nicht an. Nur pseudogesundes Knacken.

Viele komische Menschen sagen über Systemgastronomie ja viele komische Sachen. Ich dagegen gehöre zu den Menschen, die auch heute nicht leugnen, dass das Coolste am Geburtstag als Kind immer war, dass man zu McDonalds durfte. Und deshalb habe ich auch die Bolognese bei Vapiano ausprobiert. Rechtfertigung Ende. So. Jedenfalls war das am Potsdamer Platz in Berlin (wo auch die U2 abfährt). Obwohl die Örtlichkeit, genau wie der Rechtsanwalt, der in der Schlange hinter mir stand und ins Handy brüllte, dass er gleich in den Call muss, ja eigentlich keine Rolle spielt, denn: richtig, in der Systemgastronomie ist alles austauschbar.

Ergebnis: gut, viel und mittelmäßig teuer. Als der Mann hinter dem Tresen die Nudelsorte, deren Namen ich nicht mehr weiß, aus der Papiertüte in das Kochsieb schütte (das Sieb erinnerte als einziges an McDonalds), schoss reflexhaft aus mir heraus die Frage nach weiterem Brot. Aber ich hatte mich geirrt, denn am Ende war ich total voll. Die Bolognesesoße war fein (wir reden von der Konsistenz) und krisselig, so wie das cool ist und auch nicht zu tomatig, also insgesamt total richtig nur: viel zu wenig. Schaut mal auf das Foto. Sieht da einer rot? Ja, schon. Aber eben nicht genug. Ein schöner Schwung extra hat dem Ganzen gefehlt, um spitze zu sein.

Sieben und ein paar zerquetschte Euro für die insgesamt gute Bolognese minus ewiges Anstehen (Mittagszeit) minus Ölflecken und andere Reste auf dem Tisch sind dann aber nur mittelmäßig. Ingesamt: Vor zwölf und nach zwei absolut empfehlenswert. Nur vorher laut ohne Möhren rufen.

Bananensaft beziehungsweise Wahnvorstellung

Und dann dachte ich, es ist vielleicht besser, wenn ich einfach keinen Bananensaft mehr trinke. Ich meine, den mochte ich früher ja auch nicht. Und wenn das jetzt plötzlich anders ist, also dachte ich, dann bedeutet das ja, dass sich auch mit mir etwas verändert hat und jeder weiß ja, dass man süß als Reiz irgendwie anziehend findet, also sozusagen die geschmacklichen Höhen und Tiefen, wenn man dement ist, dass sich das dann also verstärkt und man das auch daran eben erkennen kann, dass einer krank ist. Aber das geht natürlich nur in eine Richtung, verstehen Sie? Also ich kann natürlich dement werden und dann deshalb Bananensaft trinken. Aber ich kann nicht aufhören, Bananensaft zu trinken und dann weniger dement sein. Aber was soll man dann tun? Womit soll man denn aufhören, um weniger dement zu sein? Das ist ne fucking Einbahnstraße und Du kannst Dich noch nicht mal dagegen entscheiden, in sie einzubiegen, sondern wirst einfach gedrückt, gepusht, to the limit, bis das Opfer wieder stabil ist und dann, die Karriere verbaut, schwere KV und am Ende kommst Du nicht mal Knast, weil so ein Spast was davon faselt, dass Du zwiegespalten bist, so von der personality her und dass Du Wahnvorstellung hast. Hundesohn.

Schlechte Art

Das war halt so, dass wir erst gesagt haben, ja, wir machen das. Und wir hatten auch nen Plan, also einen, der war vollständig und nicht nur so halb oder so, so waren wir nicht, denn wir wussten ja, davon gibt es genug. Und dann haben wir gesagt okay er macht die Beats und ich schreib die Texte und sie macht die Voice, so halt jeder entsprechend seiner Talente gemäß und sie hatte echt sone bitchy Art Mann das hätte bombe in jeden Video gepasst, naja und seine Beats waren genauso, also ich sag mal von dem her echt schon perfekt und es war jetzt auch nicht so, dass ich nichts schreiben könnte, ja, also ich hab ja gesagt, dass ich das mache und so und ich hätte es auch gemacht, nur ich sag mal auch, das geht halt am besten, also eigentlich nur, wenn die richtige Stimmung da ist, verstehst Du, so vom Mind her und ich sag mal wie sie schon immer geguckt hat, also allein, wenn sie auf Toilette war, sie hat sich aufgeführt, als wäre sie in einen Hotel naja und er, ich schwör, er war verliebt in sie, wie er ihr immer alles durchgehen also erlaubt hat, übertrieben behindert, wenn sie sagt Basecap sorum dann er macht sorum, verstehst Du, also echt so auf die schlechte Art.

Nicht redigierte Notiz vom 12. September 2013

Er hat einfach weiter gesprochen. Ich verstand kein Wort von dem, was er in einer Mischung aus Polnisch, Spanisch, Englisch und Gesten erzählte. Aber er erzählte, 20 Minuten lang, ab und zu warf seine Frau ein englisches oder spanisches Wort ein und so redeten wir immer fort, ich nur Ja und Nicken und I understand und er, bin ich mir am Ende ziemlich sicher, erzählte von der Arbeit, von seiner Küche und dem Essen, von seinem Sohn, der zwei Schürfwunden am Kopf hat und im Krankenhaus ist wegen eines Sturzes in der U-Bahn und vom Krieg und der Narbe unter dem alten BWM-Basecap auf seinem Kopf, die daher rührt und ich fragte nicht ihn, sondern nur mich, warum er so frei weiter plapperte, obwohl ich doch nicht erst nach zwanzig Minuten oder immer mal wieder zwischen durch, sondern von Anfang an die ganze Zeit nichts verstand und verstand ja doch ab und zu was und schüttelte er mir die Hand und gratulierte, als ich lawyer antwortete und wir lachten beide, viel, auch seine Frau manchmal mit, denn man muss ja einfach lachen, wenn einer lacht. Seit 44 sind sie in Amerika und dann kam der Bus. Und dann waren sie weg. Deshalb standen wir auch noch 18 Minuten weiter zusammen unter dem Dach, als der Regen vor 20 Minuten schon nach zwei Minuten wieder aufhörte und ich nur glaubte, dass es keinen Grund gab, jedenfalls nicht mein Verstehen, um hier weiter neben mir zu verharren , Rolltasche und Tüten in der Hand, der Bus lies die Seite hinunter und die zwei waren weg, nur ein ok, kein bye bye, kein Lächeln, zwei Rücken, die von Rolltasche und Tüte vor sich her in den Bus geschoben wurden, eine schöne Erinnerung.

Kleine Furchen

Wenn die Sonne blendet, dann kneife ich seit einer Weile meine Augen nicht mehr zusammen. Um die Falten nicht noch tiefer um meine Augen zu ziehen. Ich reiße sie auf, die Augen, und trinke viel Wasser, zweieinhalb Liter am Tag, um die kleinen Furchen zu füllen, von innen, sie aufzuschwemmen, nass, denn Falten sind Risse und Risse haben mit Trockenheit zu tun, die es nicht gibt, wo man gießt. Und wenn meine Lehre beginnt, dann kaufe ich mir gute Creme.

Soljanka-Style: Bolognese im Via Nova

Dass das Foto ein bisschen hässlich geworden ist, ist irgendwie bezeichnend, denn eine Schönheit (wie diese vier) ist sie wirklich nicht, die Bolognese aus dem Via Nova in der Universitätsstraße, gleich um die Ecke vom Bahnhof Friedrichstraße.

Vielleicht ist das ja ein Zeichen für besonders selbstgemachte Kost. Aber es ist auf jeden Fall nicht mein Style. Diese Bolognese wirkte auf mich ein bisschen wie wir-werfen-alles-rein-was-weg-muss. Fleischstückchen? Also wir reden nicht von Hackfleisch-Stückchen. Sondern so Fleisch-Fleisch. Saure Gurke? Kleine Pilzteile? Keine Ahnung. Bei Bolognese kann ja jeder machen, was er will. Aber schön ist was anderes.
Anders der Geschmack. Denn der ist super und vor allem nicht zu tomatig. Das berücksichtigen viele Bolognese-Artists nicht genug. Mittelmäßig, also genau in der Mitte zwischen zu viel und zu wenig gewürzt war sie, sodass ich nicht nachhelfen musste und die Nudeln waren genau so (getrennt geschrieben), dass man sie weder hart noch weich nennen könnte, also perfekt. Der Parmesan frisch (was bei dem Preis nicht selbstverständlich ist) und die Kellnerin, also wirklich, total nett. Der Laden selbst wirkt irgendwie lieblos eingerichtet aber seine Lage ist toll und, wer Bolognese nicht mag: die Pizzen sind, wie ich aus eigener Anschauung weiß, die besten im Umkreis von zwei Kilometern. Nochmal zur Bolognese: € 6,90 auf der Mittagskarte und alles in allem über dem Strich.

Dass sie das fragen müsse

Dass sie das fragen müsse, hat die Ärztin gesagt und dass sie damit nichts sagen wolle und man das jetzt auch noch gar nicht könne, weil erstmal abzuwarten sei. Wie das und das andere zu verstehen war, fragten wir uns danach. Und ob wir die richtige Antwort gaben. Dann drangen wir nach draußen, vor die Tür auf den Flur, wo keine anderen Besucher waren und Du nicht neben uns lagst wie ein Gegenstand, wie ein Objekt, über das man so verhandelt. Meine Kleine, hab ich Dich am Ende genannt, bevor ich ging. Ich kam noch mal rein, etwas war noch nicht fertig, noch nicht gesagt, noch nicht getan und dann streichelte ich Deine Schläfe und küsste sie dreimal. Ich nahm Deine Hand, als sie am Lacken zog und Deine Finger schlossen sich für ein paar Momente um meinen, ich verstand das als Zeichen von Dir an mich, nein, ich fragte mich, ob ich es als ein Zeichen von Dir an mich verstehen durfte und ich sah Dich an und Deine Augen sahen in die Richtung, aus der der Schlag kam, das sei normal, sagte die Ärztin vorhin, ich hörte Dich atmen, das klang ganz normal und dann piepste das Gerät wieder und dann verstummte es wieder, ich sagte nicht mehr als Tschüß, meine Kleine und dann wollte ich nicht, dass es endgültig klingt, also verabschiedete ich mich auf Morgen und merkte schon, dass ich morgen nicht kann und fügte an, vielleicht auch bis übermorgen und dass ich alles probieren will, was möglich ist, um zu kommen, das werde ich auch, ich versprach es Dir und mir ob es ein Zeichen von Dir an mich war, ich weiß es nicht und das ist auch nicht egal, auch dann nicht, wenn alle behaupten, Du bekämst eh nichts mehr mit, selbst wenn es so wäre, bin ich doch nicht nur für mich da, nein auch für Dich, so wie Du es damals warst, als ich vier, fünf, sechs, sieben Jahre alt war.

Silvester letztes Jahr

Die Leute meinten alle, auf der Party sei noch irgendwas voll abgefahrenes passiert. Aber keiner wollte es mir sagen. Und ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern.

Zurückgeblieben

Ich komme nie nach Hause. Denn ich bin von dort nie weggegangen. Auf dem Land, das habe ich von Bekannten gehört, auf dem Land, da lacht man über Menschen wie mich. Ich habe nie die Welt gesehen. Ich kenne nur den Ort, aus dem ich komme. Ich bin nie draußen gewesen, nie um-, nie ein-, nie ausgezogen. Ich bin nie auf dem Weg nach Hause aus einer Regionalbahn gestiegen und ich habe nie an einem Bahnübergang gewartet, an den ich auch denke, wenn ich mich an die Kindheit erinnere. Ich habe niemandem je Rechenschaft darüber abgelegt, warum ich irgendwann weg bin, kenne keinen, der mir sagt, dass ich älter aussehe, als früher und ich verabschiede mich von niemandem bis nächstes Jahr.

Ich wohnte mal in der Wilhelm-Pieck-Straße und nun, seit kurz nach der Wende, in der Torstraße. Und ich fühle mich zurückgeblieben. Jedes Jahr. Wenn die Bekannten aus der Arbeit und aus dem Park und aus dem Café und aus dem Yogakurs und aus dem Späti und aus dem Ausland sich eine Woche später über die leeren Parkplätze hier und all das austauschen, was sie zwischen den Jahren dort, zu Hause, erlebt haben. Wenn sie kurz vor Silvester, denn dann sind sie alle wieder da, lachen und schimpfen und nebenbei von der Welt erzählen und gemeinsam, darauf kommts an, gemeinsam feststellen, dass es nun auch wieder gut ist und auch wieder reicht und dass es schön ist, wieder hier, wieder zurück, wieder in Berlin zu sein, in diesem Moment fühle ich mich zurückgeblieben. Denn ich bin der, der in der Zwischenzeit hier blieb. Mitten in Berlin. Wartend, nur einen Moment. Bis ich für alle wieder der bin, der von hier kommt. Für mindestens ein Jahr.

Kausalitäten I

Der Wikipedia-Artikel über Guttenberg enthält 286 Fußnoten. Wer Dinge aus Prinzip tut, hat aufgehört, über sie nachzudenken. Wenn das Akkordeon unter der Brücke über der Spree verstummt, geht keiner mehr drunter durch.

# 1 poem – gelesen im Nuyorican Poets Cafe, NYC

Geschrieben Ende August im Bus auf dem Weg von Detroit nach Toronto. Gelesen Anfang September 2013 im Nuyorican Poets Cafe, New York, NY 236 East 3rd Street.

#1 poem

Five minutes eyes closed:
Sky blue, no clouds.

I’m writing down this line,
Head up, grey all around.

Phone rings, “it’s me”,
Who else would it be?

Talking about the weather?
No, I do not agree.

I hang up, just like that,
You call back.

Talking becomes serious,
We’re not used to that.

You come around to rescue,
what we’ve got.

But my eyes tell you
Before I can: That you can’t go for something
That you just pretend.

Five minutes eyes closed:
Sky blue, no clouds.

I’m writing down this line,
Head up, grey all around.

My watch reflects the sunlight
Towards your chair.

It’s pointing at you. Ticking.
But you’re still there.

Coming back from the kitchen,
I see you reading through my phone.

Supposing, who the enemy could be.
Switch it off, Baby.
Our enemy is me.